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Online-Petition gegen Massenzucht von Bäumen

Für eine artgerechte Baumhaltung setzen sich aktuell Forstwissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg ein. Dazu hat eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Jürgen Bauhus von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen jetzt die Online-Petition „Schluss mit der Massenbaumzucht“ gestartet. 

Gestresste Fichte mit Angstreisern. Foto: Jürgen Bauhus

Fichte die „arme Sau der Massenbaumzucht“

Anlass hierfür gab eine neue Studie, in der das Team um Bauhus nachweisen konnte, dass Bäume in vielen deutschen Nutzwäldern unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten werden. „Gerade die Fichte ist die arme Sau der Massenbaumzucht“, so Bauhus. Demnach werden in der Regel bereits die Samen von Zapfenpflückern vom Mutterbaum heruntergerissen und in Baumschulen angezogen, sodass Sämlinge nicht im Schutz des Mutterbaums aufwachsen können.

In der Baumschule selbst werden den Sämlingen den Angaben zufolge wiederholt die Wurzeln beschnitten, damit sie leichter gepflanzt werden können. Die Pflanzen werden teils viel zu dicht und in monotonen Beständen angebaut – was zur Folge habe, dass sich ihre Wurzeln und Kronen nicht gesund entwickeln können. Zudem werden den Bäumen oftmals bereits im jungen Alter Äste abgesägt, um die Holzqualität zu steigern. „Eine artgerechte Kommunikation über gegenseitige Reibung mit den Mitbäumen ist nicht mehr möglich“, so Bauhus.

Angstreiser Folge nicht artgerechter Baumhaltung

Das habe langfristige Auswirkungen auf das Wohl der Bäume, die bei nicht artgerechter Haltung demzufolge mit Angstreisern reagierten. Zudem würden die Pflanzen im eng bepflanzten Wald, in dem die Sonne nicht bis zum Boden durchdringt und sich die abgeworfenen Blätter und Nadeln nur langsam zersetzen, jahrzehntlang im eigenen Dreck stehen und vom Rest der Lebensgemeinschaft in Waldökosystemen gemieden werden.

Problematisch sei ebenso, dass die meisten Bäume von vollmechanisierten Harvestern bereits in einem jugendlichen Stadium geerntet werden und die wenigsten natürlich altern dürften.

„Unsere Daten beweisen, dass Bäume, die sich natürlich verjüngen dürfen, mit Mischbaumarten aufwachsen und ausreichend Raum erhalten, gesünder leben. Sie werden deutlich weniger von Krankheiten und Schädlingen befallen. Auch ihr Holz hat eine höhere Qualität und ist langlebiger“, so Bauhus. „Daher müssen dringend waldbauliche Verfahren entwickelt werden, die das Baumwohl erhöhen und gleichzeitig die gesellschaftliche Akzeptanz der Forstwirtschaft wieder herstellen.“

Grundrecht für Bäume gefordert

Dazu gehören laut Bauhus und seiner Gruppe ein Grundrecht für Bäume und Maßnahmen der artgerechten Baumhaltung. Zertifizierungssysteme sollen den Grad des Baumwohls benennen, mit dem das gehandelte Holz produziert worden ist: „Eine Fichte braucht Freiheit und Fürsorge“, betont Bauhus. Statt sie mit Farbe zu markieren, sollten Förster die Bäume regelmäßig umarmen.

„Doch der Weg dahin ist noch lang und schwierig“, lautet die realistische Einschätzung des Forstwissenschaftlers, der jüngst mit einem internationalen Autorenteam in einem Artikel die wirtschaftlichen und sozialen Hindernisse für eine artgerechte Baumhaltung aufgezeigt hat. Der Beitrag wird in Kürze in der renommierten Fachzeitschrift „Forest Ecosystems“ erscheinen. (ts)