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Poinsettienseminar an der LVG Ahlem: Von Absatz, Thrips und neuen Sorten

Von Sortentipps über Düngestrategien bis hin zum Thema Pflanzenschutz – beim diesjährigen Poinsettien-Nachmittag der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Hannover-Ahlem konnten sich Gärtner in puncto Weihnachtssternkultur wieder auf den aktuellen Stand bringen lassen.

Die Höhen und Tiefen der aktuellen Poinsettien-Saison fasste Jan Behrens vom Gartenbauberatungsring Oldenburg rückblickend zusammen. So sei der Absatz insgesamt sehr schleppend angelaufen. Der Markt habe sich dabei schwierig gestaltet: „Ein starker Preisdruck zum ersten Advent“ war laut Behrens zu beobachten. Außerdem seien Midi-Poinsettien in 10er-Töpfen schlechter gelaufen als in den Vorjahren – dafür die 13er-Töpfe etwas besser.

Schuld war nicht das Wetter: Die Wetterbedingungen der Poinsettiensaison 2012 gestalteten sich nach Behrens Ausführungen eher durchschnittlich. Kulturprobleme der Produzenten waren in diesem Jahr deshalb weniger wetterbedingt, vielmehr hätten Gärtner Schwierigkeiten mit der Düngung an ihn herangetragen: „Zuviel, zu einseitig, zu hohe pH-Werte“ seien häufig die Themen gewesen. Behrens berichtete in seinem Saisonrückblick zudem, dass die Weiße Fliege in diesem Jahr weniger in den Weihnachtssternbeständen zu finden war. Thrips und die entsprechenden Schäden seien hingegen vermehrt aufgetreten.

„Die Sortimente der einzelnen Anbieter werden sich immer ähnlicher – mit vielen guten Sorten“, stellte Dr. Dirk Ludolph, Versuchsleiter der LVG Ahlem, fest. Der Referent machte drei Trends aus: „Es gibt mehr v-förmige Sorten, die Brakteen werden kleiner, und es gibt immer mehr eichenlaubige Typen im Sortiment.“ Das Ahlemer Sortiment mit über 100 Sorten wurde in Kalenderwoche 28 bis 30 in Zwölf-Zentimeter-Töpfe getopft und bei natürlicher Tageslänge herangezogen. In der Phase der Induktion waren die Temperaturen moderat, so dass keine wesentlichen Verzögerungen in der Kulturdauer entstanden.

Ludolph stellte die Sorten in der Reihenfolge der Verkaufsreife vor. Er startete mit einer neuen Sorte aus dem Haus Dümmen: ‘Red Fox Ouverture Dark Red’, der zurzeit wohl „schnellsten“ Sorte. Die neue Sorte erlangte die Verkaufsreife bereits in den ersten Novembertagen. Mit ‘Freedom Early Red’, ‘Early Millennium’ und ‘Premium Early’ gehört ‘Ouverture Dark Red’ zu den vier „schnellsten“ Sorten im aktuellen Sortiment. Stabile, starke Triebe und dunkles Laub zeichnen die neue Sorte aus. Ludolph stellte mit der Sorte ‘Red Fox Prima Red’ eine Sorte vor, die sehr straff aufrechte Triebe hat. Er konstatierte, dass der steil aufrechte Wuchs dazu animiere, hier schon von i-förmigen statt von v-förmigen Wuchstypen zu sprechen. Aber auch andere Sorten, wie beispielsweise die Sorte ‘Christmas Bells’ von Selecta Klemm haben sehr steil aufrecht wachsende Triebe.

Aus dem Haus Selecta Klemm stellte Ludolph unter anderem die Sorte ‘Christmas Joy’ vor. Stabile, dichte Triebe und längliche, sternförmige Brakteen kennzeichnen die Sorte. Von der Firma Ecke kommt die Sorte ‘Premier Red’, die ungesteuert am 13. November verkaufsfertig war. ‘Premier Red’ ist kompakt und hat strahlend rote Brakteen. Die Sorte ‘Pronto Red’, aus dem Haus Lazzeri war Mitte November vermarktungsreif. Die Sorte hat große, glatte, samtig strahlende Brakteen. Von Syngenta stellte der Referent die Sorte ‘Sigma’ vor, die sich durch hellrote, strahlende Brakteen auszeichnet, die auf stabilen, v-förmigen Trieben stehen.

