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Orchideenzüchter siedelt Frauenschuh wieder an

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Cypripedium calceolus, der Marien-Frauenschuh oder auch Gelber Frauenschuh, kommt in der Schweiz am natürlichen Standort vor. Es ist eine der spektakulärsten wilden europäischen Orchideen, zeigt der Orchideenzüchter Anthura auf. „Leider hat dies auch eine Kehrseite: die Fundstellen in der Natur sind Ziel illegaler Pflücker, trotz hoher Strafen“.

Cypripedium calceolus in Blüte. Foto: Pixabay

Frühere Rettungsaktionen gescheitert

Vor einigen Jahren wurden von zwei Standorten in der Schweiz beispielsweise rund 2.000 Pflanzen geplündert. Die Auswirkungen dieses illegalen menschlichen Handelns sind so groß, dass die Natur sich kaum davon erholen kann, wissen die Züchter.

Die Schweizer Orchideenstiftung hat bereits in früheren Aktionen zusammen mit Hobbygärtnern und Naturschützern versucht, an Schweizer Standorten neue Frauenschuh-Jungpflanzen auszusetzen. Da die Jungpflanzen in der ersten Lebensphase sehr anfällig sind, haben sie jedoch nicht überlebt.

Anzucht von Cypripedium-Sämlingen erfordert spezielle Kenntnisse

Die ersten Pflanzaktionen waren zudem erfolglos, weil die Anforderungen an die Anzucht von Cypripedium-Sämlingen sehr hohe spezialisierte Kenntnisse erforderlich machen, zeigt Anthura auf. Der niederländische Züchter ist nach eigenen Angaben Experte auf dem Gebiet der Fortpflanzung und Anzucht von Orchideen und hat auch das Fachwissen für die Anzucht von Cypripedium-Sämlingen.

Die Schweizer Orchideenstiftung wurde auf den Züchter aufmerksam und bat Anthura bei der Aufzucht von Cypripedium calceolus aus Samen um Hilfe.

Dank den Bemühungen sind 3.000 Pflanzen angezogen worden, die in der Schweiz ausgepflanzt wurden. Mit der Pflanzaktion im vergangenen Juni – an der sich neben Anthura und der Schweizer Orchideenstiftung ein Team von Freiwilligen beteiligte – konnten an 44 Standorten in neun verschiedenen Kantonen der Schweiz Orchideen neu angesiedelt werden.

Anthura will nachhaltige Frauenschuh-Produktion schaffen

Als Standorte wurden Stellen beispielsweise im Regionalpark Chasseral und im Naturpark Gantrisch ausgewählt, an denen die Population stark dezimiert oder an denen die Orchideen ganz ausgerottet waren. In Bereichen, in denen es noch Pflanzen gab, hofft Anthura nun auf einen genetischen Austausch, damit sich die biologische Vielfalt erhöht. Somit könne auch die Gefahr von Inzucht verhindert werden.

Im Betrieb von Anthura wird darüber hinaus genetisches Material zur weiteren Anzucht und Produktion vorgehalten. Anthura will somit eine nachhaltige Produktion schaffen und einen illegalen Handel in Schach halten.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen TASPO 01/2019.