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Pflanzenschutz: potenzielle Risiken für Bienen verringern

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Pflanzenschutzmittel falsch angewendet und die Anwendungsvorschriften nicht beachtet! Diese beiden Aspekte sind häufige Ursachen, wenn Bienen vergiftet werden. Bei sachgemäßer Anwendung zugelassener Pflanzenschutzmittel lassen sich negative Auswirkungen auf Bienenvölker jedoch vermeiden.

Wie gefährlich bestimmte Wirkstoffe und Präparate für Bienen und andere Bestäuber sind, hängt auch von der Art der Ausbringung ab. Foto: Pixabay

Kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit

Dr. Jens Pistorius, Leiter des Instituts für Bienenschutz des JKI-Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen (Braunschweig), stellte dies bei seinem Vortrag auf  der Sommertagung Zierpflanzenbau an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg heraus.

Zu den Aufgaben des 2016 gegründeten Instituts für Bienenschutz des Julius Kühn-Instituts (JKI) zählt unter anderem, die Gefahren von Pflanzenschutzmitteln für Bienen zu bewerten und Bienenvergiftungen zu untersuchen. Wie gefährlich bestimmte insektizide Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe für Bienen sind, werde in der Öffentlichkeit immer wieder kontrovers, leider aber nicht immer fachlich differenziert diskutiert.

Neonicotinoide im Blickpunkt

m Blickpunkt stehe die Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide. Bekanntlich sind die für Bienen besonders toxischen Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam mittlerweile auf europäischer Ebene verboten. Nicht alle Neonicotinoide seien aber für Bienen besonders gefährlich. So sind die unter anderem im Obst- und Beerenobstanbau angewendeten Acetamiprid und Thiacloprid als B4 (= bienenungefährlich) eingestuft.

Keinesfalls zu unterschätzen seien auch die von manchen anderen Insektiziden ausgehenden Gefahren. Beispiel: Dimethoat. Als eher ungefährlich für Bienen gelten die weitaus meisten Herbizide und Fungizide. Wie Pistorius in diesem Zusammenhang erwähnte, hängt auch von der Art der Ausbringung ab, wie gefährlich bestimmte Wirkstoffe und Präparate für Bestäuber sind.

Vorsicht bei Tankmischungen

Wenn der Gärtner oder Landwirt Tankmischungen mit zwei als B4 eingestuften Präparaten kombiniert, könne eine solche Mischung möglicherweise als B2 oder gar als B1 gelten. Bei Tankmischungen sind gegebenenfalls Insektizide, Fungizide, Haft- und Zusatzmittel sowie Dünger kombiniert. Die Bienengefährlichkeit von Tankmischungen näher zu untersuchen zählt zu den aktuellen Forschungsaufgaben des JKI-Instituts für Bienenschutz.

Nicht bei jedem Bienenschaden handele es sich um eine Vergiftung. Beispielsweise könnten auch Biozide für Bienen sehr kritisch sein, beispielsweise Ameisenköder auf zuckerhaltiger Basis. Außerdem seien gravierende Veränderungen in der Landschaft nicht selten der Grund, wenn Bienen leiden.

Besonders bekannt sind außerdem spezielle Bienenkrankheiten, so die durch Varroa-Milben verursachte Varroose ebenso wie die ähnlich gefährliche Amerikanische Faulbrut (Paenibacillus larvae larvae). Jährlich variierend, basieren etwa 20 bis 50 Prozent der Bienenschäden auf Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel oder Biozide. Oft lassen sich bei den Untersuchungen keine bienentoxischen Wirkstoffe nachweisen.

Tipps, um Bienen zu schützen

Zum Abschluss seines Vortrags nannte der aus Braunschweig angereiste Referent eine Palette von „Maßnahmen zur Verringerung potenzieller Probleme“. Als Beispiele seien hier herausgepickt:

  • auf vorbeugende Insektizid-Spritzungen verzichten
  • Auflagen und maximale Aufwandmengen beachten
  • Tankmischungen vermeiden
  • in den Abendstunden spritzen
  • Bienenweide anpflanzen und erhalten, ebenso blühende Wildkräuter
  • Nisthilfen anbieten
  • kleine „wilde Ecken“ im Garten unbedingt erhalten