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Noroviren auf Obst und Gemüse ausschalten

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Ein Forschungsteam der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo hat ein neues Verfahren zur Abwehr von Noroviren auf Obst und Gemüse entwickelt. Obst- und Gemüseproduzenten kann damit geholfen werden, Noroviren auf ihren Produkten zu inaktivieren.

Mit Noroviren kontaminierte Äpfel, Gurken sowie Heidel- und Erdbeeren in einer Versuchsanordnung. Foto: Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Norovirus-Erkrankungen oft auf kontaminierte Lebensmittel zurückzuführen

Viele Norovirus-Erkrankungen seien laut Forscherteam um Prof. Dr. Barbara Becker auf kontaminierte Lebensmittel zurückzuführen. Eine große Rolle spielen dabei vor allem unverarbeitetes oder tiefgekühltes Obst und Gemüse. Noroviren trotzen vielen Widerständen: Sie überstehen Tiefkühltemperaturen von bis zu minus 150 Grad Celsius und auch längere Backprozesse bei 200 Grad Celsius. Noroviren sind weltweit für eine Vielzahl an nicht bakteriell verursachten Magen-Darm-Infekten bei Menschen verantwortlich. Rund 20 bis 40 Prozent der Norovirus-Erkrankungen könne laut Studie auf eine Ansteckung über kontaminierte Lebensmittel zurückzuführen sein. Hier spielt vor allem unverarbeitetes oder tiefgekühltes Obst und Gemüse eine große Rolle.

Kaltvernebelung von Obst und Gemüse mit Wasserstoffperoxid

Wie können Produzenten und weiterverarbeitende Betriebe von Obst und Gemüse gezielt Noroviren auf ihren Produkten inaktivieren? An einer innovativen Möglichkeit zur Dekontamination von Lebensmitteln hat das Forschungsteam um Prof. Dr. Becker im Rahmen eines Projektes der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), das über den Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI) koordiniert wurde gearbeitet. Das Team untersuchte, ob und inwieweit Noroviren auf kontaminiertem Obst und Gemüse durch kaltvernebeltes Wasserstoffperoxid (H2O2) inaktiviert werden können. „Um herauszufinden, ob wir Noroviren auf Obst und Gemüse zuverlässig mit kaltvernebeltem Wasserstoffperoxid inaktivieren können, haben wir zwei verschiedene Vernebelungsanlagen verwendet, in denen wir Äpfel, Heidelbeeren, Gurken, Erdbeeren und Himbeeren, also Produkte mit unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten, behandelt haben, die zuvor mit murinem Norovirus (MNV) als Modellvirus kontaminiert worden waren“, erklärt Becker.

Keine Veränderungen von Nährstoffgehalten bei behandeltem Obst und Gemüse

Der angewandte H2O2-Nebel wirke demnach antimikrobiell und kommt bereits erfolgreich zur Entkeimung von Oberflächen, zur Desinfektion von Verpackungen und in Waschbädern zum Einsatz. Zudem zerfällt das Mittel sehr schnell in Wasser und Sauerstoff. „Wir konnten zeigen, dass die Kaltvernebelung von Wasserstoffperoxid sehr gut geeignet ist, um Noroviren auf Obst und Gemüse mit glatten Oberflächen zuverlässig zu inaktivieren“, so die Lebensmittelmikrobiologin. Veränderungen der Sensorik und der Nährstoffgehalte durch die Behandlung konnten zudem nicht festgestellt werden, auch wurden keine Rückstände von Wasserstoffperoxid auf den behandelten Produkten nachgewiesen.

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