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Moderne Kiesgärten brauchen mehr als nur Steine

Einschlägige Gartenzeitschriften haben Kiesgärten längst zum Trend erklärt. Die Nachfrage steigt, Baumärkte bieten Zubehör an. Doch nicht alles, was als Kiesgarten bezeichnet wird, genügt den Ansprüchen der Experten. Auch gehen die Meinungen darüber auseinander, wie pflegeleicht sie wirklich sind.

Es wird viel Schindluder mit dem Begriff Kiesgarten getrieben“, sagt Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim. Der Professor für Pflanzenverwendung an der Hochschule RheinMain kritisiert, der deutsche Sauberkeitswahn führe zum Teil dazu, dass ganz auf Pflanzen verzichtet werde. „Solche Flächen haben für mich das Wort Garten nicht mehr verdient.“ Nicht Steinflächen, sondern Pflanzen müssten dominieren.

Ein besonders gelungenes Beispiel sei da der Garten der Sinne im saarländischen Merzig. Inzwischen könne man von einem Trend sprechen, spätestens seitdem Baumärkte Wurzelvlies und mineralischen Mulch speziell für Kiesgärten anbieten. „Vor fünf Jahren hatten die noch nichts im Sortiment“, meint Schmidt.

Markus Högl, Geschäftsführer von Högl & Mandlmeyer in Landshut, hat mit seinem Unternehmen schon einige Kiesflächen angelegt. „Sie machen vor allem da Sinn, wo wir früher die ominösen Steingärten gebaut haben“, sagt der Gärtner von Eden. Die Gestaltung entspreche den Erwartungen vieler Kunden an moderne Gärten: offene, begehbare Flächen und sparsame, zurückhaltende Pflanzungen. Anders als in typischen Steingärten werden nun höher wachsende Stauden wie Salbei und Gräser gepflanzt, wodurch Kiesgärten natürlicher wirken.

Immerhin dient die Natur auch als Vorbild für das neue Gestaltungsbild. Kiesgärten sind vor allem in trockenen Regionen ökologisch sinnvoll und zugleich attraktiv und modern, sagt Bernd Hertle, Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. „Bei richtiger Pflanzenwahl und optimaler Bodenvorbereitung muss solch ein Garten weder gegossen noch gedüngt werden.“ Sein Gartenratgeber „Kiesgärten – Blütenpracht ohne Gießen“, erschienen 2010 bei Gräfe und Unzer, wurde 2011 als Bester Ratgeber mit dem Deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnet; ein Indiz dafür, dass der Professor mit seinem Ratgeber den Zeitgeist getroffen hat.

Nähere Informationen z. B. über bewährte Staudenmischungen finden Sie in unserer aktuellen TASPO Ausgabe 04/2013(vg/ts)