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Schwarzer Humor auf dem Friedhof

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Eine Ausstellung in der Torhaus-Galerie auf dem Stadtfriedhof Göttingen präsentierte: „Einer geht noch“ – Cartoons und Karikaturen über das letzte Stündlein.

24 Cartoonisten und Karikaturisten nehmen den Tod aufs Korn

Ein Cartoon grüßt speziell die rasenmähende Grüne Branche: „Papa, hast Du meinen Hamster gesehen?“ „Ja, aber zu spät.“ 24 Cartoonisten und Karikaturisten widmeten sich in der Torhaus-Galerie auf dem Göttinger Stadtfriedhof dem, was uns alle erwartet – dem Tod. Frei nach der Erkenntnis: sobald man über etwas lachen kann, verliert es Stück für Stück seinen Schrecken. „Einer geht noch“ trat den Beweis dafür an, dass es durchaus möglich und auch erlaubt ist, über den Tod zu lachen. Der ausstellungsnamensgebende Cartoon zeigt eine alte Dame vor drei Grabsteinen. Hier sind ihre letzten drei Ehemänner begraben. „Einer geht noch!“, sagt sie: Einen Ehemann wird sie (vielleicht) noch überleben.

Oder noch einer: „Wir haben die Katze im Garten begraben.“ „Woran ist sie denn gestorben?“ „Erstickt, an Erde!“ Wer darüber herzlich lachen kann, war auf bei „Einer geht noch“ sicher richtig. Die Ausstellung wurde initiiert vom Göttinger Verschönerungsverein und zur Verfügung gestellt von der Caricatura Galerie für Komische Kunst, Kassel, gemeinsam mit dem Museum für Sepulkralkultur, ebenfalls aus Kassel.

Göttinger Verschönerungsverein Initiator der Ausstellung

Die Besucher der Ausstellung lachten über den Tod, mit dem Tod, trotz des Todes und gelegentlich auch mit den Hinterbliebenen (Ehefrau vor Badewanne mit verblichenem Ehemann nebst Fön: „Wir haben Ökostrom.“ Ermittelnder Polizist: „Dann war es ein natürlicher Tod!“).

Nonsens, Makabres und schwarzer Humor rund um das Thema Tod – und das auf dem Friedhof? Aber ja! Gerade auf dem Friedhof. Denn der Tod ist so vielfältig wie das Leben. Er lauert hinter jeder Ecke und kann erstaunliche Formen annehmen – und er kommt oftmals dann, wenn man ihn nicht erwartet oder wenn man ihn gerade nicht gebrauchen kann. Da er aber unausweichlich ist, gilt es, sich ihm zu stellen.

Norbert Mattern vom Göttinger Verschönerungsverein war 2016 bei einem Besuch des Kasseler Museums für Sepulkralkultur auf die Idee gekommen, die Ausstellung in die Torhaus-Galerie nach Göttingen zu holen. Am letzten Ausstellungstag freute er sich über die positive Resonanz. „Unseren Besuchern hat es großartig gefallen. Auch die grenzwertigen Cartoons, etwa zu Thema Al Qaida oder Flüchtlingskatastrophe. Sie sind aufgefallen, manchmal auch grenzwertig, aber immer akzeptiert worden.“

Mal leichte Kost, mal schwärzester Humor

Denn das Spektrum der Ausstellung reichte von federleichtem Nonsens bis zu rabenschwarzem Humor, von witzigen Blödeleien bis zu Scherzen, bei denen einem das Lachen im Halse stecken zu bleiben drohte – etwa Al Qaidas next Topterrorist: „Das war wirklich sehr schön, Abdul, ich würde dich gerne in der nächsten Runde wiedersehen!“ (Der Wunsch des Jury-Mitglieds wird sich ganz sicher nicht erfüllen, denn Abdul hat sich soeben in die Luft gesprengt.)

Es ist immer eine Gradwanderung. Denn gerade der Tabubruch kitzelt das Lachen hervor. Und reizt nicht nur zum Lachen, sondern auch zur Freude darüber, dass wir in einer Welt leben, in der wir lachen dürfen. In der die Grenzen des Lachens „nur“ der gute Geschmack ist, nicht aber Verbot, Zensur und Terror.

Aber harter Tobak war eher selten, meist gab es leichtere Kost, etwa wenn die Krokodilmutter das Krokodilkind fragt: „Und wie macht der Mensch?“ „Hilfe! Oh mein Gott! Mein Bein!“ Oder wenn sich zwei Jäger langweilen, weil sie auf der Pirsch erfolglos sind. Sagt der eine zum anderen: „Ich hab’ keinen Bock mehr. Lass’ uns doch einfach den Hund abknallen.“

„Einer geht noch“ als Wanderausstellung

Die Originalversion der Ausstellung stellt die Caricatura Galerie für Komische Kunst, Kassel, auch anderen Museen und Austellungshäusern auf Anfrage zur Verfügung. Die Sammlung besteht aus etwa 80 Originalen und 50 Drucken. Eine abgespeckte Repro-Version von ihr war auf dem Göttinger Stadtfriedhof zu sehen und geht auch mal auf Wanderschaft. Zusätzlich können Leihnehmer auf professionell vorbereitete Materialien für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zugreifen. Bisher war die Ausstellung in Bremen, Berlin, Nienburg/Weser, Hannover, Bad Wildungen, Pinneberg und Spenge zu sehen.

Die nächsten Stationen der Wanderausstellung sind:

  • 5. November bis 14.Dezember Friedensau, Bibliothek der Theologischen Hochschule,
  • 22. März bis 14. April 2019 Otterndorf, Galerie der Stadtscheune.