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Rolle rückwärts: von Zier- hin zu Nutzpflanzen

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Landauf, landab kommt es zur „Rolle rückwärts“: Viele Gärtnereien stellen ihre Produktion von Zier- auf Nutzpflanzen um, da die Nachfrage nach Gemüse oder Gemüsepflanzen deutlich zunimmt. Wir zeigen Beispiele von Betrieben, die den Schritt bereits vollzogen haben oder kurz davor stehen.

Weg von Schnittblumen, hin zu Erdbeeren

Bereits im vergangenen Jahr umgestellt hat Klaus Timmann einen Teil seines Betriebs – nachdem er beziehungsweise seine Eltern Karlheinz und Annegret Timmann seit 1990 Schnittblumen (neben Rosen, Paeonien und Dahlien insbesondere Gerbera) produzierten.

„Mit Gerbera lässt sich über die Vertriebsschiene Blumengroßmarkt kein Geld mehr verdienen, das ist kein Mengenprodukt mehr“, erläutert Timmann. Also hat er klein angefangen und baut nun in den Vier- und Marschlanden auf zunächst 1.600 Quadratmetern (von insgesamt 5.500 Quadratmeter Gewächshaus- und 5.000 Quadratmeter Freilandfläche) zwei Sorten Erdbeeren an.

„Egal wie viel ich ernte – ich verkaufe alles“

Verkauft werden die Früchte an Wochenmarkthändler und zwei Edeka-Geschäfte im nahegelegenen Hamburger Stadtteil Bergedorf. „Egal wie viel ich ernte – ich verkaufe alles, und preislich hat es noch nie Differenzen gegeben“, erklärt Klaus Timmann, der von seiner Gerbera-Produktion „viel wegwerfen musste“.

Wenn es das Personalproblem nicht gäbe, würde Timmann noch mehr Fläche auf Erdbeeren umstellen. Er macht seine Früchte als Regionalprodukte kenntlich und versucht, die Ernte auf einen möglichst langen Zeitraum auszudehnen. Der Gärtner sieht ein großes Potenzial – obwohl er „weiß, dass in unserer Region erst in jüngerer Vergangenheit über 20 große Betriebe, der kleinste davon mit 7.000 Quadratmetern, auf Nutzpflanzen umgestellt haben“.

Umstellung auf Naschgarten-Pflanzen

Schon seit 2011 hat Thomas Hitscher zusammen mit seiner Frau Sabine in den Vier- und Marschlanden seine Produktion „zu Lasten der Zierpflanzen“ auf Kräuter (12er-Topf) und „am Rande“ auf Naschgarten-Produkte (17er-Topf) wie Tomaten umgestellt. „In den ersten vier Jahren war das Wachstum enorm, dann flachte die Kurve ab“, erinnern sie sich.

Im vergangenen Jahr glaubte Hitscher, dass „der Zenit erreicht“ sei. Doch durch den „kalten Winter ist viel kaputtgegangen, der Umsatz zog in diesem Jahr wieder an“.

Rund 80 Kräutersorten produziert der Betrieb, darunter auch exotische Sorten wie asiatischen Koriander. Den größten Umsatz macht er aber weiterhin mit Standardsorten wie Petersilie, Rosmarin, Thymian oder Salbei. Seine Kunden auf dem Blumengroßmarkt Hamburg sind Wochenmarkthändler, Gartencenter aber auch Floristen, die „Kräuter als Zierpflanzen“ verkaufen.

Ursachen für den Hype um Nutzpflanzen

Und worin sieht Thomas Hitscher die Ursachen für den Hype um Nutzpflanzen? „Es geht zurück zu den Wurzeln, die Verbraucher wollen etwas wachsen sehen, sie sind die immer gleiche Supermarktware leid“, vermutet er. Und er verweist auf einen Trend, der nicht nur in den Vier- und Marschlanden deutlich wird und die Nachhaltigkeit der Entwicklung bestätigt:

„Viele Gartenbau-Betriebe verpachten Verbrauchern kleine Flächen, nicht selten nur 20 Quadratmeter, für ihren eigenen Anbau. Manchmal nur die Fläche, manchmal fertig bepflanzte Beete. Profimäßig vorbereitet, aber ohne Gartenhaus und Springbrunnen wie in Schrebergärten“. Thomas Hitscher ist sicher: „Das ist ein Wachstumsmarkt.“

Zier- und Nutzeffekt macht Chili beliebt

Weit südlich von Hamburg, im Raum Stuttgart, hat Peter Bürkle 2015 mit dem Anbau von Chili – einem Trendprodukt in nahezu jedem Naschgarten – begonnen. Er bestätigt die Aussage von Thomas Hitscher zur Verbrauchermotivation: „Gerade im städtischen Bereich wollen Eltern ihren Kindern zeigen, wie etwas wächst. Neben dem Zier- ist auch ein Nutzeffekt da, beides zusammen macht die Produkte im Moment so beliebt.“

Bürkle spricht von einer „gewissen Verlagerung weg von den Zierpflanzen“, in der Hauptsaison werden in seiner Gärtnerei (12.000 Quadratmeter Glas/Folie, 30.000 Quadratmeter Freiland) auf etwa einem Drittel der Betriebsfläche Naschgarten-Produkte angebaut. Darunter auch Minze in winterharten Sorten. Einen Trend – nicht nur bei den Nutz-, sondern sicher auch bei den Zierpflanzen – sieht er in „bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen“.

Den kompletten „Rolle rückwärts“-Beitrag über die Produktionsumstellung vieler Betriebe von Zier- auf Nutzpflanzen lesen Sie im TASPO extra Genusspflanzen in TASPO 33/2018.