Alle News

Memoriam-Gärten: Bedarf nach pflegefreien Anlagen steigt

Ende dieser Woche eröffnet der erste Memoriam-Garten in Niedersachsen auf dem Friedhof Wunstorf. Uwe Stapelmann, Geschäftsführer der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen / Sachsen-Anhalt, ist mit Recht stolz auf dieses erste Projekt seiner Art in Niedersachsen. Im Folgenden erläutert er, warum die Eröffnung dieser Anlage auch ein wichtiger Schritt für den Berufsstand ist.

Uwe Stapelmann. Foto: Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen

„Neudeutsch würde man die gärtnerbetreuten Grabanlagen wohl als ,Win-Win-Situation‘ bezeichnen, denn den Hinterbliebenen wird ein Grab geboten, das Trauerrituale zulässt, die Friedhofsverwaltungen bleiben durch die nicht abgewanderten Gebühreneinnahmen gestärkt, und die Steinmetze und Gärtner können Umsätze generieren. Ein weiterer Vorteil für den Kunden ist, dass der Komplettpreis einer Grabstätte in der gärtnerbetreuten Grabanlage meist günstiger ist als die aufsummierten Einzelpreise herkömmlicher Grabstätten.

Der Bedarf nach solchen Grabanlagen ist vorhanden. Die diversen Rasengrabangebote sind ein Zeiger dafür. Sie werden vermehrt nachgefragt, da sie die einfachste Form einer pflegefreien Grabstätte darstellen. Doch dieselben Hinterbliebenen haben nicht selten Probleme mit den sich aus der Friedhofssatzung ergebenden Einschränkungen. So dürfen meist keine Blumensträuße am Grab abgelegt werden, da sie die Mäharbeiten behindern.

Doch die Trauer am tatsächlichen Ort der Beisetzung auszuleben, ist wichtig für sie. Ein herausragendes Beispiel ist die Ruhegemeinschaft in Burg (Sachsen-Anhalt). Nahezu 65 Prozent aller Bestattungen fanden im Jahr 2009 noch in der anonymen Rasengrabstätte statt. Im September 2011 wurde auf dem Friedhof eine Ruhegemeinschaft errichtet, und nach nunmehr drei Jahren wurde der 200. Vertrag geschlossen. Diese Zahl belegt eindeutig den Wunsch der Hinterbliebenen nach diesen Angeboten.

Die gärtnerbetreuten Grabanlagen werden vielerorts zunehmen. Derzeit rufen vermehrt Friedhofsverwaltungen in der Treuhandstelle an und erkundigen sich nach den Möglichkeiten einer Umsetzung solch einer Grabanlage. Dabei reichen die Bestattungszahlen auf den Friedhöfen nicht immer aus, um einen Memoriam-Garten zu errichten. Doch auch eine Ruhegemeinschaft kann eine Alternative sein. Denn letztendlich kommt es den Hinterbliebenen und den Vorsorgenden darauf an, dass die Gräber stets gepflegt sind.

An dem Memoriam-Garten in Wunstorf sind die Gärtnereien Steigert und Gerdung sowie die Steinmetzbetriebe Spiekermann und Krug beteiligt. Die ersten Gespräche fanden schon im Jahr 2011 statt. Grundsätzlich werden die gärtnerbetreuten Grabanlagen von den beteiligten Gewerken vorfinanziert und die Erstellungskosten durch den Abschluss von Dauergrabpflege-Verträgen refinanziert.

Das heißt, jeder Nutzungsberechtigte trägt einen ideellen Anteil an den Baukosten. Dabei tragen oft die Friedhofsverwaltungen die Investitionskosten der Infrastruktur, da dieser Kostenanteil in den Friedhofsgebühren enthalten ist. Der Wunstorfer Memoriam-Garten weist einige Besonderheiten auf. So verläuft durch ihn die Hauptachse des Friedhofs. Die sich daraus ergebenden Teilflächen werden von jeweils einer Gärtnerei gestaltet. Das bedeutet, dass der Kunde je Grabart zwischen zwei Gestaltungsideen aussuchen kann.

Es gibt auch schon konkrete weitere Projekte in Niedersachsen. Derzeit sind wir mit sechs weiteren Friedhofsverwaltungen im Gespräch. Auf insgesamt 21 Friedhöfen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wurden in Zusammenarbeit mit der Treuhandstelle bislang gärtnerbetreute Grabanlagen in Form einer Ruhegemeinschaft umgesetzt.

Auch wenn jetzt ,erst‘ der erste Memoriam-Garten eröffnet, so stehen wir insgesamt gesehen mit nunmehr 22 Grabanlagen im Vergleich zu anderen Regionen gut da. Um solche Anlagen publik zu machen, werden „zweigleisige“ Strategien gefahren. Zunächst einmal werden die Eröffnungen der neuen Grabanlagen in Zeitungen oder Gemeindeblättern bekannt gegeben, es werden Prospekte erstellt, die an der Grabanlage ausliegen und Bestattern und Friedhofsverwaltungen zur Verfügung stehen. Ferner werden alle gärtnerbetreuten Grabanlagen auf unseren Internetseiten vorgestellt. Und auch die Gartenschauen werden dazu genutzt, Memoriam-Gärten vorzustellen.“ (kla)