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Pflanzenqualität wird in Zukunft stärker eingefordert

Professor Dr. Hartmut Balder vom Fachgebiet Urbaner Gartenbau der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) ist seit Mai 2008 neuer Präsident der deutschen Sektion der internationalen Baumpflege-Gesellschaft Arboristik, Baumerhaltung, Natur und Umwelt (ISA). Mehr Forschung, gerade was aggressive neue Schädlinge wie den chinesischen Bockkäfer betrifft, ein durchgängiges Qualitätsmanagement für den Werterhalt von Bäumen in der Stadt und einen höheren Stellenwert für das Stadtgrün in der öffentlichen Diskussion zum Klimawandel oder Feinstaub stellte er in der TASPO 19/08 zur Diskussion. Lorenz Wieland fragte ihn nach dem künftigen Baumschulsortiment:

Wieland: Die Anforderungen, die von verschiedenen Seiten an Neupflanzungen gestellt werden, sind zahlreich. Doch den selbsterntenden universalautochthonen Wollmilchbaum gibt es nicht. Woher kommt aus Ihrer Sicht der größte Druck auf Sortimentsveränderungen?

Balder: Die meisten Probleme werden zweifelsfrei durch die Globalisierung und die Auswirkungen der Klimaveränderungen hervorgerufen. Baumarten, die unter erhöhten Windbelastungen brechen werden ebenso aus dem Sortiment verschwinden wie -diejenigen, die unter erheblichem Schädlingsdruck leiden. Dies ist eine Frage der Ästhetik, aber auch ein Problem der Verkehrssicherheit und der Finanzierbarkeit von Pflege und Unterhaltung.

Wieland: Wenn es um die Zukunftsfähigkeit der Gehölze im Sortiment geht, wie könnte ein Bewertungs-Ranking oder eine Checkliste mit Kriterien aussehen?

Balder: Die Forschung steht hier erst am Beginn und muss sich mit Kontinuität und mit engem Schulterschluss der gärtnerischen Praxis interdisziplinär diesen wichtigen Zukunftsfragen widmen. Dies erfordert aufgrund der trägen komplexen Prozesse ein mehrjähriges Vorgehen, doch sind die Forschungsmittel hierzu knapp und erlauben bislang auch keine langjährigen gezielten Arbeiten. Auch befürchte ich - wie aktuell beklagt - dass wissenschaftliche Erkenntnisse nur sehr langsam Eingang in die Praxis finden. Daher sind neue Sortimente gefordert, die für Pflanzenverwender unübersehbare Vorteile bieten, zum Beispiel eine hohe Hitze- und Trockenheitsresistenz, gute Schnittverträglichkeit bis ins hohe Baumalter und eine vitale Entwicklung auch unter den Belastungen urbaner Bereiche. Hinzu kommt eine nur geringe Anfälligkeit für Schaderreger mit Allergiepotenzial für Stadtbewohner und Hygienebelastungen wie Honigtauausscheidungen und frühzeitiger Blattfall. Ich würde all diesen Kriterien eine gleich hohe Priorität einräumen.

Worauf sich die Baumschulen einstellen müssen und welche Sortimentsbereiche die besten Zukunftschancen haben lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe Nr. 20.