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Neue Düngeverordnung in Kraft getreten

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Am 1. Mai ist die neue Düngeverordnung in Kraft getreten. Der Deutsche Bauernverband nahm dies zum Anlass, erneut die „fachlich mangelhafte Verordnung“ zu kritisieren, die eine bedarfsgerechte Düngung in nitratsensiblen Gebieten verbiete und sogar kontraproduktiv für den Gewässerschutz wirken könne. Auch Zentralverband Gartenbau und Industrieverband Agrar bemängeln Teile der neuen Verordnung.

Ein Landwirt bringt auf seinem Feld Gülle als Dünger aus. Symbolbild: planet_fox/Pixabay

DBV: Neue Düngeverordnung wird Qualität und Menge der Ernten kosten

„Die neue Düngeverordnung wird Qualität und Menge der Ernten kosten und die Lebensmittelerzeugung in Deutschland schwächen“, ist der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, überzeugt. Nach wie vor seien zentrale Fragen nicht geklärt und von Bund und Ländern in eine neue Verwaltungsvorschrift ausgelagert worden, die dringend einer praktikablen und sachgerechten Klärung bedürfen. Hierzu gehöre laut Rukwied die Neuausrichtung und Verdichtung der Nitratmessnetze im Sinne europäischer und nationaler Vergleichbarkeit sowie die exakte und kleinräumige Abgrenzung der nitratsensiblen Gebiete.

Die Bundesländer müssten jetzt unverzüglich die Binnendifferenzierung auf den Weg bringen, um Wasserschutzmaßnahmen dort durchzuführen, wo tatsächlich noch Handlungsbedarf besteht, fordert der DBV-Präsident. „Außerdem erwarten wir Lösungen dafür, dass die Betriebe, die fachgerecht und gewässerschonend wirtschaften, auch weiterhin bedarfsgerecht düngen dürfen und von den zusätzlichen Auflagen ausgenommen werden“, so Rukwied.

ZVG: Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Gemüsebaus wird geschwächt

Kritik an der neuen Düngeverordnung hatte der Zentralverband Gartenbau (ZVG) bereits vor deren Inkrafttreten geäußert. Zwar sei begrüßenswert, dass Teile der Verordnung erst zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden müssen. Dennoch blieben wichtige fachliche Unzulänglichkeiten bestehen. „Wir haben uns wiederholt und mit Nachdruck für eine Berücksichtigung der Anforderungen im Gemüsebau ausgesprochen“, so ZVG-Präsident Jürgen Mertz. Unter einer pauschalen Düngung unter Bedarf werden die Warenqualitäten leiden und damit die Vermarktungsfähigkeit bedroht. Dadurch würde die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Gemüsebaus im Vergleich zum europäischen Anbau deutlich geschwächt. Dies sei auch kontraproduktiv im Sinne der „Lebensmittelverschwendung“.

Kritisch ist in den Augen des ZVG auch das vorgeschlagene Ausbringungsverbot für Festmiste oder Komposte vom 1. November bis zum Ablauf des 31. Januar. Dies führe insbesondere für die Betriebe, die in diesem Zeitraum Erntereste wie beispielsweise von Tomaten, Paprika und Gurkenpflanzen aus den Gewächshäusern sowie für Betriebe, die Putzabfälle nach der Aufbereitung beispielsweise bei Porree und Kopfkohl wieder auf der Fläche ausbringen müssen, zu erheblichen Erschwernissen. Dies gelte ebenso für Pilzbetriebe, die den Kompost der Produktion auszubringen haben. In einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hatte Mertz darauf hingewiesen, dass derzeit im Gemüsebau nicht absehbar ist, welche exakten Fruchtfolgen, Flächenbelegungen und Pflanz- sowie Erntetermine dieses Jahr erfolgen werden und deshalb um Verschiebung gebeten.

Industrieverband Agrar bemängelt fehlende Pflicht für Inhibitoren

Hans-Jürgen Müller, Vorsitzender des Fachbereichs Pflanzenernährung im Industrieverband Agrar (IVA), bedauert zudem, dass in der neuen Düngeverordnung die Pflicht zum Einsatz von Inhibitoren bei harnstoffhaltigen Düngemitteln nicht ausgeweitet worden sei. Dies hätte das Erreichen der Ziele der Düngeverordnungen, wie die Nährstoffeffizienz im Pflanzenbau weiter zu steigern, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden, Gewässer zu schützen und die Luftqualität zu verbessern, unterstützt: „Hocheffiziente und gut dosierbare Mineraldünger können dazu einen wichtigen Beitrag leisten“, so Müller.

Weitreichende Forderungen der EU-Kommission wie eine 20-prozentige Düngung unter Bedarf in den sogenannten roten Gebieten erschwerten die Diskussion über zielgerichtete und wirkungsvolle Maßnahmen. Zu begrüßen seien dagegen die Bemühungen einzelner Bundesländer, die Datengrundlage und das Messstellennetz zu überprüfen und die Binnendifferenzierung zu verbessern. „Weitreichende Einschränkungen in der Düngung können je nach Kulturart zu deutlichen Mindererträgen und Qualitätseinbußen führen und dürften dadurch viele Betriebe finanziell zusätzlich belasten“, so Müller.

Novelle der Düngeverordnung bietet keine langfristige Planungssicherheit

Spannend ist, wie Experten die neue Düngeverordnung einschätzen. Laut Meinung des Agrarwissenschaftlers Prof. Friedhelm Taube, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Kiel, bietet die Novelle keine langfristige Planungssicherheit, wie er in einem Interview mit Agrar-Europe angab. Taube fordert darin einen „klaren Fahrplan“ für die nächsten zehn Jahre. Der sei dringend notwendig, um die eingegangenen Verpflichtungen bei der Reduzierung der Stickstoffüberschüsse, der Erfüllung der Vorgaben aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie der Richtlinie zur Reduktion der nationalen Emissionen bestimmter Luftschadstoffe (NERC-Richtlinie) zu erfüllen.

Vor diesem Hintergrund warnt Taube auch vor falschen Erwartungen an die Binnendifferenzierung der „roten Gebiete“. Diese nehme zwar kurzfristig „Druck aus dem Kessel“, den tatsächlichen weitergehenden Herausforderungen in der Fläche werde man durch punktuelle Scheinlösungen jedoch nicht gerecht. Der Wissenschaftler warnte zudem davor, die Auswirkungen der 20-prozentigen Düngung unter Bedarf in den „roten Gebieten“ zu dramatisieren. Sie biete im Durchschnitt der Betriebe erheblichen Spielraum, stickstoffeffiziente Kulturen schwächer zu düngen, um Freiräume für Kulturen mit höherem Bedarf zu schaffen.

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