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Neonicotinoide vor schärferen Auflagen: EU-Kommission will besseren Bienenschutz

Die EU-Kommission verfolgt den Plan zum besseren Bienenschutz weiter und will dafür in den nächsten Wochen ihren Vorschlag, drei Neonicotinoid-Insektizide zunächst für zwei Jahre in der Anwendung einzuschränken, beschließen. Nachdem im Berufungsausschuss am 29. April unter den EU-Mitgliedstaaten keine qualifizierte Mehrheit dafür oder dagegen erzielt wurde, liegt es nun an der Kommission, einen Beschluss über die Annahme der von ihr vorgeschlagenen Einschränkung zu fassen. 

Die Anwendung von Neonicotinoiden soll bei für Bienen attraktiven Kulturen, wie beispielsweise Raps, eingeschränkt werden. Foto: Fotolia

Die Kommission reagiert damit auf einen Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Risiken im Zusammenhang mit der Anwendung dreier Pestizide aus der Neonicotinoid-Familie für die Bienengesundheit ermittelt hatte. Auf der Grundlage dieses Gutachtens verfasste die Kommission ihren Vorschlag zur Einschränkung dreier Neonicotinoide.

Sollte dieser in der aktuellen Fassung so umgesetzt werden, wird ab 1. Dezember 2013 die Anwendung der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zur Saatgutbehandlung, zur Bodenanwendung (in Form von Granulat) und zur Blattbehandlung bei Pflanzen und Getreidearten, die für Bienen attraktiv sind, eingeschränkt. Zudem sollen die übrigen zugelassenen Anwendungen professionellen Anwendern vorbehalten bleiben. Vorgesehene Ausnahmen: Für Bienen attraktive Feldkulturen dürfen in Gewächshäusern behandelt werden, auf Freilandfeldern jedoch nur nach der Blüte.

Heftige Kritik gab es vom Industrieverband Agrar (IVA). Das angekündigte Verbot sei unverhältnismäßig, wissenschaftlich undifferenziert und schädlich für die Landwirtschaft.

Wie Wilfried Hennes, Sachbereichsleiter Pflanzenschutz im Zierpflanzenbau bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ausführt, ist von den mit Einschränkungen betroffenen Wirkstoffen für den Gartenbau nur Imidacloprid wichtig (siehe auch TASPO 4/13), für den Hobby- und Kleingartenbereich spiele auch noch der Wirkstoff Thiamethoxam eine Rolle. Der Vorschlag der Kommission bringt laut Hennes für Imidacloprid beim Einsatz im Gewächshaus keine Änderungen, lediglich im Freiland sei der Wirkstoff dann nicht mehr wie bisher verwendbar.

Zu begrüßen sei, dass weitere, für Bienen weniger schädliche Neonicotinoide für den Zierpflanzenbau noch einsetzbar bleiben. Dazu gehören Mospilan mit dem Wirkstoff Acetamiprid und Calypso mit dem Wirkstoff Thiacloprid. Mospilan ist im Freiland und Gewächshaus gegen Blattläuse und Weiße Fliege einsetzbar, Calypso nur im Freiland gegen Blatt- und Schildläuse.

Die EU-Kommission will ihren Entscheid und die damit verbundenen Zulassungsbedingungen in spätestens zwei Jahren überprüfen. (hlw)