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Schwimmendes Gewächshaus: Machbarkeitsstudie abgeschlossen

Zu dem unter Bezeichnungen wie „Drijvende Kas“ (Schwimmendes Gewächshaus) und „Floating Roses“ (Auf dem Wasser treibende Rosen) bekannt gewordenen niederländischen Innovationsprojekt ist die Machbarkeitsstudie jetzt abgeschlossen. Ob das Projekt realisiert wird, ist aber eine Frage der Finanzierung. Das Projekt „Floating Roses“ betrifft einen 45.000 Quadratmeter großen Gewächshausblock, der auf einem Gewässer errichtet werden und der Rosenproduktion dienen könnte.

Ansicht des innovativen Projektes. Werkfoto

Da in einem dicht besiedelten Staat wie den Niederlanden die für den Gartenbau verfügbare Fläche begrenzt ist und die Grundstückspreise immer höher werden, prüft man seit mehreren Jahren, wie realistisch ein Ausweichen auf Wasserflächen (bis hin zu den ufernahen Bereichen der Nordsee oder anderer Meere) ist.

Ein kleines „Schwimmendes Gewächshaus“ wurde vor Jahren auf einem Teich der FloraHolland-Niederlassung Naaldwijk errichtet. Unter Einbeziehung zahlreicher Organisationen – darunter die Rabobank ebenso wie die Provinz Zuid-Holland – fiel dann der Beschluss, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Sie wurde Mitte Februar in Den Haag vorgelegt.

 

Mehr als 30 Millionen Euro

Wie die für einen Betrag von 323.000 Euro erstellte Machbarkeitsstudie zeigt, gibt es nach Angabe der niederländischen Fachpresse (Vakblad voor de Bloemisterij) keine technischen Hindernisse für das Projekt. Ein „harter Knochen“ aber sei noch die Finanzierung, da der betreffende Bau mehr als doppelt so teuer als praxisübliche Gewächshäuser entsprechender Größe wäre.

In einer Power Point-Präsentation, die man auf der Internetseite des Projektes (www.floatingroses.nl) herunterladen kann, sind die Kosten des auf 4,5 Hektar ausgerichteten schwimmenden Gewächshauses auf etwas mehr als 30 Millionen Euro (ohne Verfahrenskosten) beziffert.

Das Gewächshaus selbst – einschließlich der Einrichtungen – wäre nur etwas mehr als zwei Millionen Euro teurer als ein übliches Gewächshaus (12,8 gegenüber 10,5 Millionen Euro). Besonders stark zu Buche schlägt aber der Schwimmkörper. Er würde 7,8 Millionen Euro kosten.

Die Machbarkeitsstudie wurde zur Hälfte von der Productschap Tuinbouw finanziert, die zweite Hälfte von anderen Projektträgern. Wie es heißt, hat die Productschap damit ihren Beitrag geleistet und sie werde sich finanziell nicht an der eigentlichen Umsetzung des Projekts beteiligen.

Wer trägt den Betrag, den das „Schwimmende Gewächshaus“ teurer ist als das praxisübliche Gewächshaus? Darüber wird in Holland verhandelt. „Die Verbraucher“, so eine Anmerkung im Bericht des Vakblad, „zahlen nicht extra für Rosen, nur weil diese in einem schwimmenden statt in einem normalen Gewächshaus angebaut werden!“

Für niederländische Gärtner sei es jedenfalls sehr viel billiger, ein Gewächshaus auf festem Boden zu errichten. Anders sehe es möglicherweise in einigen Jahren aus, sofern die Grundstückspreise massiv steigen.

Damit das Projekt realisiert werden kann, sind jedenfalls andere Geldgeber nötig. Wahrscheinlich wird unter anderem die Provinzregierung Gelder bereitstellen. Dies unter anderem deshalb, weil es sich um einen Beitrag zur Nutzung von Überschwemmungsgebieten handelt. Da es sich um ein sehr innovatives Projekt handeln würde, könne damit gerechnet werden, dass es Besucher aus vielen Ländern anlockt.


Schwimmkörper aus EPS

Technisch steht der Schwimmkörper im Fokus des Interesses. Dieser muss das Gewächshaus mit all seinen Einrichtungen und Lasten tragen, auch während des Baus. Der Schwimmkörper ist vor allem aus EPS-Kunststoff, also dem Isolierhartschaum zusammengesetzt. In dieses Material sind Glasfaserfolien integriert.

Über das EPS kommt ein Betonflur. Man geht von mindestens 50-jähriger Haltbarkeit solcher Schwimmkörper aus, während das darauf errichtete Gewächshaus im Zeitraum von 15 Jahren betriebswirtschaftlich abgeschrieben wird. Der Gewächshausblock selbst ist ein durchaus praxisüblicher Venlobau mit Gitterträgern und Standardbindern, wobei durch die Bewegungen des Baus aber spezielle Anforderungen ans Sprossensystem zu richten sind.

Die Rosen sollen in mobilen Rinnen kultiviert werden. Das Wasser aus dem See wird nicht für die Bewässerung der Rosen verwendet. Vielmehr will man Regenwasser auffangen, in Bassins speichern und dann als Gießwasser nutzen.

Als Standort schlägt die Machbarkeitsstudie eine Stelle in dem zur Gemeinde Lansingerland liegenden Voorafsche Polder vor. Hierzu gab es im Vorfeld eine Absprache zwischen der Gemeinde und der Provinz Zuid-Holland. Es ist ein Standort nahe der N 470 zwischen Zoetermeer und Delft.