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Nachhaltigkeit: „Es darf kein ‚greenwashing‘ betrieben werden“

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Nachhaltigkeit – ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Grundstein vieler Unternehmen entwickelt hat. So auch bei der Firma Keter, die den Aspekt der Nachhaltigkeit jedoch nicht erst seit wenigen Jahren, sondern bereits seit ihrer Gründung in ihr Unternehmensporträt einbezieht. Im Interview mit TASPO GartenMarkt spricht Trade Marketing Manager DACH, Frank-Christian Hornig, über die unternehmenseigene Nachhaltigkeitsstrategie und den kundengerechten Umgang mit Trends in der Grünen Branche.

„Die Bewahrung der Integrität der natürlichen Umwelt ist in den 73 Jahren seit unserer Gründung Teil unserer DNA geworden“, so Frank-Christian Hornig. Foto: Keter

Aus welchen Gründen haben Sie eine Nachhaltigkeitsstrategie für Ihr Unternehmen entwickelt?

Keter hat seine Wurzeln in Israel – einem Land, wo schon immer Rohstoffe, Energie und Wasser knapp waren und mit diesen Ressourcen sorgsam umgegangen werden musste. Die Bewahrung der Integrität der natürlichen Umwelt ist in den 73 Jahren seit unserer Gründung Teil unserer DNA geworden. Faktisch haben wir also seit Beginn eine Nachhaltigkeitsstrategie in unser Unternehmen integriert, das heißt seit 1948 – auch wenn das natürlich damals noch nicht so genannt wurde.

Wie sieht diese Strategie aus?

Unsere Nachhaltigkeitsstrategie hat drei Bausteine:

  1. Nachhaltige Produkte und Nachhaltigeres Leben: Wir entwickeln innovative und erschwingliche Lifestyle-Lösungen für unterschiedlichste Menschen und Orte und fördern den Recyclingkreislauf durch Verwendung von Recyclingmaterial und wiederverwertbares Design.
  2. Nachhaltigere Welt: Wir tragen dazu bei, dem Klimawandel durch betriebliche Effizienz und umweltfreundliches Handeln entlang unserer gesamten Lieferkette etwas entgegenzusetzen.
  3. Nachhaltigeres Handeln: Wir schaffen beides – geschäftliche und soziale Werte. Dies erreichen wir durch entsprechendes ethisches Verhalten, Respekt für Vielfalt, Sorge für das Wohlbefinden und Motivation unserer Mitarbeiter sowie gesellschaftliches Engagement.

Wie wirkt sich das Thema Nachhaltigkeit bei Ihnen auf die Entwicklung neuer Produkte aus?

Nachhaltigkeit hat viele Facetten bei unserer Produktneuentwicklung: Wir steigern kontinuierlich den Anteil an recycelten Materialien in unserer Produktion. Bereits heute sind viele unserer Produkte aus 100 Prozent recyceltem Material; insgesamt haben wir 2020 einen Recyclinganteil von circa 49 Prozent in unserer gesamten Produktion erreicht – dies wollen wir bis 2025 auf 55 Prozent erhöhen. Zudem sind alle unsere Produkte zu 100 Prozent recyclebar. Außerdem produzieren wir keine Einwegprodukte – alle unsere Produkte sind auf langlebigen Gebrauch ausgerichtet. Für Verpackungen, Aufbauanleitungen, Etiketten etc. werden zunehmend recycelte Materialien verwendet. Wir versuchen, nah an unseren Kunden zu produzieren und damit lange Transportwege zu vermeiden. Und nicht zuletzt reduzieren wir die Treibhausgasentwicklung in der Produktion durch Verringerung des Energieverbrauchs, Nutzung erneuerbarer Energien, Abfallvermeidung, effizienter Kühlsysteme und vielem mehr.

Inwiefern wirken sich auch andere Trends wie beispielsweise Urban Gardening bei Ihnen auf die Entwicklung neuer Produkte aus?

Urban Gardening kann sich unterschiedlich zeigen: Da gibt es einmal den Wunsch, auf dem eigenen Balkon oder der eigenen Terrasse Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und andere Pflanzen zu ziehen – hier merken wir, dass wir mit unseren Hochbeeten wie zum Beispiel „Easy Grow“ oder „Urban Bloomer“ das passende Angebot haben und entwickeln dies auch zielgruppengerecht weiter. Dann gibt es die Glücklichen mit einem eigenen Garten oder Schrebergarten – da bieten wir bereits jetzt ein umfangreiches Sortiment an Arbeitshilfen wie zum Beispiel Gartenkarren, Kompostern, Werkzeughaltern und mehr an – hier liegt unser Fokus darin, die Produktpalette in Design, Material und Funktion zu erneuern und das richtige Sortiment für Deutschland, Österreich und die Schweiz zu haben.

