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Regionalität kann das Sortiment stärken

Der Pluspunkt Regionalität macht im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) nur einen relativ geringen Umsatzanteil aus, ist für die einzelnen Standorte aber ein wichtiges Profilierungsmerkmal. „Regionalität ist wichtig fürs Image, für Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit“, so Prof. Heike Mempel von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Für viele Verbraucher ist Regionalität eine Art Qualitätssiegel. Foto: Erwin Wodicka

Obst und noch mehr das Gemüse sind für den LEH deshalb ein wichtiges Profilierungssortiment, was auch die steigende Zahl an Handelsmarken zu diesem Thema beweist. Wobei der Begriff regional sehr unterschiedlich ausgelegt wird – und das genau birgt auch Risiken, weil Irreführung vom Verbraucher sehr schnell als negativ empfunden wird.

Grund, warum beispielsweise Österreich hier sehr konsequent vorgeht und als regional wirklich nur Gemüse aus Österreich anbietet und sogar McDonald‘s dies einhält. „Problem ist bei uns, dass viele Ansätze abhängig von der Verfügbarkeit der Ware und der Nachfrage vermischt werden und zudem Unterschiede in der regionalen Identität der Verbraucher bestehen, beispielsweise zwischen Nord und Süd“, fasst Mempel die Einflüsse zusammen.

Auf der einen Seite nimmt der Handel so heute, auch durch seine Eigenmarken, mehr Einfluss auf das Sortiment. Auf der anderen Seite hat der Verbraucher dank des Überangebotes die Wahl. „Für ihn ist Regionalität eine Art Qualitätssiegel“, weiß die Wissenschaftlerin. Bio kann hier noch einen zusätzlichen Mehrwert bieten („Klimakohl“), das zeigt das Beispiel der österreichischen Discounterkette Hofer, dem dortigen Aldi-Pendant, die im Regionalbereich sehr stark mit Bioware arbeitet.

Einige Anforderungen sollte Regionalware angesichts der dargestellten Situation deshalb unbedingt einhalten, rät Mempel: Es sollte keine Kompromisse bei der Qualität geben. Zertifizierungskriterien sollten genau wie im konventionellen Anbau an alle, auch kleinere Handelsmengen, angelegt werden. Dasselbe gilt für die Einhaltung der Kühlkette. Die Preisbildung sollte genau wie auf dem konventionellen Markt erfolgen, denn schon geringe Übermengen können erhebliche Preiseinbrüche nach sich ziehen.

„Regionalware sollte ihr Preisimage deshalb schärfen“, empfiehlt Prof. Heike Mempel von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, denn immer mehr Discounter entdeckten das regionale Sortiment. Für den Anbau und Handel gilt deshalb: Man braucht effiziente Strukturen, Planung, Bündelung, Logistik und eine kontinuierliche Handelsbelieferung – auch in Zeiten mit geringerer Verfügbarkeit.

„Das Thema Regional bietet weiter klare Chancen, das Obst- und Gemüsesortiment zu stärken“, sagt die Expertin – aber nur dann, wenn man es strategisch, geplant und wirtschaftlich angeht und innovative Ansätze findet. „Agieren statt Reagieren“, rät Mempel den Anbauern. Auch der Trend zurück zu kleineren LEH-Betrieben, die mit dem Plus kürzere Wege und Produzentennähe arbeiten, biete Chancen, wenn es gelinge, Bündler zu etablieren, die es schaffen, auch kleinere Partien frischer und leicht verderblicher Ware zu verteilen. (kla)