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Pflanzenschutzmittel: Nettoinlandsumsatz 2013 setzt neue Rekordmarke

Einerseits erreichen die Chemiehersteller mit Pflanzenschutzmitteln einen Rekordabsatz, andererseits bemängelt der Industrieverband Agrar (IVA) eine „Überregulierung in Europa“. IVA-Präsiden Dr. Helmut Schramm hatte seine Ausführungen bei der Pressekonferenz dieses Verbandes am 12. Mai daher mit „Zwischen Nachfragehoch und Regulierungswut“ überschrieben.

So hat sich der Pflanzenschutzmittelmarkt in Deutschland entwickelt (Nettoinlandsumsatz der IVA-Firmen in Millionen Euro). Grafik: IVA

Im dritten Jahr hintereinander konnten die Hersteller und Anbieter von Pflanzenschutzmitteln ihre Umsätze auf dem deutschen Markt steigern. 2013 erreichte der Nettoinlandsumsatz im Direktgeschäft zwischen Industrie und Großhandel 1,506 Milliarden Euro und war damit um 7,5 Prozent höher als im Jahr zuvor. Dies verteilt sich wie folgt auf die drei Hauptgruppen:

  • Herbizide = Zunahme um 2,7 Prozent auf 673 Millionen Euro;
  • Fungizide = Zunahme um 18 Prozent auf 611 Millionen Euro;
  • Insektizide = Rückgang um 7,1 Prozent auf 144 Millionen Euro.

Der Weltpflanzenschutzmarkt vergrößerte sich im Jahr 2013 gegenüber 2012 ebenfalls erheblich, nämlich um 11,4 Prozent auf 52,7 Milliarden US-Dollar. Auf Euro-Basis entspricht dies laut des IVA-Jahresberichtes einem Zuwachs von 6,1 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro.

Berechnet auf der Euro-Basis, lässt sich der Weltpflanzenschutzmarkt 2013 nach Großregionen wie folgt gliedern:

  • Lateinamerika = 27,6 Prozent;
  • Europa (EU 28) = 25,8 Prozent;
  • Asien (inklusive Japan und Ozeanien) = 24,1 Prozent;
  • NAFTA (USA, Kanada, Mexiko) = 18,9 Prozent;
  • Sonstige = 3,6 Prozent.

Die Euphorie über das kräftige Umsatzwachstum werde im Pflanzenschutzbereich aber durch die sich in der Europäischen Union (EU) weiter verschärfenden Regulierungen gebremst. Der IVA sehe mit einiger Besorgnis auf die kommenden Jahre, sagte Schramm. Einerseits würden die Zulassungen vieler Wirkstoffe auslaufen, andererseits blockiere eine „überzogene Regulierung auf EU-Ebene“ die Wiederzulassung bestimmter Präparate und die Entwicklung neuer Substanzen.

Die EU trete im Pflanzenschutzbereich leider auf die Innovationsbremse. Hierzu würden auch die in einem Leitlinien-Entwurf formuliertem neuen Regeln für Feldstudien beitragen. Um nur eine einzige Feldstudie nach den Vorstellungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit durchzuführen, brauche es ein Versuchsareal von 448 Quadratkilometern. Schramm bezeichnet dies als einen „Schildbürgerstreich“.

Auch praxisferne Regelungen für „hormonschädliche Stoffe“ würden zur Überregulierung beitragen und sich – sofern sie beschlossen werden sollten – vor allem bei den Fungiziden drastisch auswirken. Das Resistenzmanagement werde dann noch erheblich schwieriger.

Welche Position die Industrie vertritt, formulierte der IVA-Präsident wie folgt: „Schutz von Mensch und Umwelt hat höchste Priorität, dies erfordert aber wissenschaftsbasierte Risikobewertung!“ Mit der zur Grünen Woche 2014 gestarteten Kampagne „Der Pflanzenschützer – Sichere Ernten, sichere Lebensmittel“ habe man eine Plattform geschaffen, um die Bedeutung des sachgerechten Pflanzenschutzes zu betonen und Landwirte einzubeziehen.

Kritisch äußerte sich Schramm auch zu Entwicklungen im deutschen Pflanzenschutzrecht. Statt das europaweit vorgegebene Harmonisierungsgebot bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln konsequent umzusetzen, habe das zonale Verfahren zusätzlichen administrativen Aufwand gebracht. Dies, weil nationale Verfahren und Anforderungen weiter bestehen. Mehr zu diesem Aspekt im Kasten „Europäische Regeln konsequent anwenden, statt unnötige Doppelarbeit“. (eh)