Alle News

Recht: Urteil zu Bambuswurzeln zu pauschal

, erstellt von

Durch seinen besonderen Wuchs und seine Erscheinung bringt Bambus eine besondere Note in den Garten und hat viele Liebhaber. Bei der Pflanzung ist bei einigen Arten aber der Aspekt Wurzelschutz zu beachten, was von den Pflanzenanbietern oder im Handel auch immer wieder kommuniziert wird. Ein Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf (bereits vom 29. April 2014) zeigt, dass das Thema gelegentlich auch Richter beschäftigt.

Auf das Urteil wies Rechtsanwalt Reinhard Hahn in unserer Rechtsrubrik (vergleiche TASPO 25/2016) hin. Im konkreten Fall ging es um einen Hausverkauf und die Frage, ob wegen einer „Verwucherung des Bodens des gesamten Gartens mit Bambuswurzeln“ ein mängelbedingter Schaden vorliegt.

Bambuswurzeln: Verkäufer einer Immobilie hat Aufklärungspflicht

Wie Rechtsanwalt Reinhard Hahn das Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf, Az.: I-21 U 82/13 zusammenfasst, trifft den Verkäufer eines Hausgrundstückes eine Aufklärungspflicht über die Durchsetzung des gesamten Erdreichs des Gartens der Immobilie mit Bambuswurzelwerk. Denn die Verwilderung der Bambuswurzeln führe zu einer Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten des Gartens und sei mit Gefahren der Beeinträchtigung der sonstigen Bepflanzung und für das Haus verbunden.

Da in dem Urteil der betreffende Bambus nicht genauer beschrieben ist, fragte die TASPO Gerhard Sieber, ehemaliger Präsident der Europäischen-Bambus-Gesellschaft-Deutschland (EBS-D), nach seiner Einschätzung:

„Es ist sicher richtig, dass versteckte Beeinträchtigungen dem Erwerber eines Grundstückes mitgeteilt werden müssen, aber Wurzeln eines Grases – nichts anderes ist Bambus – sind nicht weiter dramatisch. Ich denke, Herr Hahn meinte Bambusrhizome, die durch ihren invasiven Ausbreitungsdrang schon manchen Gartenbesitzer zur Verzweiflung getrieben haben.

Bambus: Verwechslung der Begriffe Wurzeln und Rhizome

Bei Bambus werden in den meisten Fällen die Begriffe Wurzeln und Rhizome verwechselt. Da Bambus ein Gras ist, ohne Pfahl- und Starkwurzeln, nennen sich diese Wurzeln Adventivwurzeln. Sie dienen in erster Linie der Wasser- und Nährstoffaufnahme, natürlich auch der Erhöhung der Standfestigkeit. Von der Struktur her sind sie sehr fest und rund, aber in keinem Fall invasiv.

Rhizome sind unterirdische Sprossen die den oberirdischen Halmen vom Aufbau ähneln. An ihnen befinden sich Knospen, die wiederum neue Rhizome bilden beziehungsweise den Halm. Im Bereich der Nodien, an den Rhizomen, befinden sich die Wurzeln. Das Wachstum der Rhizome ist netzartig in einer Tiefe von rund zehn bis 30 Zentimetern, bei einigen Arten sogar bis 100 Zentimetern.

Nachdem im Juli/August die Halmbildung beendet ist, beginnt das unterirdische Wachstum, teilweise meterweit von der eigentlichen Pflanze. In den Rhizomen werden Assimilate und Nährstoffe für die Halmbildung im nächsten Jahr eingelagert.

Bambus: Rhizomgeflecht kann bis zu 100 Quadratmeter einnehmen

Die Rhizome sind sehr hart, wie die Halme, und gelblich, immer mit einem sehr spitzen Vegetationspunkt versehen. Sie sind in der Lage, Teichfolien und Hausisolierungen zu schädigen, unterspringen Grundstücksgrenzen und tauchen dann in Nachbars Gemüsebeet auf. Garageneinfahrten und Terrassenbeläge werden angehoben. Bei optimalen Standorten kann ein Rhizomgeflecht leicht 80 bis 100 Quadratmeter einnehmen, dies lässt sich nicht mehr mit Manpower beseitigen, da müssen schon Maschinen ran.

In ihren Heimatländern werden leptomorphe Bambusse sehr gern zur Hangbefestigung eingesetzt. Zu dieser Gruppe Bambusse zählen: Phyllostachys, Pseudosasa, Sasa, Pleioblastus, Semiarundinaria und noch einige mehr. Der Fachmann spricht in diesem Falle von leptomorphem Wuchs.

Die horstbildenden Bambusse, pachymorphes Wachstum, sind vom Aufbau gleich. Ihnen fehlt jedoch die sehr weitreichende Rhizombildung, was an den kurzen oberirdischen Halmabständen erkennbar ist. Auch ein Horstbildender Bambus kann vom Durchmesser sehr groß werden, er wird aber nie invasiv und lässt sich auch einfacher teilen und entfernen.

Zu dieser Gruppe zählen alle Fargesien und die meisten tropischen Bambusse wie Dendrocalamus, Bambusa, Chusquea und einige andere. Die farblich schönsten, dicksten und höchsten Halme gibt es nur in der ersten Gruppe.

Zwischenzeitlich zählen beide Gruppen in allen Gartencentern und Baumschulen schon zum Standardsortiment. Und hier beginnt das Problem.

Bambus an sich als Gartenpflanze problemlos

Bambus an sich ist als Gartenpflanze problemlos, wenn die Beratung stimmt. Nicht jeder Verkäufer ist sich über das Wuchsverhalten im Klaren, auch in den wenigsten Betrieben und Firmen sind Rhizomsperren vorrätig. Auch macht man den interessierten Kunden über die schädigenden Eigenschaften verschiedener Bambusse und den damit höheren Pflegeaufwand meist nur in wenigen Fällen aufmerksam.

Leptomorphe Bambusse mit einer richtig eingebauten und verschlossenen Rhizomsperre aus HDPE-Folie mit einer Stärke von mindestens zwei Millimeter machen auch über viele Jahre Freude. Die zur Verfügung stehende Fläche muss natürlich auch stimmen. Ich rechne immer: zu erwartende Höhe = Durchmesser.

Teilweise haarsträubende Beratung bei Testkäufen von Bambus

Bei hin und wieder von mir durchgeführten Testkäufen kommt es zu teilweise haarsträubenden Beratungsgesprächen. Sie bekommen dann als Antwort: ‚Wenn er sich zu sehr ausbreitet, kann man ja abstechen, um die Pflanze einen Graben ziehen oder einfach abschneiden.‘ Als Endlösung wird dann ein Herbizid empfohlen, keines hilft hundertprozentig. Auch das Pflanzen in einen Maurerkübel oder auch Kantensteine und Wellpolyester wird als Lösung empfohlen.

Das Verkaufspersonal sollte also entsprechend geschult sein. Denn Bambus richtig gepflanzt, bildet über die Jahre wunderschöne Haine/Horste. Ich selbst habe über die vielen Jahre rund 100 verschiedene Bambusse bis in einer Höhe von acht bis zehn Metern in Pflege.“

Weitere Artikel zum Thema Recht finden Sie jede Woche in der TASPO.