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Neujahrsaufruf der Junggärtner: Keine leeren Reden

„Gewiss haben wir Respekt vor bewährtem Verhalten, jedoch weniger vor eingefahrenen Verfahrensweisen und leeren Reden. Wir brauchen Vorbilder – in den Betrieben und in den Verbänden!“ Mit diesen Worten wendet sich der Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft deutscher Junggärtner (AdJ) in einem Neujahrsaufruf an Gärtner, Verbände und Vertreter der grünen Branche.
Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, konsequent Beschlüsse durchzuführen und vorbildlichen Charakter in Wort und Tat, das wünscht sich der Vorstand für das Jahr 2012, wie aus dem Schreiben hervorgeht. 

„Bei uns wird der Bock nicht zum Gärtner“ - eine der Junggärtner-Ideen für eine Imagewerbekampagne, vorgestellt auf dem Gartenbautag 2011 in Koblenz. Foto: Iris Anger

Viele zukunftsweisende Themen seien angesprochen worden, so der Vorstand. Vor allem die Diskussionen um die gärtnerische Berufsausbildung, das Grüne Dach, den Fachkräftemangel und das Image des Gärtners. Doch würden vor allem Themen, die mit jungen Menschen zu tun haben, oftmals nur angeschnitten. Am Ende wird alles, wenn überhaupt, meist wieder nur so umgesetzt, wie es immer schon gemacht wurde, ist in dem Aufruf zu lesen. Über seltene Ausnahmen freuen die Junggärtner sich nach eigener Aussage um so mehr.

Die Junggärtner lehnen nach eigenen Angaben eine vereinheitlichte Gärtner-Ausbildung, die Idee eines sogenannten Einheitsgärtners, vehement ab. Die Vielfalt der Sparten und der Spezifikationen, müsse im Sinne eines attraktiven und zukunftsfähigen Berufes erhalten bleiben. Aus Sicht der Junggärtner müsse an erster Stelle das Wohlergehen sowie die hochwertige fach- und sachgerechte Ausbildung in allen Fachrichtungen stehen. Erst danach sollten sich die Entscheidungsträger mit den strukturellen Problemen beschäftigen, wie etwa der Erhaltung von Berufsschulstandorten aufgrund zu geringer Auszubildendenzahlen. Mit einer guten Ausbildung in Schule und Betrieb halte die Branche die jungen Gärtner im Beruf und biete ihnen realistische Chancen auf einen attraktiven Arbeitsplatz. Der AdJ-Vorstand fordert „...alle Akteure in der gärtnerischen Berufsbildung auf, diesen Aussagen zu folgen und sich verstärkt mit der Qualität der Ausbildung auseinanderzusetzen.“

Ebenso wichtig für die Zukunft des Gärtner-Berufs ist laut den Junggärtnern sein Image in Gesellschaft und Medien. Aus Junggärtnersicht hat sich das Ansehen des Gärtners vom hoch angesehenen Beruf zu Hofe zu einem 08/15-Beruf entwickelt, in dem auch schlecht bis gar nicht ausgebildete Menschen unterkommen können oder dort hineingeschoben werden. Entscheidend für das Image sei die Unternehmenskultur. Viele gärtnerische Betriebe geben große Rätsel bei ihrer Außen- und Innendarstellung auf, finden die Junggärtner. Es gebe aber auch positive Beispiele, wo fortschrittlich handelnde Ausbildungsbetriebe Jahre im Voraus ihre Ausbildungsstellen vergeben haben, weil der Andrang der Azubis groß ist. „Unsere Betriebe sind das Spiegelbild unseres Berufes und damit das beste ’Werkzeug’ diesen nach außen zu präsentieren“, so der Vorstand.
Die Junggärtner fordern alle Verantwortlichen in gärtnerischen Betrieben auf, genau hinzusehen, was die Mitarbeiter und Kunden vom Betrieb wahrnehmen und weitertragen, und alles daran zu setzen ein nachhaltig positives und attraktives Bild zu vermitteln.

Bei der Schaffung einer alle Fachsparten umfassenden Dachorganisation, dem Grünen Dach, sind nach Ansicht der Junggärtner wichtige Basisentscheidungen zum Wohle aller Beteiligten gefällt worden. Der AdJ-Vorstand fragt in seinem Schreiben, warum die Junggärtner bei der Diskussion um das Grüne Dach nicht berücksichtigt wurden. Bei Verhandlungen über die Zukunft der Branche sollte es selbstverständlich sein, diejenigen, die zukünftig die Entscheidungen in der Branche treffen, nach ihrer Meinung zu fragen, heißt es weiter. Der AdJ-Vorstand fordert den Zentralverband Gartenbau, den Bundesverband Garten-, Landschafts-, und Sportplatzbau und den Bund deutscher Baumschulen auf, realistische und faire Verhandlungsziele zu setzen, um Lösungen der künftigen Zusammenarbeit zu schaffen.

Dem zunehmend stärker spürbaren Nachwuchs- und Fachkräftemangel wird nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet, meinen die Junggärtner. Grund sei vermutlich das Fehlen eines Dachverbandes, der mit einer Stimme spricht.
Oft näherten sich die Tagesordnungen verschiedener Gremien diesem Thema, doch bisher habe es niemand geschafft die nötige Konsequenz im Alltag durchzusetzen. Die negative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für geeignetes Gartenbau-Fachpersonal sei seit mehreren Jahren abzusehen gewesen und werde sich weiter verschärfen, wenn nicht eine nachhaltige Strategie zur Fachkräftegewinnung entwickelt werde.

Für den Rückgang an Auszubildenden sei nicht allein der demographische Wandel verantwortlich. Die Junggärtner verweisen auf andere Berufsgruppen, die schon vor Jahren Lösungen gefunden hätten, deren Beruf attraktiver zu gestalten und dafür zu werben. Der Gartenbau als Ganzes habe diese Entwicklung offenbar verschlafen.

Bei den derzeitigen Verdienstaussichten als Fachkraft, sei es nicht verwunderlich, dass sich junge Menschen gegen eine Ausbildung zum Gärtner entschieden oder die Branche nach Ausbildungsende verließen. So die Meinung der AdJ. Bei dieser Diskussion seien Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände gefordert. Den gesamten Berufsstand fordert der AdJ-Vorstand auf, mit den Junggärtnern in Diskussionen zu treten, um Wege zu finden, zukünftig gut ausgebildete Gärtner zu gewinnen und zu binden.

Nach eigenen Angaben planen die Junggärtner in diesem Jahr, weitere Stellen für hauptamtliche Mitarbeiter in den AdJ-Landesverbänden zu schaffen. Erste Schritte in Hessen und Westfalen-Lippe seien bereits getan.
Verbände und Unternehmen fänden hier ein geeignetes Feld, ihre Zusagen zur Unterstützung der Junggärtner-Arbeit in die Tat umzusetzen und sich aktiv an der Gestaltung der Zukunft des Gartenbaus und der Jugendarbeit zu beteiligen.

Am Ende seines Aufrufs schreibt der AdJ-Vorstand: „Wir haben bisher sehr viele Bekanntschaften mit Personen gemacht, denen es leicht fällt zu versprechen und zu beteuern. Wir haben Hochachtung denen gegenüber, die diesen Versprechungen nun konkrete Schritte folgen lassen.“ (adj)