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Die Anfälligkeit für den Feuerbrand ist auch eine Sortenfrage

Bereits seit vielen Jahren weiß man um die großen Unterschiede zwischen der Anfälligkeit von Arten und Sorten gegen den Feuerbrand. Quitten, Felsenmispeln (einige Cotoneaster-Arten) und Stranvesien sind allein durch ihre späte Blüte besonders gefährdet. Auf diese Gehölze sollte in Gebieten mit starkem Infektionsdruck besser verzichtet werden.

Apfelsorte 'Boskoop'. Foto: Klaus Nasilowski

Im Rahmen des Interreg-IV-Projekts „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ wurden zahlreiche Bäume in der Landschaft auf ihre Anfälligkeit gegenüber dem Feuerbrand-Erreger geprüft. Durch kontrollierte Infektionen in abgeschirmten Gewächshäusern wurden außerdem zahlreiche Apfel- und Birnensorten getestet. Leider stellten sich praktisch das gesamte Kernobstsortiment sowie einige alte Sorten und schorfresistente Sorten aus tschechischer Züchtung als hoch anfällig heraus. Zu den anfälligen Apfelsorten gehören beispielsweise ‘Otava’, ‘Champagner Renette’ und ‘Cox Orange’, zu den anfälligen Birnensorten unter anderem ‘Clapps Liebling’ und ‘Egnacher Mostbirne’.

Eine Reihe von Apfelsorten wurde als robust gegen den Feuerbranderreger eingestuft. Es handelt sich vor allem um alte Sorten, aber auch um einige Sorten der Pillnitzer Re-Serie. Robust gegen Feuerbrand sind zum Beispiel ‘Rewena’, ‘Schöner von Boskoop’ und ‘Danziger Kantapfel’. Im Birnensortiment zeigen sich neben einigen alten Sorten die Birnen aus der amerikanischen Resistenzzüchtung als robust, darunter ‘Harrow Delight’ und ‘Madame Verte’.

Fazit: Fast das gesamte Tafelapfel- und Tafelbirnensortiment ist als anfällig gegenüber dem Feuerbrand eingestuft worden. Dies gilt auch für die wichtigsten Kernobstunterlagen M9 und Quitte. Damit werden entsprechende Pflanzenschutz- und Quarantänemaßnahmen in diesem Bereich weiterhin nötig bleiben.

Im Bereich des Tafelobstes wird der Umbau des Sortimentes auf robuste Sorten nur langfristig möglich sein. Bei vielen Züchtungsaktivitäten spielt die Feuerbrandanfälligkeit nur eine geringe Rolle. Somit ist es nicht verwunderlich, wenn die meisten neuen Tafelapfelsorten sich ebenfalls als anfällig erweisen. Positive Beispiele sind jedoch die Apfelzüchtungen des Julius-Kühn-Institutes für Züchtungsforschung in Dresden Pillnitz (Re-Sorten) und die Birnenzüchtungen der kanadischen Versuchsstation Harrow (Harrow-Birnensorten).

Sehr wichtig wird für die Zukunft auch die Züchtung robuster Kernobstunterlagen sein. In diesem Bereich wird zurzeit hauptsächlich in den USA gearbeitet, wo der Feuerbrand bereits seit langer Zeit ein großes Problem ist.

Anders sieht es im Sortiment der Streuobstsorten aus. Hier gibt es immerhin eine Auswahl an robusten Sorten. So kann in Gebieten mit starkem Infektionsdruck oder mit großem Gefährdungsrisiko für den Erwerbsobstbau nach und nach auf robuste Sorten umgestellt werden. Leider muss dabei auf viele gegen andere Krankheiten robuste Sorten verzichtet werden. Problematisch wird die Sortenwahl im Streuobst bei Birnen, da hier die Anfälligkeit gegen den Birnenverfall – eine Mykoplasmose – in Süddeutschland ebenfalls beachtet werden muss. Glücklicherweise wurden die verbreiteten Sämlingsunterlagen Bittenfelder Sämling für Apfel und Kirchensaller Mostbirne für Birnen als robust eingestuft. (nas/ts)