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Pflanzenschutz: „Ich möchte Alternativen aufzeigen“

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Angefangen hat der heute als Pflanzenarzt bekannte René Wadas mit einer Lehre zum Gärtner, bevor er die Meisterschule besuchte und anschließend in Salzgitter ein Gartencenter übernahm. Seit einigen Jahren schreibt Bestsellerautor Wadas Ratgeber zum Thema Pflanzengesundheit und gibt in diversen TV-Shows Tipps rund um das Wohlergehen von Pflanzen. TASPO Online traf den Pflanzenexperten zum Interview.

Herr Wadas, wie sind Sie zum Gärtnern gekommen?

Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass ich etwas Anständiges lernen soll, zum Beispiel Klempner. Ich habe dann in Kissenbrück eine Lehre begonnen. Das war direkt gegenüber von meinen heutigen Pflanzenkrankenhaus. Die Auftragslage war nicht so berauschend, deshalb war meine Aufgabe, den Garten des Chefs in Ordnung zu halten. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich Gärtner werden möchte. Bei der Stadt Wolfenbüttel habe ich dann eine Gärtnerlehre gemacht und bin anschließend zur Meisterschule gegangen.

Was macht für Sie die Faszination Garten aus?

Die Natur, das Grün, das Wachstum und die Entspannung, die man erfährt. Wenn man mit Pflanzen arbeitet, nimmt man sie anders wahr und sieht sie nicht als selbstverständlich an. Wenn mir alles zu viel ist, gehe ich in mein Gewächshaus und komme zur Ruhe.

Wie gehen Sie ihre Aufträge bei Kunden an?

Ich gehe das ganzheitlich an. Ich schaue nicht nur, wie ich die Blattlaus beispielsweise loswerde, sondern schaue mir die Pflanze ganz genau an. Wo steht sie genau, steht sie vielleicht falsch, wie ist der Boden? Ich fange das Problem an der Wurzel an. Das Wichtigste ist immer die Wurzel, sie ist ähnlich wie unser Gehirn. Wenn da nicht genug Sauerstoff drankommt, dann geht es der Pflanze nicht gut. Vielleicht muss man sie umtopfen, oder auch woanders hinstellen.

Das Pflanzenkrankenhaus ist für Sie also ein Ort der Ruhe und Entspannung?

Absolut. Wenn ich mich hier mit meinen Pflanzen beschäftige, komme ich zur Ruhe. Wenn ich Pflanzen umtopfe, Stecklinge oder meine Versuche mache, ist das für mich Entspannung. Hier kommen dann auch die Ideen. Hier kommen auch nur ganz wenige Insekten her, da kann man mal erkennen, was passiert, wenn wir so weitermachen und wir weniger Insekten haben. Meine Gurken muss ich beispielsweise selber bestäuben. Hier erkennt man dann die Zusammenhänge.

Sitzen Sie dann hier im Gewächshaus und schreiben?

Nein, hier kommen nur die Ideen. Mit meinem Laptop sitze ich dann Zuhause in meinem Wintergarten und bringe die Ideen zu Papier.

Sie geben in Gartenmärkten auch Schulungen für Mitarbeiter, wie wird das angenommen?

Da ich auch selber mal ein Gartencenter betrieben habe, weiß ich, dass sich die Mitarbeiter nie gerne mit Pflanzenschutz beschäftigen. Die Beratung macht den meisten einfach keinen Spaß und es fehlt oft auch die Zeit. Ich habe mir daher immer gedacht, dass es mehr geben muss als nur Chemie. Ich möchte den Mitarbeitern daher verdeutlichen, welche Möglichkeiten es noch gibt. Klar muss die Industrie Geld verdienen, aber wie gut wäre es, wenn die Industrie an Produkten verdient, die die Natur schützen, statt sie kaputt zu machen. Da möchte ich ansetzen.

Wo sehen Sie darin Ihre Aufgaben?

Es gibt so viele Menschen besonders in den Städten, die gar nicht wissen, worüber ich eigentlich schreibe, oder wie zum Beispiel der Acker-Schachtelhalm aussieht, oder wo sie das herbekommen. Ich habe mir überlegt, dass man die Industrie dazu bringen müsste, so etwas zu produzieren. Da sehe ich meine Aufgabe, die Pflanzenstärkungsmittel mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Ich muss diese Produkte so verkehrsfähig machen, dass sie die Leute anstatt Chemie kaufen. Ich habe es auch schon geschafft, dass Firmen Pflanzenstärkungsmittel auf den Markt bringen. Das ist für mich dann als toller Erfolg zu verbuchen.

Sehen Sie sich dann als eine Art Ideengeber für die Grüne Branche?

Ich möchte Alternativen aufzeigen in den Themen Pflanzenschutz und biologisch gärtnern. Es gibt immer wieder Leute, die ihre Einfahrt oder ihre Beete sauber und unkrautfrei haben möchten. Da hebe ich jetzt nicht den Finger und sage, dass sowas nicht geht, aber ich kann dafür sorgen, dass diese Leute alternative Möglichkeiten kennenlernen, die nicht umweltschädlich sind. Darum wird sich thematisch auch mein neues Buch drehen, das im Frühjahr 2020 erscheint.

Was sind aus Ihrer Sicht die Themen, die die Grüne Branche bewegen?

Wir haben aktuell einen Wandel. Eines der großen Themen ist natürlich Plastik. Können wir das irgendwie ersetzen? Auch ich habe da schon einiges ausprobiert. Gemeinsam mit einem Kollegen haben wir eine Spargelpflanze in Töpfen aus Presskarton angeboten. Das konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Dennoch muss ein Umdenken her, dass wir unseren Kunden auch klar machen, dass auf Plastik verzichtet werden muss. Ein Weg wäre da auch Mehrwegpaletten. Ein weiteres Thema ist auch der Pflanzenschutz. In der Beratung muss da auch ein Umdenken stattfinden, dass man dem Kunden Alternativen aufzeigt. Bio ist zudem eine große Sache. Viele junge Leute fangen das Gärtnern an, auch gerade in den Städten. Diese Menschen wollen auf Balkonen ihre Bio-Kräuter ziehen. Auch da muss man schauen, wo kommen meine Bio-Produkte überhaupt her.

Sie sprechen es bereits an, Gärtnern ist aktuell ein brandaktuelles Thema, auch auf den Messen der Grünen Branche ist Urban Gardening gerade sehr angesagt. Haben Sie eine Erklärung?

Die Menschen besinnen sich zurück auf die Natur. Sie wollen wissen, was sie essen und wo ihre Nahrung herkommt. Viele Menschen, die in die Stadt ziehen, sind auf dem Land groß geworden und kennen das. In der Stadt können sich die wenigsten einen Garten leisten. Diese Leute wollen in ihren Wohnungen und auf dem Balkon das Grün erleben. Ohne Pflanzen können die Menschen nicht leben und mit ihnen lebt man länger.

Was können wir von den Pflanzen lernen?

Geduld. Das ist das A und O und das, was uns oftmals fehlt. Unsere Welt ist sehr schnelllebig geworden. Pflanzen lassen sich nicht hetzen und das sollten wir auch nicht tun. Pflanzen haben ihren Rhythmus, den sie brauchen. Wenn man sich daran hält, dann geht es einem gut.