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Nachgehakt: Baumschulen in der (Wirtschafts-)Krise?

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Exportprobleme durch den schwachen Rubel und die Ukraine-Krise, Umsatzeinbrüche durch die Insolvenzen der großen Baumarktketten Praktiker und Max Bahr und generell niedrige Preise – die wirtschaftliche Lage für Baumschulen ist aktuell nicht gerade rosig. Davon zeugen nicht zuletzt die Insolvenzen großer Betriebe wie jüngst BKN Strobel. Doch deutet sich damit bereits eine dauerhafte „Abwärtsspirale“ für die Branche an? TASPO Online hat nachgehakt bei Jan-Dieter Bruns, Geschäftsführer von Bruns Pflanzen-Export und Mitglied im Fachgremium Großhandel und Export des Bundes deutscher Baumschulen (BdB).

„Die deutsche Baumschulwirtschaft befindet sich in einer sehr starken Umstrukturierungsphase“, sagt Jan-Dieter Bruns. Foto: Bruns Pflanzen Export

Wie schwer trifft der Rubelverfall die deutschen Baumschulen?

Es sind sicherlich mehrere Gründe, die den Export nach Osteuropa beeinträchtigen. Auslöser war der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der mit der Wiedereingliederung der Krim zu Russland begann, und die auch noch heute andauernden Unruhen zwischen der Ostukraine und den russisch orientierten Separatisten.
Die von den westlichen Staaten verhängten Sanktionen und insbesondere auch der niedrige Ölpreis führten zu einem starken Rubelverfall, der sich insgesamt auch auf die Pflanzenlieferungen nach Osteuropa auswirkte. Nach unserer Einschätzung ist der Russland-Export um etwa 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.
Der schwache Rubel trifft vor allem die russischen Gartencenter und Großhandelsstrukturen, die ihre Pflanzen auf Vorrat in Europa einkaufen und diese ihren Kunden in den russischen Metropolen zum Weiterverkauf anbieten. Etwas weniger betroffen sind große russische Privatgärten, da bereits vor der Krise hohe Geldsummen nach Westeuropa transferiert wurden und vom Wechselkursverlust nicht betroffen sind. Jedoch ist auch hier bei den Bauherren das Glas eher halbleer, als halbvoll und die Ausgabefreudigkeit verhaltener.
Für uns alle sehr wichtig ist, dass die Politiker wieder miteinander reden, denn nur durch Gespräche kann die angespannte Situation gelöst werden. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass der russische Präsident Putin wieder zu den wirtschaftlichen Gipfeln eingeladen wird und die Sanktionen gelockert werden.

Wie wichtig ist der russische Markt für Ihr Unternehmen? Und was passiert mit der Ware, die eigentlich für den russischen Markt bestimmt war?

Der russische Markt ist für unsere Firma ein interessanter Markt und wir haben bereits vor 20 Jahren mit den ersten Pflanzenlieferungen begonnen. Jedoch muss man wissen, dass wir 60 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland erzielen und 40 Prozent im Export. Von diesen 40 Prozent ist nur ein Teil Osteuropa-geprägt und auch heute noch sind wir auf dem russischen Markt sehr aktiv.
Wir merken jedoch den Rückgang und haben mit unserer Aufschul-Politik bereits entsprechend gegengesteuert.

Welche Möglichkeiten haben Baumschulen generell, um Umsatzeinbußen beispielsweise durch den Rubelverfall – zumindest teilweise – zu kompensieren?

Baumschulen generell sollten sich ihr Aufschul-Programm sehr genau überlegen und insgesamt sehr gezielt und auch verhaltener aufschulen.
Eine Stagnation, beziehungsweise ein leichter Rückgang in der Pflanzennachfrage zeichnete sich bereits vor einigen Jahren ab, und so haben wir bei uns in der Baumschule durch Umstrukturierungsmaßnahmen und durch eine verhaltenere Aufschulung gegengelenkt.
Dazu muss ich sagen, dass wir in den letzten 20 Jahren unsere Baumschule immer wieder der Situation angepasst haben. Das in guten Zeiten verdiente Geld wurde wieder in die Baumschule investiert und wir haben immer aus der Stärke heraus den Betrieb neu ausgerichtet, sodass wir auch heute noch mit einem festen Mitarbeiterstamm von 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig sind.

Welchen – wirtschaftlichen und auch anderen – Herausforderungen sind die deutschen Baumschulen darüber hinaus aktuell ausgesetzt? Als Hauptgrund für die jetzt erfolgte Insolvenzanmeldung von BKN Strobel wurden beispielsweise die Insolvenzen von Praktiker und Max Bahr genannt…

Die deutsche Baumschulwirtschaft befindet sich in einer sehr starken Umstrukturierungsphase, die noch zu vielen Veränderungen führen wird.
Es gibt eine sehr große Produktion, verbunden mit einer verhaltenen Nachfrage, die zu vielen Problemen in den Betrieben führt. Insbesondere der Gartencenter-Markt unterliegt großen Veränderungen. Die Gartencenter verändern sehr stark ihr Sortiment in Vielfalt und Größe und ordern just in time witterungsabhängig die benötigten Stückzahlen, sodass Probleme wie die Insolvenzen von Praktiker und Max Bahr zu Problemen in den Lieferbaumschulen führen können.
Die Firma BKN Strobel ist jedoch gut aufgestellt und ich hoffe, sie wird es schaffen, weiter am Markt aktiv zu sein.

Mit BKN Strobel und der Euro-Baumschule Rudolf Schmidt haben in diesem Jahr schon zwei große Baumschul-Betriebe in Schleswig-Holstein Insolvenz angemeldet – wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die weitere Entwicklung für die Baumschulbranche?

Wie bereits angesprochen, befindet sich die Baumschulbranche in einem starken Veränderungsprozess und wir gehen davon aus, dass sich noch vieles in der Baumschulbranche verändern wird. Insbesondere die nachwachsende Generation wird sich überlegen, ob sie
den elterlichen Betrieb übernehmen und sich dem täglichen Druck und dem Existenzkampf stellen will.
Die Insolvenzen von BKN Strobel und der Euro-Baumschule Rudolf Schmidt, die ich persönlich sehr bedaure, da mich mit beiden Betrieben viele Erinnerungen verbinden, haben unterschiedliche Gründe. Aber insgesamt ist das Anbaugebiet in Schleswig-Holstein sehr gut aufgestellt und hat innovative und gute Betriebe, sodass auch in Zukunft die Baumschulregion Pinneberg/Elmshorn eine starke Marktstellung in Deutschland behalten wird.

Welches sind Ihrer Meinung nach lukrative Geschäftsfelder? Oder salopp ausgedrückt: Womit lässt sich für Baumschulen noch Geld verdienen?

Lukrative Geschäftsfelder waren in der Vergangenheit und werden auch in Zukunft sicherlich Spezialkulturen und Nischen sein. Jedoch muss man immer wieder innovative und neue Ideen haben, da eine Nische nur für kurze Zeit eine Nische bleibt. Wir haben bei Bruns noch viele gute Ideen und werden diese marktreif entwickeln und zu gegebener Zeit in den Markt geben.
Weiterhin wichtig sind hohe Qualitäten, kundenorientiertes Denken und eine schnelle und sorgfältige Lieferung.
Den jungen Menschen möchte ich mit auf den Weg geben, sich weiterhin gut auszubilden, in die Welt zu gehen, Sprachen zu lernen und sich vielseitig zu informieren.
Pflanzen werden auch in Zukunft gebraucht und ich bin mir sicher, dass es in einigen Jahren auch wieder aufwärts geht.