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Pflanzenschutz: keine Sachkunde – was nun?

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Unklarheiten in der Branche, überforderte Ämter, unterschiedliche Voraussetzungen in den Ländern – der Weg zum Erhalt der neuen Sachkunde-Scheckkarte Pflanzenschutz kann holprig sein. Gerade Floristen hatten hier deutliche Schwierigkeiten – selbst, wenn sie bereits über jahrzehntelange Praxiserfahrung in der Pflanzenschutzberatung von Kunden verfügen. Um das zu verstehen, hat sich die TASPO auf den Weg durch den Behörden-Dschungel gemacht. Stimmt beispielsweise der Verdacht, dass die Auslegung in den Bundesländern variiert?

Ohne neue Scheckkarte Sachkunde dürfen sachkundige Floristen und Gärtner ab dem 26. November nicht mehr im Pflanzenschutz beraten und keine Mittel mehr verkaufen. Foto: Katrin Klawitter

Ablehnung trotz Auffrischungskurs für „Alt-Sachkundige“

Gleich drei gelernte Floristinnen aus Süddeutschland mit Prüfungsabschlüssen aus den Jahren 1994 und davor erhielten den Sachkundeausweis nicht, obwohl man es von Seiten der zuständigen Stelle mündlich zugesagt hatte. Zur Auffrischung hatten sie nach Absprache mit der Behörde einen Kurs für „Alt-Sachkundige“ belegt, das Prüfungszeugnis eingereicht und „telefonisch die Auskunft bekommen, dass das passt“, erzählt die eine. Und bekamen dann trotzdem einen Ablehnungsbescheid.

Ihnen fehle die zusätzliche Bescheinigung eines Berufsgrundschuljahres (BGJ), Schwerpunkt pflanzlicher Bereich. „Hätte man uns das im Vorfeld gesagt, hätten wir uns den Aufwand für Beantragung und Kurs sparen können“, äußern sich die Unternehmerinnen verärgert.

Floristen mit Abschluss vor 1997 niemals pauschal sachkundig

Schlimmer noch: Eigentlich hätten sie sogar nie Pflanzenschutzmittel verkaufen dürfen. Denn der Abschluss der Berufsausbildung zum Floristen wurde erstmals 2001 in die Sachkundeverordnung als Berechtigung für die Abgabe von Pflanzenschutzmitteln aufgenommen, erläutert Jakob Maier von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz. Konkret bedeute das: Floristen mit einer Berufsausbildung vor 1997 waren mit ihrem Berufsabschluss niemals pauschal sachkundig.

Auch in den anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird ähnlich beschieden. „Wenn keine weitere Qualifikation, beispielsweise ein Sachkundeprüfungszeugnis, vorgelegt wird, sind pauschal alle Floristenabschlüsse vor 1997 als nicht sachkundig zu bewerten“, sagt Anne Buß vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (Bad Kreuznach).

Welche Konsequenzen sich daraus für Floristfachgeschäfte und nicht anerkannte „Alt-Sachkundige“ ergeben, lesen Sie in der aktuellen TASPO 41/2015.