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Projekt "faire Saisonarbeit": Betriebe zögern noch

Vor rund einem Jahr wurde das von der EU geförderte und von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) getragene Pilotprojekt Qualitätssiegel "faire Saisonarbeit" vorgestellt (siehe TASPO 18/07). Wie Thomas Hentschel von dem am Projekt beteiligten Peco-Institut - Institut für nachhaltige Regionalentwicklung - gegenüber der TASPO mitteilte, gibt es aber noch keine landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betriebe, die sich mit diesem freiwilligen Siegel das Einhalten sozialer Mindeststandards in diesem Bereich bescheinigen lassen. Es wurden allerdings inzwischen rund 100 Betriebe mit Saisonbeschäftigten besucht und auf das neue Siegel angesprochen. Es gebe ein teils positives und teils abwartendes Echo, so Hentschel. Das Zögern sei vor allem auf zwei Problemfelder zurückzuführen. Zum einen fürchteten die Betriebe neue Kosten und Belastungen durch noch eine Zertifizierung. Zum anderen sehen sie die dargestellten Standards (siehe auch www.saisonarbeit.org) nicht in allen Punkten erfüllbar. Laut Hentschel sind dabei nicht die Löhne das Problem, sondern eher die Arbeitszeit, bei der das Arbeitszeitgesetz mit eine Rolle spielt, und bei denen sich die Betriebe zu sehr eingeschränkt fühlten. Bei den besuchten Betrieben sei man insgesamt aber nicht auf heftige Ablehnung gestoßen. Ein Viertel sei bereit teilzunehmen. Als nächster Schritt ist vorgesehen, die rechtliche Basis für das Siegel zu modifizieren, führte er weiter aus. Schließlich gingen die Betriebe wie bei Zertifizierungen üblich, auch bei dieser rechtliche Verpflichtungen ein. Noch Neuland sei jedoch die Zertifizierung in einem sozialen Bereich. Angedacht ist, das Zertifizierungssystem als Unternehmenskonstrukt aufzustellen, bei denen die Verpflichtungen über Allgemeine Geschäftsbedingungen definiert sind. Dies soll, hofft Hentschel, bis Mitte April 2008 erledigt sein. Inzwischen wurde auch auf europäischer Ebene das freiwillige Gütesiegel "faire Saisonarbeit" in der Landwirtschaft als Initiative in den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) von Hans-Joachim Wilms von der IG BAU eingebracht. Das Gremium hat laut IG BAU diesen Vorschlag auf seiner Plenarsitzung am 13. Dezember 2007 nahezu einstimmig befürwortet.