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Neues Saatgut-Siegel "RegioZert"

Das neue Bundesnaturschutzrecht, das im Juli 2009 endgültig beschlossen wurde, zeigt erste Folgen. Während die Baumschulwirtschaft die neuen Vorgaben für den Einsatz von Gehölzen in der freien Landschaft auf Bundesverbandsebene in einer ersten Reaktion mit Bestürzung aufgenommen hatte, macht nun der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) mit seinem neuen Siegel "RegioZert" auf sich aufmerksam. Es soll den Qualitätsstandard von gebietsheimischem Wildpflanzensaatgut, so genanntem Regiosaatgut, gewährleisten. Einbezogen sind dabei laut Andrea Mertens, Referentin der Handelsabteilung im BDP, alle anzutreffenden Wildarten außer Gehölzen sowie der durch das Saatgutverkehrsgesetz abgedeckte Artenbereich, der verschiedene landwirtschaftliche und Gemüse-Pflanzen umfasst. Die Pflanzenliste zum Konzept (im Internet zu finden unter www.regiozert.de) enthält knapp 178 Arten von Achillea millefolium über Campanula glomerata und Saxifraga granulata bis Vicia sepium. Auch eine ganze Reihe Gräser ist vertreten. Die rechtliche Neuregelung von Naturschutz und Landschaftspflege sieht vor, dass in der freien Natur vorzugsweise Saatgut "innerhalb seiner Vorkommensgebiete" einzusetzen ist, laut BDP also Saatgut, das aus Pflanzenvorkommen einer bestimmten Region gewonnen wurde. Außerdem verzeichne der Einsatz von gebietsheimischem Wildpflanzensaatgut für die Begrünung von Flächen in der freien Natur und dem öffentlichen Bereich einen stetig steigenden Bedarf. Entwickelt wurde das Siegel RegioZert laut BDP in enger Abstimmung mit Behörden und Naturschutz. Es soll auch in diesem gesetzlich nicht geregelten Bereich gewährleisten, dass hohe Qualitätsstandards bei der Erzeugung von Regiosaatgut eingehalten werden. Laut Mertens gibt es bereits drei Unternehmen, die auf Grundlage des Siegels arbeiten: zum einen zwei Vertriebsunternehmen für Regiosaatgut. Zum anderen ein Erzeuger aus Bayern mit Saatgutsammlern und Vermehrungspflanzungen für ein bundesweites Angebot von "Regiosaatgut". Interesse mitzumachen, gebe es derzeit von weiteren fünf Vertriebsunternehmen.

Zur Duchführung der Kontrollmaßnahmen ist im Konzept eine neutrale Stelle vorgesehen. Hier bedient sich der BDP des als Ökokontrollstelle registrierten Unternehmens Lacon (Offenburg). Denn im Ökobereich gebe es eine ähnlich komplexe Prozesskontrolle von der Saatgutgewinnung bis zum Endprodukt, erläutert Mertens. Kernpunkte der regelmäßigen Kontrollen sind die lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produktion bis zur Sammlung des Saatgutes sowie die Kontrolle aller Einrichtungen vor Ort vom Lager bis zur Vermehrung.

Die im Konzept zu findende Unterteilung Deutschlands in 22 Herkunftsgebiete fußt auf den Ergebnissen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojektes "Entwicklung und praktische Umsetzung naturschutzfachlicher Mindestanforderungen an einen Herkunftsnachweis für gebietsheimisches Wildpflanzensaatgut krautiger Pflanzen" (Prasse, Kunzmann und andere). Mertens hält bei Bedarf auch eine regional noch feinere Unterteilung für möglich. Dies sei aber der nachfragenden Stelle überlassen. Einen pragmatischen Ansatz gibt es in dem Konzept auch dafür, wie die Eigenschaft "gebietsheimisch" nun genau definiert sein soll. Mertens: "Artenlisten für bestimmte Regionen sind noch im Aufbau begriffen. Hier hat zum Beispiel das bayerische Umweltministerium schon erhebliche Arbeit geleistet und Regelmischungen für Saatgut gebietsheimischer Arten entwickelt. Wo solche Artenlisten oder Regelmischungen nicht existieren, richten wir uns nach der Nachfrageseite in diesem reinen Ausschreibungsmarkt. Wir überlassen die Festlegung der beerntungswürdigen Arten den ausschreibenden Behörden. Für uns ist es wichtig, dabei gewisse Mindeststandards in Sachen Qualität zu setzen ." Mehr unter www.regiozert.de