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Rheinland Pfalz: Esskastanienkrebs breitet sich aus

Der Esskastanienkrebs ist ein Schwerpunktthema des Waldstandsberichtes 2006 für Rheinland-Pfalz, den Umwelt- und Forstministerin Margit Conrad jetzt der Presse vorstellte. Dem Bericht zufolge ist die Krankheit inzwischen ein sehr ernstes Problem für die Esskastanienwälder des Landes. Die Esskastanie wächst in Rheinland-Pfalz auf etwa 2000 Hektar Waldfläche. Das Land verfügt damit über den bundesweit höchsten Flächenanteil an Kastanienwäldern. Schwerpunkt der Verbreitung sind die Hanglagen oberhalb der Weinberge in der pfälzischen Haardt und an der Mosel. Die Bedeutung dieser Baumart liegt insbesondere in ihrem kulturhistorischen Wert und ihrer touristischen Anziehungskraft, informiert das rheinland-pfälzische Umwelt-, Forst- und Verbraucherministerium. Das Holz diente jahrhundertelang zur Produktion von Rebpfählen, und ihre leckeren Früchte ("Maronen") sind in vielen Weinorten ein unverzichtbarer Bestandteil der traditionellen Küche. Seit einiger Zeit bereitet das Auftreten des Kastanienrindenkrebses in Teilen der rheinland-pfälzischen Kastanienwälder zunehmend Sorge, heißt es weiter. Der aus Ostasien stammende Pilz wurde 1904 in die USA eingeschleppt und führte zu verheerenden Schäden in den Beständen der amerikanischen Kastanie. 1938 gelangte er nach Italien und breitete sich rasch aus. 1989 wurde der Kastanienrindenkrebs erstmals nördlich der Alpen in der Schweiz, 1992 dann auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Trotz umfangreicher Bekämpfungs- und Quarantänemaßnahmen breitete sich der Pilz vor allem nach dem trockenen und warmen Sommer 2003 in den Wäldern der Haardt aus. Derzeit sind etwa 40 Hektar befallene Kastanienbestände bekannt. Der Rindenkrebs ist nach Angaben des Ministeriums ein sehr ernstes Problem für die Kastanienwälder und die durch diese Baumart geprägten Kulturlandschaften. Daher arbeiteten die Landesforsten Rheinland-Pfalz eng mit Spezialisten der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig, der baden-württembergischen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg sowie Experten aus Südeuropa zusammen. Hierbei spielten insbesondere geeignete Verfahren zur Eindämmung der Erkrankung eine Rolle. Die Bevölkerung brauche nicht auf das Sammeln der Maronen zu verzichten. Von den Früchten gehe nach derzeitigem Kenntnisstand keine Gefahr der Verschleppung des Pilzes aus. Langfristig sei zu hoffen, dass - wie in Südeuropa - auch bei uns von einem Virus befallene und dadurch weniger aggressive Stämme des Pilzes die Oberhand gewännen und damit zu einer Entschärfung der Krankheitssituation führten.