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„Nachhaltigkeit absolut ein Geschäftsmodell“

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Worauf müssen sich Handel und Produktionsgärtnereien bei nachhaltigen Produkten einstellen? Nutzt das Thema nur dem Verbraucher oder verkörpert es ein tragfähiges Geschäftsmodell? Die Antwort auf diese und andere Fragen finden Sie in unserem Video.

Expertenrunde auf der TASPO Bühne: Erweisen sich nachhaltige Pflanzen als praktikables Ertragsmodell? Foto: Christian Mannsbart

Trend zur Nachhaltigkeit in allen Branchen

Stephan Schaller, Senior Consultant vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP), beobachtet die Entwicklung zur Nachhaltigkeit schon lange, sie ist kein Phänomen, das sich auf die Grüne Branche beschränkt. „In allen Branchen gibt es eine Bewegung in diese Richtung. Der Kunde fragt weniger aktiv nach diesen Produkten, erwartet sie aber und deshalb ist es wichtig, diese anzubieten“, sagt er.

Auch für toom Baumarkt hat sich dieser Trend deutlich abgezeichnet. „Wir haben keine Marktanalysen gemacht, bevor wir 2015 mit diesem Konzept an den Start gingen und die Zertifizierung zu 100 Prozent von den Produktionsbetrieben gefordert haben“, erklärt Tobias Theuerkauf, Projektmanagement Nachhaltigkeit / Produktsicherung Pflanze toom Baumarkt.

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich?

„Wir haben uns zu Beginn erst einmal Gedanken gemacht, was denn Nachhaltigkeit überhaupt bedeutet. Für uns war der Antrieb nicht, ein Produkt besser vermarkten zu können“, so Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Bereichsleiterin für Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit in Reihen des Vermarkters Landgard. Vielmehr liege die Motivation darin, dem Kunden zu erklären, worin der Wert nachhaltiger Produkte liege.

Dass ein solches Bedürfnis nach „Verstehen“ auf Kundenseite besteht, hat auch Stephan Schaller beobachtet: „Der Verbraucher fragt sich immer stärker, wie er seine Wertvorstellungen auch in seinem Konsumverhalten verwirklichen kann. Immer mehr Menschen backen selber Brot oder ziehen sich eigene Gemüsepflanzen. Sie wollen die Lieferkette im Blick behalten und so abgleichen, ob die Produktionsumstände auch ihren Wertvorstellungen entsprechen.“

Und was bedeutet der Trend für einen Produktionsgärtner? Peter Opschroef leitet den Betrieb Opschroef Gartenbau in Straelen und berichtet: „Auf eine rein biologische Produktion umzustellen, wäre zu weit gegangen. Aber die Nachhaltigkeit steht bei uns im Fokus. Schließlich fragen unsere Kunden, Systemhandel und Vermarkter, immer mehr derartige Produkte an.“

Nachhaltige Pflanzen als tragfähiges Geschäftsmodell

Erweisen sich nachhaltige Pflanzen also als tragfähiges Geschäftsmodell? Und wie gelingt es, nachhaltige Produkte am Markt und auch in den Köpfen der Kunden zu platzieren? „Ein wichtiger Schritt ist immer, dem Endverbraucher einen konkreten Mehrwert anzubieten, der über nachhaltige Produktionsstandards hinausgeht. So ist die Beantwortung der Frage, wo können meine Produkte wichtige Zusatzbeiträge leisten, enorm wichtig“, so Schaller. Als Themenfeld bietet sich hier längst nicht mehr nur das Bienensterben an, sondern etwa auch die Vermeidung von Mikroplastik“, so Schaller.

„Wir suchen immer aktiv nach Produkten, die wir Kunden als besonders nachhaltig kommunizieren können. Leuchtturmprojekte sind hier sehr wichtig“, ergänzt Theuerkauf. „Konditionen, die man an Anlieferer stellt, reflektieren sich schnell im Massenmarkt wieder. Denken wir hier zum Beispiel an torffrei hergestellte Anthurien“, analysiert Theuerkauf.

Doch Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, dass Umwelt und Mensch langfristigen Nutzen aus Produkten ziehen, sondern auch das herstellende Unternehmen selbst. „Nachhaltigkeit ist absolut ein Geschäftsmodell, wenn sie Unternehmen ganzheitlich umspannt. Da spielen auch Faktoren wie die Reduktion von Energiekosten mit rein“, so Kristian Moeller, Chief Executive Officer GLOBALG.A.P Germany. Auch Dr. Pacyna-Schürheck muss hier beipflichten: „Ökonomische Faktoren gehören genauso dazu, wie die Faktoren Ökologisch und sozial.“

Was braucht es in Zukunft? Produktion und Handel auf einem Nenner

„Diese Nachhaltigkeitsthemen brauchen noch eine Struktur. Kosteneffizienz ist hier das Stichwort. Nicht jeder kann sein eigenes Label durchsetzen, das wird auch für den Konsumenten nicht mehr tragbar. Produktion und Handel müssen sich auf einen Nenner verständigen, wie gute und nachhaltige Herstellung aussieht. So agiert jeder von der gleichen Basis aus“, erklärt Moeller.

Besonders stolz ist er auf das GGN-Label, das Kunden, Handel und Produzenten miteinander vernetzt. Dank GGN werden Produzenten beispielsweise persönlich in Farmprofilen vorgestellt und somit über „Storytelling“ für den Endverbraucher greifbarer. Gleichzeitig hat diese Personalisierung auch einen nachhaltigen Effekt auf die Herstellung. „Wenn ich persönlich als Gärtner für ein Produkt stehe, überlege ich mir als Produzent schon deutlicher, was ich machen sollte und was nicht“, so Opschroef.

Die besten Szenen aus dem TASPO Talk „Nachhaltigkeit: „Verbraucherwunsch Transparenz & Ehrlichkeit“, der am 3. September im Forum Gartencafé auf der spoga+gafa 2018 in Köln stattfand, können Sie im Video noch einmal miterleben.

Mehr Highlights von der spoga+gafa und aus den TASPO Talks finden Sie im kommenden Gartenmarkt, der am 13. Oktober zusammen mit der TASPO erscheint, die Sie auch im Haymarket Shop digital erwerben können.