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Mystische Floristik und Fotografie

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Sagen und Märchen dienen im Bildband „Flora Mythica“ als Inspiration für außergewöhnliche Floristik und Fotografie. Die Online Redaktion sprach mit Marco Appelfeller, der die floristischen Ideen für das Buch entwickelte und umsetzte. Das Werk erscheint am 29. Februar.

Du hast Dich entschlossen, Deiner Kreativität in einem Projekt Ausdruck zu geben, das von den „typischen Wegen“ der Floristik abweicht… Wie bist Du auf die Idee zu „Flora Mythica“ gekommen?

Ich arbeite nicht alleine an diesem Bildband, sondern gemeinsam mit dem Fotografen Hing Ang und seiner Verlobten Esther. Es hat uns einige diskussionsreiche und deshalb schlafarme Nächte gekostet, bis wir wussten: Dieser Bildband muss sich von herkömmlichen Blumen- und Floristenbüchern unterscheiden. Wir verweben Blumen mit Geschichten und stoßen Menschen wie Kollegen damit an, auch mal außerhalb der eigenen Komfortzone zu denken und so ganz neue Ideen zu finden. Vielleicht können wir der Floristik einen neuen Hauch, wenn nicht sogar ein neues Leben geben.

Und was ist aus Deiner Sicht das Besondere an diesem Projekt?

„Flora Mythica“ ist das Buch der Mystischen Floristik und Fotografie, es orientiert sich an den Märchen der Gebrüder Grimm, denen eines Hans Christian Andersen, aber auch an den Werken Shakespeares und der griechischen Mythologie. So einen Bildband hat es bisher noch nicht gegeben. Wir sind stolz darauf, einen Weg eingeschlagen zu haben, der jedem Floristen zeigt, dass auch in ihm ein Künstler steckt und er sich deshalb freier bewegen und vor allem unbeschwerter denken sollte. Du musst keinem bestimmten „Guru“ der Floristik folgen, um selbst kreativ zu sein.

Auf welchen Teil des Buches bist Du besonders stolz? Gibt es ein Highlight, das Dich als Floristen besonders anspricht?

Das werde ich oft gefragt, und ja ich habe wirklich ein Lieblingsbild, das in „Flora Mythica“ zu sehen sein wird – den Faun. (Siehe Bildergalerie) Trotzdem: Jedes Bild in diesem Buch erzählt seine eigene Geschichte, jedes ist besonders in seiner eigenen Art. Jeder Betrachter fühlt sich zu einem anderen Bild hingezogen, da es für jeden persönliche Erinnerungen und Assoziationen weckt. Außerdem sind alle Abbildungen völlig authentisch, denn dort sieht man echte Menschen und echte Blumen, die ihre eigene Geschichte unverfälscht wiedergeben. Ich bin gespannt, wie Floristen und Fotografen gleichermaßen auf unser Buch reagieren werden.

Welche Blumen und Pflanzen wurden für die Fotos verwendet? Musstest Du die Arrangements speziell präparieren?

Wir haben für „Flora Mythica“ meist Blumen verwendet, welche auf der ganzen Welt und zu allen Jahreszeiten zu finden sind, jedoch auch einheimische australische Pflanzen wie zum Beispiel die Sturt Desert Pea (Australische Wüstenerbse). Dazu kamen auch Echeverien und Sukkulenten, Ranken und Blätter, die hier zwar einheimisch sind, jedoch ihren Ursprung in anderen Ländern haben. Es war nicht immer einfach, denn wenn wir dachten, wir hätten eine Hürde gemeistert, taten sich zwei neue Hindernisse auf. Am meisten machten uns die Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius zu schaffen, da vor allem Schnittblumen bei diesen Verhältnissen nicht lange eine gute Figur machen. Trotzdem haben wir in einem Jahr viele kleine Kunstwerke geschaffen, mit Naturstielen, geklebten Elementen, im Wasser gefertigten Werkstücken, mit außergewöhnlichen Fotomodels und Werkstücken, die wir eigentlich gar nicht für möglich gehalten hätten.  

Siehst Du Dich denn eher als Florist oder als Künstler?

Mich kann man in keine Form pressen. Ich sehe mich nicht so sehr als Floristen, sondern vielmehr als „Creator“ oder auch Individualisten. Die Floristik, die ich schaffe, ist sehr europäisch, was manche Leute hier nicht verstehen können. Trotzdem lasse ich keinen Zweifel an meinem eigenen Stil aufkommen. Deshalb habe ich mich auch entschieden, genau diesen eigenen Stil weiterzuentwickeln und mir eine eigene Fangemeinde aufzubauen. Seit 2009 arbeite ich mit dem Fotografen Hing Ang und mit Magazinen aus Russland, China und Hong Kong an Projekten, die meine Floristik den Kollegen aus Ozeanien und dem pazifischen Raum näherbringt. Der Verlag Stichting Kunstboek unterstützt uns und so haben wir im November 2014 nach langen Verhandlungen die Zusage für „Flora Mythica“, unser erstes eigenes Buch, bekommen.    

Woher nimmst Du Deine Inspiration? Verehrst Du bestimmte Idole unter den Floristen?

Eigentlich habe ich keine Idole. Gleichzeitig bilde ich mir kein Urteil darüber, wie andere ihre Kreativität „denken“ und ausleben. Die Inspiration wartet eigentlich überall: Manchmal sehe ich interessante Objekte, ungewöhnliche Dinge in Baumärkten und Fachgeschäften, finde Sachen am Strand. Aber ich bin auch nicht „Superman“ und denke Tag und Nacht daran, wie ich die Welt der Floristen mit „Wow-Objekten“ in Sprachlosigkeit versetzen kann. Einen großen Teil der Inspiration schulde ich Hing und Esther, die mir immer zur Seite stehen und mich mit ihrer ganz eigenen kreativen Ader in neue Richtungen lenken, die ich meinerseits dann versuche, in der Sprache der Blumen auszudrücken. Auf jeden Fall sind wir noch lange nicht am Ende und wir werden weiter daran arbeiten, der Floristik ein neues und andersartiges Gesicht in der Öffentlichkeit zu verleihen.

Zum Gesprächspartner Marco Appelfeller:

Marco Appelfeller ist zum Zeitpunkt dieses Interviews 41 Jahre alt, in Neuhaus am Rennweg in Thüringen geboren und gelernter Florist. Er eröffnete 1996 einen eigenen Laden („Floristik am Markt“) in seiner Heimatstadt Oberweissbach. Dann setzte Marco Appelfeller noch einen Meister „obendrauf“ und arbeitete eine Zeit lang als Ausbilder an einer Schule für Floristik. Zudem gewann der Thüringer 2002 die Silberne Rose. 2004 wanderte der Florist nach Australien aus, wo er vier Jahre später auch die Landesmeisterschaften der Floristen gewann. Seit sieben Jahren ist Appelfeller mit dem Fotografen Hing Ang befreundet. „Flora Mythica“ ist das erste Buch, das sie gemeinsam veröffentlichen. 

Marco Appelfeller wird „Flora Mythica“ am 3. April bei Blumen Weisheit in Barchfeld im Rahmen eines verkaufsoffenen Sonntags präsentieren.