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Mit den Augen der PR: Chelsea Flower Show – Mekka des Gärtnerns

Vertikales Grün, botanische Vielfalt bis Wildheit, Gemüse in jeder Form. Ein wenig Geist von Chelsea stünde uns gut, meint Claudia Gölz, Nedwork, Düsseldorf.

Ich habe einen Traum: Jeder Gärtner, jeder Baumschuler, jeder Gartencenterbetreiber, jeder Landschaftsarchitekt, jeder Landschaftsgärtner, jeder Gartenjournalist, jeder leidenschaftliche Hobbygärtner … müsste mindestens einmal im Leben die Gelegenheit haben, einen Tag auf der Chelsea Flower Show in London verbringen zu dürfen. Warum? Um einmal diese geballte Mischung aus Gartenhochkultur, Pflanzenqualität, kreativer Gartenplanung, Euphorie, Stolz, begeistertem, wissbegierigem Publikum und vielen praktischen Tipps und Hinweisen zu erleben.

Um zu staunen, wie Gärten, die für fünf Tage gebaut werden, aussehen können; um zu erleben, wie wichtig Gärtnern sein kann; um zu spüren, wie stolz sich eine ganze Branche präsentiert; um zu sehen, wie innovativ die gärtnerische Produktion ist, wie kreativ die Gartenplanung, wie motiviert und interessiert die Ausstellungsbesucher sind, wie großartig ein gartenbauliches Event durch eine nationale Berichterstattung getragen wird.

Eine Woche lang bestimmt das Gardening in Chelsea die britischen Medien, auf Titelseiten und in öffentlich-rechtlichen Sendern zur Prime Time, mittags und am Abend. Was bei uns Pilawa und Beckmann, sind in Großbritannien die Fernsehgärtner, die eine Woche lang den Garten mit seinem botanischen Tiefgang, aber auch mit seinen Gewerken so ernst nehmen, wie man es sich hierzulande im Fernsehen schon gar nicht vorstellen kann. Gut, das Ganze ist auch eine große Show und ein Riesengeschäft, aber „so what?“

 Schon morgens bilden sich Schlangen vor dem Eingang

Schon morgens um acht Uhr bilden sich lange Schlangen vor den Eingängen. Doch wir sind in England, hier drängelt keiner, wenngleich es alle zuallererst zu den 17 großen Schaugärten zieht. Einer großen Welle gleich bewegt sich die Masse diszipliniert zur Hauptachse. Nur die Fernsehakteure und die Queen dürfen die Gärten betreten, die Zuschauer bleiben hinter den Kordeln zurück und warten geduldig, bis auch sie endlich in der ersten Reihe stehen, um ihre Kameras und Smarthandies in die Gärten zu halten, um das Gesehene festzuhalten. Millionenfach macht es klick.

Zu allen Gärten gibt es ausführliche Grundrisse, Informationen über die Idee, den Planer, den ausführenden Betrieb, das verwendete Material und lange botanische Listen, die meisten mit Fotos und für uns überraschend: mit großer, sachlicher Selbstverständlichkeit einer klaren Nennung der Sponsoren oder Medienpartner, die die Gärten schließlich erst möglich gemacht haben.

Zum dritten Mal in Folge hat der Garten des Daily Telegraph die Goldmedaille des besten Schaugartens gewonnen. Cleve West plante den Garten und ließ sich dabei – wie er im Fernsehinterview sagte – von den römischen Ruinen in Libyen inspirieren. Die Bepflanzung mit Wild-stauden und -kräutern sieht natürlich und zufällig aus – auch das ist eine Stärke von Chelsea. Man sieht keinem Garten an, dass hier alles in wenigen Tagen entstanden ist: Wege, Wasserläufe, Mauern, Gebäude, jeder Baum, jede Staude, jeder Grashalm sieht aus wie hier gewachsen.

Fazit

Pflanzen, die sich selbstständig vermehren, am besten selbst aussäen, Gräser, Buchsbäume, die nicht geschnitten werden, skurrile Pflanzensolitäre sind die Akteure von Chelsea 2011. Der formale Garten scheint Vergangenheit, der wilde Garten ist da. Botanische Vielfalt ist angesagt, Kräuter und Duftpflanzen und immer wieder Gemüse. Dabei hat der Garten längst die Horizontale verlassen und wächst auch turmhoch oder an der Wand lang.

Die erste Chelsea Flower Show fand 1913 statt.

  • Träger der Show ist die Royal Horticultural Society.
  • Die Show ist schon Wochen vor der Eröffnung ausverkauft, dabei werden nicht mehr als 157.000 Tickets verkauft.
  • 600 Aussteller, 17 große Schaugärten, 15 kleine Gärten, über 100 Züchter und Baumschulen, über 250 Stände.
  • Vorbereitungszeit 15 Monate.
  • 800 Menschen bauen in 33 Tagen auf einer Rasenfläche im Park eines Altenheimes die Chelsea Flower Show.
  • Die Schaugärten werden in drei Wochen aufgebaut, die kleinen in zehn Tagen, in fünf Tagen nach der Show muss alles wieder rückgebaut sein.