Bei den weißen und bunten Sorten zeigte Ludolph bereits im zweiten Jahr die Sorte ‘Princettia Maxwhite’ – die weißeste aller Sorten. Die Nachfrage nach der Sorte war 2012 auch seiner Beobachtung nach überraschend groß. Im Verlauf der Saison seien Pflanzen vermarktet worden, die keine Topqualität hatten. Dass die Pflanzen oft gesplittete Brakteen haben, störte die meisten Kunden nicht, wie Ludolph feststellte. ‘Princettia Maxwhite’ sei eine interessante Sorte, die sehr kräftig wachse und nicht ganz einfach zu kultivieren wäre.

Zu Beginn der Poinsettienkultur, so Jens Wienberg vom Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, hätten sich in diesem Jahr häufig Deformationen der Blätter gezeigt, die meist als Thripsschäden interpretiert würden. Dabei sei in vielen dieser Fälle Thrips im Bestand nicht oder nicht mehr nachweisbar, weshalb sich der Verdacht ergebe, dass die Schäden durch Viren oder Probleme in der Kulturführung entstanden sein könnten.

In den Versuchen des Pflanzenschutzamtes Oldenburg, des Pflanzenschutzamtes Berlin und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurden verschiedene Poinsettiensorten jeweils unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt. Es fanden dabei sowohl eine Thripsüberwachung mit Blautafeln als auch Entnahmen von Blattproben zur Virusuntersuchung statt. Auffällig: In allen Sorten ließen sich die Viren Poinsettia latent virus und Poinsettia mosaic virus nachweisen und waren somit zumindest latent vorhanden. Schäden zeigten sich vor allem in der kühl gefahrenen Variante. Hier waren nekrotische Veränderungen sowie Deformationen der Blattflächen zu beobachten. Zudem zeigten sich die Blätter laut Wienberg auffällig brüchig und hart. Bei Pflanzen, die einem hohen Befall mit Thrips der Art Parthenothrips dracaenae ausgesetzt waren, habe es dagegen keine Schäden gegeben. In der Variante mit der Thripsart Frankliniella occidentalis hingegen seien massive Deformationen und Anomalien der Blattflächen an allen Pflanzen aufgetreten.

„Das Ergebnis ist leider nicht so eindeutig, wie man es sich wünschen würde“, bewertete Wienberg die Versuchsergebnisse. Durch das latente Vorhandensein der Viren könne nicht ausgeschlossen werden, dass diese auch für Schäden verantwortlich sind. Sein Rat an die Gärtner: „Sich erstmal vergewissern, ob Thrips überhaupt vorhanden ist“ oder ob andere Faktoren wie zu niedrige Temperaturen die Ursache für Schäden sein könnten, bevor etwa eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln in Erwägung gezogen werde. Dabei seien Gelb- und Blautafeln zur Kontrolle unabdingbar, um eine exakte Diagnose stellen zu können.

Es ist wichtig, bereits in der Vorkultur gegen Thrips anzugehen, betonte Holger Nennmann vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Denn in der Regel würde Thrips aus dieser mit ins Poinsettiensortiment übernommen. Entsprechende Gegenspieler des Thrips, wie etwa Raubmilben, sollten also in der Vorkultur eingesetzt werden, damit sie den Befall möglichst gering halten und sich ebenfalls im Poinsettienbestand etablieren könnten. Bei der Bekämpfung der Weißen Fliege sei es entscheidend, die Art zu bestimmen. Danach erst könne eine wirksame Bekämpfungsstrategie festgelegt werden. So sitze manchmal die Eschen-Weiße Fliege auf Poinsettien, verursache hier aber keine Schäden. Häufige Gründe für Misserfolge beim chemischen Pflanzenschutz seien häufig zu kurze oder zu lange Spritzintervalle, eine falsche Spritzfolge der Mittel oder ungünstige Klimabedingungen.

Probleme machten zunehmend resistente Weiße Fliege-Typen, wie der so genannte Q-Typ der Art Bemisia tabaci. Hier wirke sich der chemische Pflanzenschutz sogar kontraproduktiv aus: „Je mehr man spritzt, desto stärker tritt die Weiße Fliege auf“, so Nennmann. Die multiresistenten Q-Typen der Schädlinge würden durch die Spritzungen gefördert. Deshalb gehe bei der Bekämpfung der Weißen Fliege mittlerweile nichts mehr ohne Nützlingseinsatz. Hier sein wichtigster Rat: „Wer Nützlinge einsetzen will, der sollte mit den Jungpflanzenproduzenten sprechen, dass nur Jungpflanzen geliefert werden, die nicht mit Confidor behandelt wurden“. Der enthaltene Wirkstoff Imidacloprid bewirke, dass Encarsia-Schlupfwespen die Pflanzen über die gesamte Kulturdauer mieden und sich die Weiße Fliege ungehindert vermehren könne. (hou/has)