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Pestizid-Rückstände: strengere Forderungen

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Umweltschutzorganisationen, Handelsketten und Verbraucher zeigen sich zunehmend kritisch gegenüber Pflanzenschutzmittel-Rückständen in Zierpflanzen. Aber wie kann der Gärtner diese Rückstände in seinen Zierpflanzen verringern?

Frank Korting (r.) stellte auch seine Hemmstoff-Versuche vor. Foto: Dr. Heinrich Dreßler

Was bedeutet „kundengerechter Pflanzenschutz“?

Frank Korting vom DLR Rheinpfalz in Neustadt/Weinstraße erörterte im Rahmen des „Zierpflanzentages Südwest“ zunächst die Frage, was „kundengerechter Pflanzenschutz“ eigentlich ist. Der Kunde des indirekt vermarktenden Produktionsbetriebes sei ja nicht identisch mit dem Kunden des Endverkaufsbetriebes.

Während der Produzent von seinem Kunden – dem Handel – klare Vorgaben bezüglich der Wirkstoffe und der Rückstandsmengen erhalte, gebe der Endverbraucher dem Einzelhandelsgärtner keine eindeutigen Vorgaben. Jüngere Kunden seien eher kritisch, ältere entstammten dagegen zum Teil noch der „Generation Metasystox“, sagte Korting.

Der Fachhandel sei aber gut beraten, sich an den strengen Vorgaben des organisierten Handels zu orientieren, damit der Verbraucher nicht den Eindruck gewinne, die Pflanzen im Baumarkt seien „gut“, die im Fachhandel dagegen „giftig“, so Kortings Appell.

Pflanzenschutz: Handel orientiert sich an Forderungen von Greenpeace

Zu den Vorgaben des Handels sagte er, dass sich Rewe an den Forderungen von Greenpeace orientiere. Globus verlange bis 2017 eine Produktion ohne B1- und B2-Präparate und erweitere die „schwarze Liste“ von Greenpeace um alle Neonicotinoide, auch um die B4-Wirkstoffe Thiacloprid und Acetamiprid.

Korting wies auf eine Greenpeace-Umfrage unter großen Handelsketten zum Thema Pflanzenschutz hin. Dabei ging es zwar vor allem um den Handel mit Pflanzenschutzmitteln, abgefragt wurde aber auch, ob die Ketten Forderungen an die Produzenten stellen. Hierbei zeigten sich zwar fast alle noch unentschlossen, dies könne aber jederzeit „kippen“, warnte Korting.

Unter den bienengefährlichen B1-Präparaten seien vor allem Akarizide und Insektizide. Würde der Handel einen Verzicht auf B1-Präparate verlangen, reduzierte sich zum Beispiel die Zahl der Mittel gegen Thripse und Weiße Fliegen. Die verbleibenden Mittel müssten öfter eingesetzt werden, was wiederum die Gefahr von Resistenzen erhöhe. Auch sei bei Öl-Präparaten die Verträglichkeit nicht immer gegeben.

Diskussionsbedarf beim Thema Bienenschutz

Beim Thema Bienenschutz sieht Korting noch Diskussionsbedarf, denn bei Gewächshauskulturen im Winter sei die Gefahr für Bienen als gering einzuschätzen. Hier müssten die Kriterien für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach seiner Ansicht angepasst werden.

Im Hinblick auf die Reduzierung von Rückständen sei der Produzent mit Nützlingen, Pflanzenschutzmitteln mit geringem Risikopotenzial, Bio-Präparaten und Pflanzenstärkungsmitteln auf der sicheren Seite

Alternative Mittel: Wirkung nicht nachhaltig und konstant

Allerdings hätten Versuche mit alternativen Präparaten bei Chrysanthemen und Eustoma gezeigt, dass die Präparate zwar eine Wirkung zeigten, diese aber nicht nachhaltig und konstant war. Bei Rosen war die Wirkung alternativer Präparate gegen Mehltau zumindest bei mittlerem Befallsdruck akzeptabel.

Eine ähnliche Wirkung wie beim chemischen Pflanzenschutz war bei der Variante „Chemischer Pflanzenschutz und Pflanzenstärkungsmittel im Wechsel“ zu verzeichnen, berichtete Korting. Damit ließen sich Pflanzenschutzmittel einsparen. Gerade bei schwachem Befallsdruck könnten Stärkungsmittel dazu beitragen, Rückstände zu verringern.

Mehr zu Möglichkeiten und Grenzen biologischer Pflanzenschutzmittel lesen Sie in der TASPO 48/2015.