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Mini-GmbH: Mängel in der Außenwirkung

Seit dem 1. November gibt es durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechtes und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG), die Möglichkeit, eine so genannte Mini-GmbH zu gründen. Diese deutsche Antwort auf die Rechtsform Limited, auf die in den vergangenen Jahren diverse Unternehmen umgeschwenkt sind, hat aber ebenso ihre Schwächen. Wichtigster Kritikpunkt bei beiden Möglichkeiten, mit wenig Kapitaleinsatz ein Unternehmen zu gründen, ist das meist mangelnde Vertrauen der Geschäftspartner mit solchen Rechtsformen und meist schlechte Bewertungen durch Forderungsausfallversicherungen, zeigte die Diskussion zum Thema auf dem Baumschultag des Landesverbandes Hannover im Bund deutscher Baumschulen (BdB).

Wie Rechtsanwalt Cord Stahlmann in seinem vorausgegangenen Vortrag zum Thema "Mini-GmbH" hervorhob, ist es nach den ersten Erfahrungen seiner Kanzlei wirklich möglich, eine Mini-GmbH innerhalb eines Tages und nur mit einem Euro Stammkapital zu gründen. Die Mini-GmbH ist aus seiner Sicht aber nur als eine Einstiegsmöglichkeit oder Vorstufe zu sehen, die auf eine klassische GmbH hinführt. Im Vergleich zur Ltd. mit ihrem hohen Verwaltungsaufwand aufgrund des anzuwendenden englischen Rechts wertet er die Mini-GmbH als eine gute Alternative.

Wie bei der klassischen GmbH gibt es als Vorteil für den oder die Gründer eine volle Haftungsreduzierung der Gesellschafter. Nachteilig ist aber die schlechtere Außenwirkung, der durch den zwingenden Namenszusatz "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)" oder "UG (haftungsbeschränkt)" deutlich wird. Denn dieser signalisiert, dass möglicherweise nur ein Euro Stammkapital vorhanden ist. Positiv dürfte sich allerdings die Thesaurierungspflicht für die Mini-GmbH niederschlagen, also die Pflicht, jährlich ein Viertel des Gewinns (vermindert um einen etwaigen Verlustvortrag aus dem Vorjahr) als Rücklage zu bilden bis ein Stammkapital von 25.000 Euro angespart ist. Dann ist es wiederum möglich, die Mini-GmbH in eine klassische GmbH umzuwandeln. Wer diese Grenze erreicht hat, sollte dies dann auch wegen der wesentlich besseren Außenwirkung tun, rät Stahlmann. Wie die Geschäftspartner auf die Mini-GmbH letztlich reagieren, müsse jedoch die weitere Entwicklung zeigen.

Die Kreditwürdigkeit ist nach seiner Ansicht gegenüber der Ltd. wegen der Ansparverpflichtung höher anzusiedeln. Wenn es eilt, ist die schnelle und gegebenenfalls günstige Eintragung bei standardisierter Gründung mit Mustersatzung und -protokoll ebenfalls ein Vorteil. Eine Beurkundungspflicht bestehe zwar nach wie vor, doch sind dabei gleich drei Urkunden zusammengefasst (Gesellschaftervertrag, -liste und Geschäftsführerbestellung).

Kritisch zu werten sind laut Stahlmann fehlende Regelungen im Standardprotokoll zu den Aspekten Wettbewerbsverbot (wenn ein Gesellschafter ausscheidet), Geschäftsführerbefugnisse (darf er die Firma verkaufen?), Beschlussfassung, Vorkaufsrecht, Unternehmensnachfolge (dürfen Kinder eines Gesellschafters erben?), Abfindung oder Kündigung. Stahlmann empfiehlt deshalb bei der Gründung einer Mini-GmbH mit mehr als einem Gesellschafter vom standardisierten Gründungsprotokoll Abstand zu nehmen und solche fraglichen Punkte über einen Notar vertraglich zu regeln. Auch bei einer Mini-GmbH bleibe die notarielle Beurkundungspflicht erhalten und damit auch die Beratungsspflicht des Notars.