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Pestizidreduziertes Gärtnern: „Es geht um ein Umdenken“

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Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf Zierpflanzen stark zu reduzieren hat sich Pflanzen-Kölle zum Ziel gesetzt. Dazu startet der Gartencenter-Betreiber mit der Umweltorganisation Global 2000 eine Initiative für pestizidreduziertes Gärtnern – und bezieht dabei die Lieferanten ein. 

Zum Schutz von Biene & Co., aber auch der Anwender, Verkäufer und Verbraucher treiben Pflanzen-Kölle und Global 2000 die pestizidreduzierte Zierpflanzen-Produktion voran. Foto: Pixabay

Pestizide bei der Zierpflanzen-Produktion reduzieren

Bundesweit betreibt Pflanzen-Kölle 13 Gartencenter mit in der Regel über 10.000 Quadratmetern Fläche, wobei das Sortiment zu 50 Prozent aus Pflanzen besteht. Das Unternehmen arbeitet mit verschiedenen Partnern und Produzenten aus Deutschland sowie ganz Europa zusammen, die bereits 2015 verpflichtet wurden, bei der Kultivierung von Pflanzen auf sieben besonders schädliche Pflanzenschutzmittel zu verzichten.

2018 startete die Kooperation mit der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 mit dem Ziel, den Einsatz von Pestiziden bei der Produktion von Zierpflanzen zu reduzieren. Im Fokus: die akute Giftigkeit für verschiedene Lebewesen, die Persistenz sowie das Potenzial, sich in organischem Gewebe anzureichern.

Ökotox-Index: Orientierungshilfe für Gärtner

Dafür wurden und werden Proben aus der Produktion von Pflanzen-Kölle sowie den Zulieferern von einem unabhängigen Labor untersucht und die Ergebnisse an Global 2000 übermittelt. Verbindliche Grenzwerte und Richtlinien beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollen für Transparenz sorgen, den ökologischen Gartenbau fördern und somit die Artenvielfalt und eine intakte Natur unterstützen.

Die unabhängige Umweltorganisation Global 2000 hat als Orientierungshilfe für die Gärtner einen Grenzwertkatalog erstellt, in dem Wirkstoffe mit einem Ökotox-Index bewertet sind. Dieser liegt zwischen 0 und 1 und ist der Indikator für die Giftigkeit der eingesetzten Stoffe für Insekten, Fische, Säugetiere, Gewässer und Menschen.

Blacklist für verbotene, Watchlist für kritische Pflanzenschutzmittel

Insgesamt soll die Summe aller in der Probe enthaltenen Stoffe einen festgelegten Wert nicht überschreiten. Dieser Grenzwert gilt für alle Lieferanten. Für verbotene Wirkstoffe gibt es eine Blacklist, kritische, aber derzeit noch erlaubte Pestizide stehen auf einer Watchlist. Diese Listen orientieren sich an gesetzlichen Vorgaben und Einstufungen etwa der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Mit dem Grenzwert der maximalen Summenbelastung soll auch der „Cocktaileffekt“ abgeschwächt werden. So sind einzelne Wirkstoffe in bestimmten Kombinationen um ein Vielfaches giftiger als für sich alleine.

Wöchentliche Kontrollen durch Pflanzen-Kölle und Global 2000

Die Überschreitung der Grenzwerte zog bisher keine Konsequenzen nach sich, dies wird sich ab sofort ändern: Pflanzen-Kölle und Global 2000 kontrollieren die Produktion der Partnerunternehmen wöchentlich stichprobenartig nach einem „Probenfahrplan“. Sollte ein Lieferant dauerhaft die Grenzwerte überschreiten, wird er aus der Lieferkette von Pflanzen-Kölle ausgeschlossen.

„Es geht uns dabei nicht darum, die Gärtner einzuschränken, die Qualität ihrer Produkte soll erhalten bleiben. Es geht vielmehr um ein Umdenken – zum Beispiel weg vom vorbeugenden Spritzen, hin zu Pflanzenstärkungsmitteln. Dass das funktioniert, beweisen wir selbst mit unserer Eigenproduktion von Bio-Kräutern und diversen Zierpflanzen“, sagt Michael Wittmann, Mitglied der Geschäftsführung von Pflanzen-Kölle.

Insgesamt seien die Neuerungen von den Produzenten sehr positiv aufgenommen worden.