Alle News

Mehrheit der Verbraucher lehnt Einsatz von Pestiziden ab

, erstellt von

77 Prozent der Deutschen sind für einen Pestizid-Ausstieg in der Landwirtschaft. Das ist das Ergebnis einer aktuellen forsa-Umfrage, die vom Umweltinstitut München und dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegeben wurde. Als gesundheitliches Risiko betrachten die Befragten demnach Pestizide in der Luft.

Laut einer Studie können sich Pflanzenschutzmittel zum Teil kilometerweit über die Luft verbreiten. Foto: Franz W./Pixabay

Befragte schätzen Pestizide in der Luft als Risiko für Natur und Gesundheit ein

Weil im kommenden Jahr in der Schweiz per Volksentscheid darüber abgestimmt wird, ob Pestizide nach einer zehnjährigen Übergangszeit landesweit verboten werden sollen, wollte das Meinungsforschungsinstitut forsa in der Umfrage wissen, wie eine solche Abstimmung in der Bundesrepublik ausfallen würde. 77 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass sie sich für einen Pestizid-Ausstieg aussprechen würden. Wie das Umweltinstitut München und das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft als Auftraggeber der Umfrage berichten, sagten zudem 57 Prozent der Befragten, dass Pflanzenschutzmittel, die sich weit entfernt von Äckern über die Luft verbreiten, ein großes oder sehr großes gesundheitliches Risiko darstellen. Insgesamt 77 Prozent sind der Ansicht, dass Pestizide in der Luft ein großes oder sehr großes Risiko für die Natur sind.

„Die Umfrage zeigt ganz klar, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Pestizide in der Landwirtschaft ablehnen. Die Menschen sorgen sich um ihre Gesundheit und um die Natur, weil Ackergifte sich kilometerweit über die Luft verbreiten“, kommentiert Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft im Umweltinstitut München, die forsa-Ergebnisse. „Agrarministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze müssen das klare Votum der Bevölkerung ernst nehmen und einen schrittweisen Pestizid-Ausstieg in Deutschland einleiten.“

Auftraggeber der forsa-Umfrage fordern Sofortverbot bestimmter Wirkstoffe

Wie die Auftraggeber der aktuellen forsa-Umfrage weiter ausführen, fordern sie ein Sofortverbot der Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, Terbuthylazin und Metolachlor. Diese waren laut der Ende September veröffentlichten, ebenfalls vom Umweltinstitut München und dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegebenen Studie „Pestizid-Belastung der Luft“ am häufigsten weit entfernt von Äckern nachweisbar. Der Studie zufolge verbreiten sich Pflanzenschutzmittel zum Teil mehrere Kilometer weit von den Äckern bis in Städte und Naturparks. Selbst auf der Spitze des Brockens im Nationalpark Harz waren laut der Studie zwölf Pestizide nachweisbar.

Kritische Stimmen zur im September veröffentlichten Pestizid-Studie

Sehr kritisch zu Wort gemeldet hatte sich nach Veröffentlichung der Studie zur Pestizid-Belastung in der Luft im September der Industrieverband Agrar (IVA): Die Studie sei alarmistisch und wissenschaftlich nicht valide. Die nachgewiesenen Mengen seien so minimal, dass sie für Mensch und Umwelt unbedenklich seien. „Hier wird ein Thema künstlich aufgebauscht“, so IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer. Heute lasse sich jeder beliebige Stoff im Spurenbereich nachweisen.

Auch Peter Müller, Deutschland-Chef von Bayer Crop Science, hatte kritisiert, dass die Studie kaum Werte nenne – und wenn, dann sei deren Höhe minimal. Zudem besage der Nachweis allein gar nichts, „schließlich können moderne Analysemethoden heutzutage Konzentrationen nachweisen, die einem halben Zuckerwürfel im Bodensee oder einem einzelnen Roggenkorn in einem 20.000 Kilometer langen Güterzug voller Getreide entsprechen. Auf diese Weise finden Wissenschaftler heute selbst in der Arktis und Antarktis Spuren von Pflanzenschutzmitteln, Reifenabrieb, Mikroplastik und vielen anderen Substanzen“, so Müller in einem offenen Brief an das Umweltinstitut München.

Cookie-Popup anzeigen