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Negativpreis „Plagiarius“ verliehen

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Der „Plagiarius“ wird seit Ende der 1970er Jahre für besonders dreiste Plagiate verliehen. 2021 verlieh der Verein Aktion Plagiarius den Negativpreis an ein chinesisches Plagiat einer Stihl Motorsäge. Auch ein Christbaumständer befindet sich unter den „Preisträgern“.

2021 mit dem Plagiarius für besonders dreiste Fälschung ausgezeichnet (oben Original, unten Fälschung). Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Stihl bereits achtmal gegen Guley vor Gericht

Die Jury des „Plagiarius“ traf sich Anfang März und kürte in einer virtuellen Endbewertung die drei Hauptpreise sowie sieben gleichrangige Auszeichnungen. Den ersten Preis ergatterte sich demnach die Hangzhou Guley Garden Machinery Co. Ltd. aus China mit ihrem Plagiat einer Motorsäge der Andreas Stihl AG & Co. KG aus Waiblingen. Die Fälschung verletze demnach die Wortmarke „STIHL“, indem sie lediglich zwei Buchstaben vertauscht (hier: STHIL), sowie die in über 100 Ländern geschützte Farbmarke (orange/hellgrau). Guley sei laut Aktion Plagiarius einer der drei bekanntesten Fälscher von Stihl Produkten in China. Abnehmer finde die Plagiatsfirma vor allem in Südostasien, Afrika und Südamerika. Der eigentliche Hersteller Stihl ist bislang bereits achtmal gerichtlich gegen Guley vorgegangen und habe die Prozesse jeweils gewonnen und insgesamt 170.000 Euro Schadenersatz erhalten. Gefälschte Motorsägen erfüllen in der Regel weder gesetzliche Vorschriften, noch sicherheitsrelevante Parameter wie Abgaswerte, Kettenbremszeiten oder Materialfestigkeit. Das Unternehmen Stihl zieht konsequent Nachahmer aus aller Welt zur Rechenschaft, auch zum Schutz der Anwender vor Verletzungs- und Gesundheitsrisiken.

Nachahmer bestreitet Plagiat von Christbaumständer

Nicht ganz aufs Treppchen reichte es für einen gefälschten Christbaumständer. Das Original wird von der Tannen-Paradies GmbH aus Berlin hergestellt und fand einen dreisten Nachahmer, der sein Plagiat über das niederländische Unternehmen Gerrit Brinkman Bloemen- en Plantenhandel V.O.F. vertreibt. Den Original Easyfix-Christbaumständer bezog der unbekannte Hersteller vom niederländischen Exklusiv-Partner von Tannen-Paradies. Seit 2019 vertreibt er seine optisch und auch farblich zum Verwechseln ähnlichen Plagiate und bewirbt diese international auf europäischen Messen. Die Plagiate sind weniger stabil und bestehen nicht aus Recyclingkunststoff. Der Nachahmer argumentiert, dass das Design nicht schutzfähig sei und bestreitet eine Nachahmung (Links Original, rechts Fäschung. Foto: Aktion Plagiarius e.V.).

Hintergrund des Negativpreises „Plagiarius“

1977 entdeckte der Industrie-Designer Rido Busse bei einem Messebesuch ein exaktes Plagiat einer Brief- und Diätwaage der Firma Soehnle am Stand eines Herstellers aus Hong Kong. Das asiatische Unternehmen verlangte nur einen Bruchteil des eigentlichen Preises. Auch qualitativ stellte Busse schließlich entscheidende Unterschiede fest. Daraufhin erwirkte Soehnle eine einstweilige Verfügung und Busse entschloss sich, die Vergabe eines Negativpreises zu initiieren und diesen über die Presse publik zu machen. Der Plagiarius war geboren. Als zu übergebenen Preis wählte er einen handelsüblichen Gartenzwerg Nr. 917 der Firma Heissner, lackeierte diesen schwarz und versah ihn mit einer goldenen Nase. Das sollte zukünftig als Symbol für Gewinn durch Plagiate stehen. Die Ein-Mann-Bürgerinitiative war damit gestartet. Seit 1986 ist die Aktion Plagiarius ein eingetragener Verein.

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