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Neuer Reisergarten: Insultheimer Hof soll Weinsberg ablösen

Ob der Reiserschnittgarten Weinsberg ersatzlos verschwindet oder an einem anderen Standort in Baden-Württemberg eine ähnliche Anlage neu entsteht, dazu wurden am 3. März bei einer Sitzung in Hockenheim wesentliche Weichen gelegt. Voraussichtlich kann am 12. Juni 2012 die Gründungsversammlung für eine neue GmbH & Co. KG als Betreibergesellschaft des künftigen Reiserschnittgartens Insultheimer Hof stattfinden. 

Angesichts gravierender Nachteile, die für Obstgehölz-Baumschulen beim ersatzlosen Wegfall des Reiserschnittgartens Weinsberg (RGW) befürchtet werden, hatten sich in den letzten Wochen etwa 40 Mitstreiter gefunden und finanzielles Engagement – also Einlagen in eine neu zu gründende Gesellschaft – zugesagt. Hierzu zählen neben privaten Baumschulbetrieben auch der Bund deutscher Baumschulen (BdB) und dessen Landesverbände Baden, Württemberg und Bayern. Außerdem gab es positive Signale aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR).

Etwa 850.000 Euro wären nach Schätzung von RGW-Geschäftsführerin Sabine Fey zum Aufbau eines neuen Reiserschnittgartens nötig. Nach Überbrückung einer fünfjährigen Übergangszeit könne der Reiserschnittgarten dann in der Lage sein, wieder kostendeckend zu wirtschaften. Finanzielle Zusagen lägen derzeit für etwa 410.000 Euro vor, einschließlich bis zu 180.000 Euro vom Land Baden-Württemberg (drei jährliche Tranchen zu je 60.000 Euro). Die Zusagen decken damit mehr als die Hälfte des Finanzbedarfs. Um die Lücke zu schließen, sei also noch mehr finanzielles Engagement der Branche nötig.

Minister Alexander Bonde hat in einem Schreiben an den Verband Badischer Gartenbaubetriebe mitgeteilt, im Interesse von Biodiversität und Sortenerhalt könne das Land Baden-Württemberg Hilfestellung leisten. Ferner werde das Land bei den phytosanitären Begleitmaßnahmen helfen.

Dr. Konrad Rühl – Referatsleiter für Garten-, Obst- und Weinbau im MLR – erläuterte bei der Sitzung in Hockenheim, das Land stehe zu den zugesagten 180.000 Euro unter der Bedingung, dass eine Neuaufbau-Konzeption für einen Reiserschnittgarten vorgelegt wird. In dem Zuwendungsbescheid werde es gewisse Vorgaben – so zur Erhaltung regionaltypischer Sorten – geben.
Rühl erwähnte auch die Hilfe des Landes bei der Standortsuche.

Der letztlich als geeignet eingestufte, zur Gemarkung Hockenheim zählende Insultheimer Hof ist eine an die Südzucker verpachtete Staatsdomäne im Besitz des Landes, und zwar mit 230 Hektar Ackerland. Für einen Reiserschnittgarten könnten hier die benötigten 15 Hektar verfügbar sein, gegebenenfalls aufgeteilt in zwei oder drei Teilgrundstücke. Die Verwaltung obliegt dem Vermögens- und Bauamt mit Sitz in Mannheim. Rühl wies ferner auf die Bewässerbarkeit der Fläche und verfügbare Betriebsgebäude hin.

Die etwa 30 Teilnehmer an der Sitzung – darunter John-Hermann Cordes als Vorsitzender des BdB-Fachausschusses Obstgehölze ebenso wie berufsständische Vertreter aus Württemberg und Bayern – haben am 3. März unter anderem beschlossen, dass nun ein Vertrag für die Gründung einer GmbH & Co. KG vorbereitet sowie ein Treuhänderkonto für die Einlagen eingerichtet wird.

Wilhelm Müller – Vorsitzender der badischen Baumschulen – leitete die Veranstaltung. Vertreten war auch Roland Schlegel als Vorsitzender des württembergischen BdB-Landesverbandes. Er hat sich positiv zu dem Vorhaben geäußert. Wenn alles nach Plan läuft, ist Erstpflanzung für den künftigen Reiserschnittgarten Insultheimer Hof im Herbst 2012 möglich. (eh)