Wie haben Sie den wachsenden Trend „Nachhaltigkeit“ innerhalb des vergangenen Jahres in der Grünen Branche wahrgenommen?

Wir merken, dass sowohl auf der Handels- als auch auf der Endkundenseite das Interesse an den Nachhaltigkeitsaspekten unserer Produkte zunimmt und wir auch teils sehr detaillierte Fragen bekommen. Damit steigt das Wissen über Nachhaltigkeit und die Erwartungen von Endkunden und Handel werden höher. Kunststoff und Holz sind nicht Schwarz-Weiß, sondern es kommt halt darauf an. Wenn man den gesamten Produktlebenszyklus betrachtet, sind bereits heute viele unserer Keter Kunststoffprodukte nachhaltiger als entsprechende Holz- und Metallprodukte im Garten.

Inwiefern haben sich die Ansprüche von Kunden an Gartenprodukte in Bezug auf Nachhaltigkeit Ihrer Meinung nach verändert und wohin entwickelt sich der Trend?

Die Ansprüche der Kunden sind klar: Produkte und Services sollen nachhaltig sein – umfassend und glaubwürdig, es darf kein „greenwashing“ betrieben werden. Gleichzeitig müssen nachhaltige Produkte weiterhin erschwinglich sein. Denn die Mehrzahl unserer Kundinnen und Kunden sind im Alter von 30 bis 50+ Jahren – und in dieser Zeit wollen sie ein schönes Zuhause für Freunde und Familie schaffen und trotzdem noch Geld für Urlaub und Freizeit haben. Nachhaltiges Leben darf kein Luxus sein.

Inwiefern tragen Hersteller von Gartenprodukten Ihrer Meinung nach Verantwortung in Bezug auf nachhaltige und klimaneutrale Herstellung Ihrer jeweiligen Produkte?

Natürlich eine große Verantwortung. Wir als Hersteller müssen die Lösungen entwickeln, um nachhaltige und klimaneutrale Produkte anzubieten. Im Keter Innovation Center haben wir ein eigenes Forschungs- & Entwicklungsteam nur für dieses Ziel. Die Verantwortung der Hersteller bezieht sich aber nicht nur auf die reine Produktentwicklung, sondern es geht auch um die Produktion (wo und wie produziere ich) und dann auch darum, diese nachhaltigen und klimaneutralen Aspekte eines neuen Produktes den Kundinnen und Kunden verständlich zu erklären.

Welche Projekte planen Sie in den kommenden Monaten im Rahmen Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?

Wir erhöhen weiterhin kontinuierlich den Anteil an recyceltem Material in unserer Gesamtproduktion – einmal durch den Launch von neuen, nachhaltigen Produkten und auch durch die Überarbeitung des Herstellungsprozesses von bestehenden Produkten, sodass deren Werkzeugformen auch für recycelte Materialien geeignet sind. Außerdem evaluieren wir unseren Anteil an recycelten Materialien bei Verpackungen, Aufbauanleitungen, Etiketten, Polybags, Kissen etc. und suchen auch hier nach nachhaltigen Lösungen. Zudem werden verstärkt die Vorteile der nachhaltigen Keter-Produkte und -Lösungen kommuniziert – am POS, in den Sozialen Medien, in Fachmagazinen und überall dort, wo wir unsere Kundinnen und Kunden erreichen können.

Was sind, Ihrer Meinung nach, die wichtigsten Aspekte in Bezug auf Nachhaltigkeit bei der Entwicklung und Herstellung von Gartenproduktion?

Es ist wichtig, sich als Hersteller zu überlegen, was Nachhaltigkeit für die eigene Produktion bedeutet – für uns als Produzent von langlebigen Konsumgütern aus Kunststoff gibt es andere Schwerpunkte als zum Beispiel bei einem Hersteller von Düngemitteln oder Elektronik im Garten wie zum Beispiel Rasenmähern. Für uns sind folgende Aspekte wichtig: Langlebige Produkte, Reduzierung des Rohstoffverbrauchs; Reduzierung der Produktionsfolgen wie zum Beispiel Abfall, Wärme, Treibhausgasen, Unterstützung der Kreislaufwirtschaft in allen Regionen.

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