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Praktikum: Learning by doing

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Viele Schülerinnen und Schüler starten derzeit in ihr letztes Schuljahr. Mit dem Abschluss rückt auch die Frage näher, welchen Berufsweg sie gerne einschlagen möchten. Informationen sind im Internet zu finden, doch was den eigenen Interessen und Fähigkeiten entspricht und dabei auch noch Spaß macht, lernt man am besten vor Ort kennen.

Bei Ausbildungsberufen gibt ein Praktikum im Betrieb den besten Einblick in den Arbeitsalltag und auch Hochschulen bieten häufig „Schnuppertage“ für Interessierte an. „Ich habe Chemie und Biotechnologie studiert. Mir wurde aber mit der Zeit klar, dass ich meine Zukunft nicht in einem Labor verbringen wollte“, erzählt der 22-jährige Klaus Schliesky. „Ich habe im dritten Semester abgebrochen und Praktika in Garten- und Landschaftsbaubetrieben gemacht. So kam ich an meinen jetzigen Ausbildungsplatz.“

Ausbildung statt Studium: praktische Arbeit an der frischen Luft

Vor kurzem ist Klaus Schliesky in sein zweites Lehrjahr bei dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb Küsters in Neuss gestartet. In der Schule war Biologie sein Lieblingsfach. Nach dem Abitur erschien ihm deshalb das Studium mit Schwerpunkt Biotechnologie anfangs als logischer nächster Schritt. Dass er heute mit der Ausbildung zum „Gärtner/in Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau“, kurz Landschaftsgärtner, glücklicher ist, liegt vor allem an der praktischen Arbeit an der frischen Luft.

„Jede Baustelle, jeder Garten, jede Grünfläche sind anders. Wir legen neue Landschaften an, pflanzen und erledigen Pflegearbeiten. Es gibt immer neue Herausforderungen und am Ende des Tages sieht man, was wir im Team geschafft haben“, so Schliesky. „Am besten hat mir gefallen, als ich zum ersten Mal mit einem Bagger gearbeitet habe. Je mehr Übung ich hatte, desto präziser konnte ich mit der Maschine umgehen.“

Wichtig war dem Auszubildenden auch, dass sein zukünftiger Beruf Perspektiven, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bietet. „Noch weiß ich nicht, ob ich später Techniker oder Meister werden will oder sogar Landschaftsarchitektur studiere. Die Ausbildung ist auf jeden Fall eine sehr gute Grundlage für unterschiedlichste Bereiche.“

Praktikum steigert Chance auf Ausbildungsplatz

Dass ein Praktikum ausschlaggebend sein kann, um den richtigen Beruf zu wählen, bestätigt auch Thomas Wiemer, Referent für Nachwuchswerbung beim Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (AuGaLa): „Hier können Schülerinnen und Schüler sich ein Bild über die Tätigkeiten, den Tagesablauf und das Betriebsklima machen. Das funktioniert aber auch in die andere Richtung: Ausbilder und Betriebsleiter lernen die Jugendlichen in ein bis zwei Wochen kennen. Zeigen diese Geschick und Interesse am Garten- und Landschaftsbau, steigen die Chancen, in diesem Betrieb eine Ausbildung zu bekommen.“

Der Eindruck, den man während eines Praktikums hinterlässt, zählt oft mehr als gute Zeugnisnoten – letztlich entscheiden Motivation und Durchhaltevermögen. Azubi Klaus Schliesky weiß, wovon er spricht: „Eigenschaften von Pflanzen, deren botanische Namen, Berechnung von Flächen und Volumen – das lernt man in der Ausbildung viel leichter als in der Schule, weil man es praktisch anwendet. Auch die nötige körperliche Fitness habe ich mir schnell antrainiert. Man lernt hier alles, was man braucht, indem man es tut – learning by doing.“

Vor der Wahl des Praktikums genau über Beruf informieren

In Schlieskys Berufsschulklasse sind 30 Auszubildende des Garten- und Landschaftsbaus. Viele sind ein paar Jahre jünger als er, weil sie direkt nach der mittleren Reife die Ausbildung begonnen haben. „Mein Rat ist, sich vorher genau über einen Beruf zu informieren. Ich habe viel im Internet gelesen, bevor ich mich für ein Praktikum entschieden habe.“

Wissenswertes und Adressen von Betrieben vor Ort fand Klaus Schliesky auf der Webseite des Ausbildungsförderwerkes AuGaLa, die sich an den viel gefragten Nachwuchs wendet. Er machte gleich zwei Praktika in unterschiedlichen Betrieben.

Schliesky: Entscheidung stand nach dem zweiten Praktikum

„Ich wollte möglichst genau wissen, ob mir der Berufsalltag, die Atmosphäre und der Umgang im Betrieb liegen. Schließlich verbringe ich dort als Auszubildender viel Zeit. Wenn es nicht passt und man die Ausbildung abbricht, verliert man schließlich gleich ein ganzes Jahr. Zum Glück war ich mir nach dem zweiten Praktikum sicher, dass für mich der Beruf und der Betrieb genau das Richtige sind“, so Schliesky.

Im Nachhinein empfiehlt der Auszubildende Schülerinnen und Schülern, ihr Pflichtpraktikum nicht einfach nur abzuleisten, sondern tatsächlich zu nutzen, um mehr über die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu erfahren. Darüber hinaus kann jeder auch ein freiwilliges Praktikum in den Ferien machen.