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Regional und kombiniert: Bio-Zierpflanzen mit Zukunftsperspektive

Das Projekt Bio-Zierpflanzen, in dem unter anderem die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bioland und verschiedene Zierpflanzenbaubetriebe zusammenarbeiten, hat eine ganze Reihe an Maßnahmen durchgeführt, um seine Bekanntheit zu erhöhen. Wie Hermann-Josef Schumacher von der Anbaugemeinschaft Bio-Zierpflanzen berichtet, waren neben der Verbraucherebene auch die Produzenten- und Handelsebene entscheidende Zielgruppen der Maßnahmen. 

Das Projekt Bio-Zierpflanzen setzt unter anderem auch auf seine informative Internetseite und den Online-Verkauf von Bio-Zierpflanzen. Screenshot: Kathrin Weiß

Im Fokus standen Präsentationen auf Messen und Ausstellungen, auch auf der Verbraucherebene, in diesem Jahr aber besonders auf der Fachebene: Projekte und eigene Veranstaltungen mit öffentlicher Beteiligung wie beispielsweise eine Exkursion zum Thema „Beet & Balkon“, ein Fachseminar „Hingucker, Umsatzträger, sich Abheben von der Masse – Bio-Zierpflanzen im Fachhandel“ oder der Bio-Zierpflanzenbautag an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg. Unter anderem hat das Projekt auch seinen Internet-Auftritt www.bio-zierpflanzen.de weiterentwickelt. Der hat auch zum Ziel, Bio-Zierpflanzen via Internet zu vermarkten.

Die Akquise in Handelsunternehmen und in Gärtnereien hatte laut Schumacher nachhaltigen Erfolg: Klaus Bongartz, einer der Leitbetriebe des Projektes, beschreibt die Effekte so: „Vor vier Jahren auf der IPM in Essen musste ich fast jedem Gesprächspartner erklären, was Bio-Zierpflanzen sind: 2014 wusste jeder Bescheid. Über die Fachpresse, sowohl im Gartenbau, auf der gartenbaulichen Handelsebene, auf der Bio-Großhandelsebene als auch auf der Lebensmitteleinzelhandels-Ebene, ist inzwischen ebenso ein hoher Bekanntheitsgrad gegeben.“

Eines der Projektziele, die Verbraucherebene über regelmäßige Veröffentlichungen in den vielfältigen Freizeitgartenbau-Zeitschriften zu erreichen, sei allerdings trotz intensiver Anstrengungen bisher zu wenig gelungen.

Nach den bisherigen Erfahrungen sehen die Projektbeteiligten vor allem in dem Ansatz „Blumen–Kräuter–Pflanzen – das Bio-Regional-Konzept Deutschland“ eine Zukunftsperspektive. Die Verknüpfung von „Bio und Regional“ sowie von „Blumen–Kräuter–Pflanzen“ werde ein wichtiger Hebel bei der Steigerung in der Verbraucherwahrnehmung sein, ist sich Schumacher sicher. Das schaffe neue Synergien: Mit Bio-Zierpflanzen könne man den Bio-Kräuter-Absatz fördern, Bio-Kräuter und Bio-Zierpflanzen ließen sich gut nebeneinander verkaufen, und Bio-Zierpflanzen ließen sich so über die Obst- und Gemüseabteilungen der Handelshäuser einführen, nennt Schumacher einige Vorteile.

Im abgelaufenen Projektjahr hatten die Ekaflor und Edeka Südwest sich zu Testverkäufen von regionalen Bio-Zierpflanzen in ihren Märkten bereit erklärt. Edeka Südwest präsentierte Waren auf der Hausmesse im Oktober. Die Ekaflor bereitete die Präsentation von Bio-Zierpflanzen auf der IPM 2014 als Eigenmarke mit Bioland-Label vor. Allerdings zogen sich einige beteiligte regionale Bio-Gärtnereien vorzeitig zurück, sodass die weitere geplante Zusammenarbeit abgesagt werden musste.

Der überregional agierende Handel, im Bio-Bereich Weiling, Basic, Denree, Alnatura, im allgemeinen Bereich Rewe, Edeka, Blume 2000 und Risse, kann ohne Einschränkung auf die regional organisierten Erzeuger zurückgreifen und die Produkte breit verteilen. Aber auch hier sind die Regionalisierungstendenzen klar erkennbar, sagt Schumacher.

Die Grundvoraussetzung für ein Projektgelingen in Zukunft sei allerdings, dass sich deutschlandweit schnell Bio-regionale Erzeugergruppen etablieren.  „Nur dann kann eine erfolgreiche nachhaltige Markteinführung gelingen“, sagt Schumacher. Bei der Akquise auf Erzeugerebene sei es sinnvoll, die bisherigen Produktionserfahrungen zur Reduzierung des Einsatzes von synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, des Herbizideinsatzes, zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und zur Senkung des Energieeinsatzes der Gesamtheit der Gartenbau-Unternehmen zugänglich zu machen. Dadurch erhöhe man automatisch die Akzeptanz. Ebenso werde die Wahrscheinlichkeit größer, ein breit aufgestelltes regionales Bio-Sortiment an Blumen, Kräutern und Pflanzen zu erreichen.

Derzeit ist Schumacher nach eigenen Angaben dabei, die regionalen Bio-Arbeitsgruppen Nord mit Berlin, Hamburg, Hannover, Süd und Nordrhein-Westfalen zu etablieren. Im Süden steige das Bio-Großhändler-Interesse an Bio-Pflanzen stark an. (ts)