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Sächsische Erfolgsstory: nicht reden, sondern machen

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Ein 300 Quadratmeter großes Blumenfachgeschäft in ländlicher sächsischer Idylle zu eröffnen, beweist schon unternehmerischen Mut. Zumal die Tendenz im Blumeneinzelhandel bekanntlich in die entgegengesetzte Richtung geht – möglichst wenig Ladenfläche und somit geringe Fixkosten. Doch Simone und Stephan Senf haben in ihren beruflichen Entscheidungen immer Courage bewiesen und trotz einiger Niederschläge Recht behalten.

Das neueste Blumenfachgeschäft in Oschatz – in dem Ladenlokal war zuvor ein Küchenstudio untergebracht. Blumen Senf

Familienbetrieb mit fünf Blumenfachgeschäften und 30 Beschäftigten

Die äußeren Bedingungen in Oschatz (bei Leipzig) waren zur Eröffnung vor einem Jahr alles andere als ideal, standen sie doch unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie. Weitere Blumenfachgeschäfte führt das Ehepaar in Eilenburg, Schildau, Dahlen und Warmsdorf. Neben Tochter Lydia arbeitet auch Sohn Marcus mit im Familienbetrieb. Im Gesamtunternehmen werden 30 Personen beschäftigt, darunter 15 Floristinnen. Damit dürfte das Familienunternehmen Senf zu den größten und erfolgreichsten Floristik-Betrieben in Sachsen gehören.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte eigentlich schon zu DDR-Zeiten. Damals, als Pädagogik-Studentin, hat Simone Senf sich in den regionalen Gärtnereien Schnittblumen besorgt. „Mein Mann hat Kerzen gedrechselt, unsere Produkte haben wir am Bahnhof in Leipzig verkauft“, erinnert sie sich. 1990, gleich nach der Wende, wurde ein Gewerbe angemeldet. Verkauft wurden die Blumen vor einem Zelt, das die Lebensmittelkette Coop als ersten Standort errichtet hatte. An Miete zahlte das Ehepaar Senf 100 D-Mark – täglich! Das war damals richtig viel Geld – und ein Zeichen dafür, wie so manches westdeutsche Unternehmen die Menschen im Osten über den Tisch gezogen hat.

Aus der Traum vom selbstständigen Unternehmertum?

Coop machte weitere Läden auf, später auch andere LEH, und das Ehepaar Senf lieferte mit eigenem Lkw auf Kommission Blumen an diese Outlets. Das ging so lange gut, bis immer mehr Breitfahrer vor allem aus Holland den ostdeutschen Markt überschwemmten. Zugleich rückten die ostdeutschen Konsumenten immer mehr von ihren regionalen Produkten ab. „Alles, was aus dem Westen kam, war plötzlich angesagt“, erinnert sich Simone Senf. Ihr selbst ging es auch nicht anders und ihre Tochter Lydia lacht im Hintergrund kurz auf, als sie sagt: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal Alstromerien gesehen habe – wunderbar.“

Es kam, wie es kommen musste: Coop beendete das Engagement in Sachsen, die Läden wurden übernommen, die neuen Betreiber hatten ihre eigenen Blumenlieferanten. Aus der Traum vom selbstständigen Unternehmertum? „Es war sehr schwierig, wir waren überschuldet und standen fast vor einem Total-Crash“, erzählt Simone Senf. Zwei Dinge halfen. Eine Anzeige, in der Pflanzen-Überwinterung angeboten wurde, eröffnete ein neues Geschäftsfeld. Und Sohn Marcus lernte später im Fitness-Studio jemanden kennen, der riet: Verkauft doch über das Internet.

Holpriger Start in den Online-Handel

Es gehört schon ein ausgeprägtes Unternehmer-Gen dazu, in solch einer schwierigen Situation zu sagen: Wir versuchen das! „Zu Beginn in 2011, als wir zunächst über eBay und Amazon gearbeitet haben, sind wir in so ziemlich jedes Fettnäpfchen getreten, das es gab“, erinnert sich Simone Senf. Heute kann sie über die Anfangsschwierigkeiten lächeln: Das Familienunternehmen macht trotz der fünf Blumenfachgeschäfte einen Großteil des Firmenumsatzes über den mittlerweile eigenen Online-Shop.

► Mehr über die Erfolgsgeschichte des Familienbetriebs Senf und das neue Blumenfachgeschäft in Oschatz lesen Sie in der TASPO 14/2021.

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