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Pflanzenschutz: Zierpflanzen nicht unnötig spritzen

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Sich beim Pflanzenschutz auf chemische Maßnahmen zu beschränken, führt schnell in eine Sackgasse. Nur wer verschiedene Maßnahmen gezielt kombiniert, könne Schädlinge und Krankheiten ausreichend bekämpfen. Dies sei gerade vor dem Hintergrund der verschärften Vorgaben durch den Gesetzgeber und den Handel auch im Zierpflanzenbau immer wichtiger geworden.

Pflanzenschutzmittel-Rückstände gefährden den Absatz von Zierpflanzen im Handel. Foto: Gabriele Friedrich

Pflanzenschutzberater Holger Nennmann vom Pflanzenschutzdienst Nordrhein-Westfalen referierte beim Veitshöchheimer Zierpflanzenbautag über „Toleranz gegenüber Pflanzenschutzmitteln im freien Fall?“ Er appellierte an die Produzenten, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aufs notwendige Maß zu beschränken, Abschluss-Spritzungen zu vermeiden und die Persistenz von Pflanzenschutzmitteln zu berücksichtigen.

Neben verschärften gesetzlichen Bestimmungen spielen Vorgaben, mit denen der Lebensmittel-Einzelhandel seine Lieferanten konfrontiert, eine zunehmende Rolle. Längst beschränke sich dies nicht mehr nur auf Obst und Gemüse, sondern betreffe auch die Zierpflanzen. „Solche Handelsvorgaben werden gerade in Nordrhein-Westfalen viel diskutiert“, sagte Nennmann.

Ein Beispiel sei die Rewe-Rahmenvereinbarung. Darin heißt es unter anderem, es dürften „nur für die jeweilige Kultur zugelassene Pflanzenschutzmittel des Produktionslandes eingesetzt werden.“ Eine in der Rahmenvereinbarung enthaltene Negativliste ist laut Nennmann aber eher unproblematisch. Sie liste solche Mittel und Wirkstoffe auf, welche ohnehin in der EU verboten sind und „bei uns schon lange nicht mehr eingesetzt werden.“

Zu den Vorgaben laut dem „Rewe-Rückstandsleitfaden für Blumen und Pflanzen“ zähle unter anderem aber auch, dass in der Blume oder Pflanze nicht mehr als zehn Wirkstoffe in Konzentrationen von über 0,01 Milligramm je Kilogramm sein sollten.

Eine der anderen Vorgaben lautet: „Die nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel sollten die jeweils geltenden höchsten Rückstandswerte für Obst und Gemüse nicht überschreiten.“

Die Verweildauer von Pflanzenschutzmitteln in der Umwelt unterscheidet sich stark. Der DT50-Wert (= benötigte Zeit, um die Hälfte der anfänglichen Menge eines Wirkstoffs ab- oder umzubauen) variiert von weniger als einem Tag bis zu mehreren Jahren. Manche ehemaligen Wirkstoffe waren nicht zuletzt deshalb problematisch, weil sie mehrere Jahre im Boden verblieben.

Die heute wegen der Bienengefährdung viel diskutierten und nur noch sehr eingeschränkt verwendbaren neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin (Präparat: Dantop) und Imidacloprid (Wirkstoffe: Confidor WG 70, Warrant 700 WG) haben ebenfalls einen relativ langen DT50-Wert, wobei für Imidacloprid 77 bis 341 Tage, für Clothianidin sogar 143 bis 1.001 Tage (je nach Temperatur und anderen Einflussfaktoren) genannt wurden. Nennmann: „Wer mit Nützlingen arbeitet, weiß, dass man vorher kein Confidor einsetzen darf!“

Viele moderne Pflanzenschutzmittel haben dagegen eine sehr kurze Halbwertzeit von wenigen Tagen. Beispiel: Mospilan SG (Wirkstoff: Acetamiprid). (eh)