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Phytophthora ramorum: JKI sieht in Deutschland noch keine große Bedrohung

Ein pilzähnlicher Krankheitserreger, der den „plötzlichen Eichentod“ in Kalifornien sowie Triebsterben und andere Schadbilder bei einer Reihe von verbreiteten Pflanzenarten verursacht, ist eine zunehmende Bedrohung für Wälder, Parks und Gärten in der Europäischen Union. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). In Deutschland sind bisher allerdings bisher nur ganz vereinzelte Fälle aufgetreten, so dass das Julius-Kühn-Institut hier derzeit keinerlei Bedrohung sieht, wie Thomas Schröder, JKi, auf Anfrage bestätigt. Das jährliche Monitoring des JKI habe gerade einmal in vier Fällen ein Vorkommen an Bäumen nachweisen können, kein einziges an Bäumen im Wald, beruhigt Schröder. 

Die Hoffnung vieler Praktiker, dass die bisherigen Maßnahmen deshalb dereguliert werden und künftig weniger Nachweise für Phytophthora ramorum zu führen sind, könnten allerdings enttäuscht werden: „Wir kennen den Erreger bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Warum er gerade jetzt stark an Japanischen Lärchen auftritt, das gilt es auf jeden Fall zu hinterfragen und zu analysieren“, sagt Schöder.

Deshalb halte er es für notwendig, weiter an dem bisher praktizierten Vorsorgeprinzip fest zu halten. Auch wenn, wie der Experte weiß, in der Praxis eher andere Phytophthora-Arten Probleme bereiten, Phytophthora ramorum hier bisher keine Schäden an Rhododendren, nur an Viburnum, verursacht hat. In Großbritannien und Irland, das sieht Schröder genauso, sei die Lage allerdings in der Tat kritisch, was er unter anderem auf die klimatischen Verhältnisse zurückführt.

Zum Hintergrund und der Efsa-Studie: In dem jetzt veröffentlichten Gutachten bestätigt das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit, dass „ein Risiko der weiteren Einschleppung und Etablierung“ von Phytophthora ramorum in der EU besteht.

Das EFSA-Gutachten weist darauf hin, dass es in ganz Europa große Gebiete gibt, die gute klimatische Bedingungen für die Ausbreitung dieses Erregers bieten und in denen anfällige Wirtspflanzen heimisch sind. Unter den potenziellen Wirtspflanzen befinden sich zahlreiche verbreitete Pflanzenarten wie Rotbuche (Fagus sylvatica), Rhododendron, Kamelie (Camellia) und Schneeball (Viburnum). Außerdem mehren sich die Hinweise dafür, dass einige Formen von Phytophthora ramorum aggressiver sind als andere.

Sofortmaßnahmen, die besondere Einfuhrbestimmungen, das „Pflanzenpass“-Zertifizierungssystem sowie pflanzengesundheitliche Maßnahmen am Erzeugungsort umfassen, scheinen mit der Beseitigung von Phytophthora ramorum aus Baumschulen einen Teilerfolg verzeichnen zu können, wobei jedoch unklar sei, inwieweit die aufgeführten Maßnahmen für die Verringerung der Ausbrüche ursächlich seien, so das Gutachten weiter.

Pflanzenhändler in vielen Mitgliedstaaten meldeten nach wie vor das Vorhandensein des Krankheitserregers in Beständen. Die Sachverständigen der EFSA äußern Vorbehalte bezüglich der Wirksamkeit der dreimonatigen Quarantäne im Anschluss an die Ausrottungsmaßnahmen, da Ungewissheit darüber besteht, wie lange Phytophthora ramorum latent überleben kann.

Dem Gremium zufolge konnten die Maßnahmen das Auftreten der Krankheit außerhalb von Baumschulen nicht erfolgreich verringern. Neben den jüngsten größeren Ausbrüchen bei Japanischen Lärchen im Vereinigten Königreich und in Irland ist der Erreger auf einer Vielzahl verschiedener Wirtspflanzenarten in Parks, Gärten, Wäldern und Forsten in den Niederlanden, im Vereinigten Königreich, in Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Irland, Luxemburg, Norwegen, Serbien, Slowenien, Spanien und der Schweiz nachgewiesen worden.

Die Eindämmung der Krankheit außerhalb von Baumschulen sei daher eine enorme Herausforderung für Risikomanager. In den betroffenen Pflanzungen von Japanischer Lärche im Vereinigten Königreich und in Irland wird ein großflächiger Einschlag durchgeführt.