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Rußrindenkrankheit: Trockenstress begünstigt Ausbreitung

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Auswirkungen des trockenen Sommers 2018 sind in vielen Regionen noch zu spüren. So müssen derzeit mehr als 30.000 Ahorn-Bäume in Wäldern im Kreis Gießen gefällt werden, die von der durch die Dürre begünstigten Rußrindenkrankheit befallen sind. Sind Ahorn-Arten auch in öffentlichen Anlagen oder in privaten Gärten betroffen?

Rußrindenkrankheit: Befallsstandort in einer Parkanlage. Foto: Gerhard Renker

Pilz verursacht in der Regel keine ernsthaften Schäden

Der starke Befall im Kreis Gießen, über den die Presse berichtete, deckt sich mit Rückmeldungen aus anderen südlichen Gebieten Deutschlands, zeigt Diplom-Biologin Stefanie Hahn vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig auf Anfrage der TASPO auf.

„Eine systematische Erhebung dazu gibt es jedoch nicht. Nach Aussage unserer Experten lebt der Pilz (Cryptostroma corticale) eigentlich endophytisch und verursacht in der Regel keine Krankheitssymptome am Wirtsbaum (Ahorn-Arten). Auch aus seiner Heimat Nordamerika ist nicht bekannt, dass der Pilz zu ernsthaften Schäden führt“, erklärt Hahn.

Was also derzeit im Süden Deutschlands beobachtet wird, scheint der Diplom-Biologin zufolge eng mit der trockenen Witterung in Zusammenhang zu stehen.

Rußrindenkrankheit nimmt tendenziell zu

„In den vergangen Jahren konnten wir tendenziell eine Zunahme der Rußrindenkrankheit in privaten Gärten, öffentlichen Liegenschaften und generell in Parks beobachten“, berichtet Alexander Kraus vom Baumsachverständigenbüro Kraus.

„Aus meiner Sicht sind die Ahornarten Acer campestre, der Feld-Ahorn, Acer platanoides, der Spitz-Ahorn und Acer pseudoplatanus, der Berg-Ahorn, besonders betroffen.“ Vermutlich werden auch andere Ahorn-Arten befallen, schätzt Kraus. Erkennbar sei bereits jetzt, dass Bäume an nasseren Standorten oder Bäume, die im vergangenen Sommer gewässert wurden, seltener betroffen sind.

Vorbeugen durch nachhaltiges Wässern der Bäume

„Der Trockenstress der Bäume begünstigt die Ausbreitung der biotischen Schadursachen. Sollte es in diesem Jahr wieder zu einem besonders trockenen Sommer kommen, erwarte ich weitere massive Schäden an Bäumen“, so Kraus. Baumliebhaber sollten ihre Bäume dann nachhaltig und früh genug wässern.

„Befall von Ahorn mit Cryptostroma corticale wird in den letzten Jahren verstärkt in Nordrhein-Westfalen gemeldet“, erklärt Gerhard Renker vom Fachbereich Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. „Betroffen sind bei uns vor allem Standorte im Straßenbegleitgrün und in Parks.“

Pilz spielt in der Baumschulproduktion keine Rolle

In der Baumschulproduktion spielt der Pilz Renkers Beobachtung nach keine Rolle. Der Schwächeparasit trete vor allem auf kargen Standorten in Verbindung mit dauerhaftem Trockenstress der Bäume auf.

Mehr zur Rußrindenkrankheit lesen Sie in der TASPO 12/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.