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Reisen viele Blumen bald per Schiff um die Welt?

Der Zierpflanzenbau stehe am Vorabend einer Revolution, titelte das Vakblad voor de Bloemisterij am 9. Juni 2006. Die Revolutionäre sind jene Blumengroßhändler, Im- und Exporteure, die sich aus Kostengründen dem Luftfrachtverkehr ab- und dem Seetransport zuwenden wollen. Aufgrund der stark gestiegenen Luftfrachtkosten – so der Hinweis im Vakblad – werde der Seetransport interessant, selbst wenn die Reise fünf- bis zehnmal so lang wie mit dem Flugzeug dauert. Seetransport sei ein heißes Thema in allen wichtigen Schnittblumen-Produktionsgebieten. Erste Erfahrungen mit dem Seetransport von Schnittblumen seien vielversprechend. Von Ekuador gingen dieses Jahr bereits etwa 20 Schiffcontainer mit Schnittblumen nach Holland. Fünf Tage brauche der Seetransport von Schnittblumen aus Kolumbien nach Miami. Eine Schiffsfahrt von Rotterdam an die nordamerikanische Ostküste dauert etwa zwei Wochen – für schnelllebige Produkte wie Blumen eigentlich zu lang. Dies scheint sich nun zu ändern. Die drastische Verlängerung der Transportzeit ist mit Maßnahmen der Konservierung verbunden. Das Vakblad stellte die Firma Flower Transport Gel – FTG – heraus. Sie entwickelte ein Gel, welches in einem Säckchen unten am Stiel oder innerhalb der Folieneinwicklung angebracht wird und die Blumen während des Transports versorgt. Beim ersten Versuch hatte man Lathyrus aus den USA transportiert, Anfang 2006 dann das Gel für einen Blumen-Schiffstransport von Kenia nach Holland verwendet. Speziell die „Bukettfüller“ hätten ein gutes Ergebnis erreicht. Bei Rosen komme das Verfahren für bestimmte Sorten wie ‘Frisco’, ‘Chelsea’ und ‘Gabriella’ infrage. Zugleich wurde herausgestellt, nur im optimalen Reifestadium geerntete Blumen seien für den Seetransport geeignet. Das Gel sei kein Wundermittel, aber eine Möglichkeit, um die Blumen in horizontaler Lage über längere Zeit zu transportieren, ohne dass dies auf Kosten von Frische, Qualität und Vasenleben gehe. Die Kosten des Schifftransports waren im beschriebenen Fall nur etwa halb so hoch als ein vergleichbarer Luftfrachttransport. Verpackung (perforierte Folie) und Gel führen zu Zusatzkosten von etwa ein Cent pro Stiel. FTG will in der zweiten Häfte 2006 zahlreiche Schiffsfrachtlieferungen von Blumen aus Kenia nach Holland organisieren und rechnet mit 250 bis 500 Containern.

Als zweites Beispiel nennt das Vakblad ein holländisches Unternehmen aus Bovenkarspel (Firma Fortnight). Es verwende eine spezielle luftdurchlässige Folie zusammen mit perforierten Kartons (gute Durchströmung) und legt großen Wert auf die Vorbehandlungsmaßnahmen. Das Unternehmen hatte schon 2002 ein Patent auf sein Verfahren angemeldet und dieses zuerkannt bekommen. Über dieses Patent soll es auf Initiative des Großhändlerverbands VGB aber Auseinandersetzungen geben.