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Pflanzenschutz: Verlust wichtiger Wirkstoffe?

Gestern veröffentlichte die EU-Kommission einen Vorschlag zu den Kriterien für hormonell schädliche Substanzen (endokrine Disruptoren) in Pflanzenschutzmitteln. Der Industrieverband Agrar (IVA) protestiert, da wichtige wichtige Wirkstoffe in Zukunft wegfallen könnten.

Wirkstoffe für den Pflanzenschutz sollen nach WHO-Kriterien bewertet werden

In der Beurteilung der Schädlichkeit will sich EU nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) richten. Doch diese taugen aus Sicht des IVA und der europäischen Pflanzenschutz-Hersteller nicht dazu, um schädliche und harmlose Wirkstoffe zu unterscheiden. Eine robuste wissenschaftliche Beurteilung und somit ein verlässlicher regulatorischer Rahmen seien auf dieser Basis schlicht nicht möglich. Auch in Aussicht gestellte Ausnahmeregelungen würden diesen Umstand nicht verbessern.

IVA: Für den Verbraucher- und Gesundheitsschutz schlimmstenfalls kontraproduktiv

„Angesichts der besonders strengen rechtlichen Vorgaben im Pflanzenschutzrecht bergen diese Kriterien das Risiko, dass Substanzen betroffen sein können, die gesundheitlich unbedenklich, aber zugleich in der Landwirtschaft – etwa bei der Pilzbekämpfung – zur Produktion sicherer Lebensmittel unverzichtbar sind. Für den Verbraucher- und Gesundheitsschutz wäre das im schlimmsten Fall sogar kontraproduktiv“, erklärte IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler.

Er fügte hinzu: „Daher ist es unerlässlich, Aspekte wie Exposition und Wirkstärke eines Stoffs in die Bewertung einzubeziehen. Andernfalls schütten wir das sprichwörtliche Kind mit dem Bade aus, wenn Landwirten keine ausreichende Mittelpalette mehr zur Verfügung steht, um gefährliche Schadpilze im Getreide zu bekämpfen.“

Hormonell schädliche Wirkstoffe? Neun von zehn Getreidefungiziden könnten verschwinden

Neun der zehn wichtigsten Getreidefungizide könnten vom Markt verschwinden, wenn die Regularien greifen. Bereits vor drei Jahren hatte der IVA versucht, die EU-Kommission zu sensibilisieren, indem der Verband eine Abschätzung der Folgen für die Landwirtschaft vorlegte, gestützt durch eine behördliche Bewertung.

Nun müssen die Mitgliedsstaaten die Vorschläge der EU-Kommission prüfen und bewerten. Zusätzlich wirkt das Europäische Parlament bei der Entscheidungsfindung mit.