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Sensationeller Durchbruch in der Pflanzen- und Tiergenetik

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Eine Sensation in der Entwicklung des Gen-Editing meldete am vergangenen Freitag das Institut für Pflanzengenetik der Kishon-Universität in Tel Aviv. Einem Forscher-Team gelang mit Hilfe der CRISPR-Cas9-Methode erstmals eine Kombination aus phytogenetischem und zoogenetischem Material: die „Stuben-Melone“, deren Kerne nach dem Anschneiden von selbst wegfliegen.

Fünf bis zehn Minuten nach dem Anschneiden sind die Kerne der „Stuben-Melone“ (Citrullus domestica) weggeflogen. Foto: Prostock-studio

Genetische Verschmelzung von Stubenfliege und Wassermelone

In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Entomologie der schottischen Glasgow Gun Bhrìgh University ist dem interdisziplinären Wissenschaftsteam um den Pflanzengenetiker Prof. Amir Levy und den Entomologen Sean McGiblean mit Hilfe der CRISPR-Cas9 Methode die genetische Verschmelzung zwischen den Spezies Citrullus lanatus und Musca domestica gelungen.

Das Bahnbrechende an dieser Forschungsarbeit: erstmals gelang eine Kombination aus phytogenetischem und zoogenetischem Material mit Hilfe der sogenannten CRISPR-Cas-Schere.

„Stuben-Melone“ in Forschung und Praxis

„Den Bedarf haben wir schon lange gesehen und erstmals 1967 im Rahmen einer israelischen Doktorarbeit an unserem Lehrstuhl in Tel Aviv als Forschungsziel formuliert. Endlich ist es Wirklichkeit geworden: Ab sofort können wir Wassermelonen vermehren, deren Kerne, sobald man die Früchte aufschneidet, von selbst wegfliegen!“, erläuterte Levy auf der gemeinsamen Pressekonferenz beider Institute den anwesenden Wissenschaftsjournalisten aus siebzehn Ländern.

Möglich wird dies durch eine Einkreuzung der Musca domestica, also Stubenfliege, in das Genmaterial der Wassermelone.

„Die Absatzchance der herkömmlichen Wassermelone vergrößert sich um ein Vielfaches, denn ab sofort gewinnt die Melone eine nicht unbeträchtliche potenzielle Käuferschicht hinzu: All die Menschen, die sich vorher vor den Melonenkernen geekelt haben“, so McGiblean zum praktischen Einsatzgebiet der – so der Arbeitstitel des Forschungsteams – „Stuben-Melone“.

Prognose: Ekelfaktor verschwindet bald ganz

McGiblean räumte dabei ein, dass man auch Melonen mit einem „Fliegenkern“ einen gewissen Ekelfaktor nicht zur Gänze absprechen könne, wagte aber die Prognose: „Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Umdenken des Verbrauchers einsetzen: Der Melonen-Konsument wird es sich in kurzer Zeit angewöhnen, einfach so lange abzuwarten, bis alle, nun sagen wir ruhig ‚Kerne‘ weggeflogen sind, denn das tun sie zuverlässig.“ Vorher, so der Rat des Wissenschaftlers, einfach nicht so genau hinschauen.

Bei den fliegenden Kernen handele es sich übrigens um Hybride, die sich nicht selbständig vermehren können. So sei etwa nicht zu befürchten, dass sich Melonenabfälle in der Biotonne explosionsartig in Fliegenwolken verwandeln.

Folgt bald schon die „Stuben-Gurke“?

„Nicht so genau hinschauen“ könnte auch das Leitmotiv für eine weitere Kreuzung sein, die nach der Grundlagenforschung durch das Forscherteam in Zukunft sehr leicht möglich ist: Musca domestica mit Cucumis sativus, der Gurke. Hier werde sich das Kreuzungsergebnis, so McGiblean, allerdings nur langsam oder vielleicht auch gar nicht durchsetzen. Denn anders als Melonenkerne seien Gurkenkerne nicht dunkel, sondern hell. „Die ungewohnten schwarzen Kerne in einer ansonsten hellgrünen Gurke sehen einfach widerlich aus.“

Von der Musca domestica allerdings auf helle Fliegen, beispielsweise die Trialeurodes vaporariorum, auszuweichen, ist nach Angaben des Entomologen nicht so ohne weiteres möglich. „Stubenfliege war schwer genug. Der Genpool der Weißen Fliege ist noch gar nicht entschlüsselt. Bis eine Einkreuzung in die Gurke möglich ist, werden mindestens zehn weitere Jahre vergehen.“

„Die Fliege in der Melone suchen“?

Nicht genug damit, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Genetik pflanzliches und tierisches Erbgut miteinander kombiniert wurde – das Forschungsteam der Pflanzengenetiker und Entomologen ging sogar noch einen Schritt weiter und zog zu einem recht frühen Stadium der Melonen-Fliegen-Kreuzung eine weitere Fachdisziplin hinzu: die Sprachwissenschaft.

Prof. Erwin Lindemann vom Linguistischen Lehrstuhl der Universität Göttingen erläuterte auf der gleichen Pressekonferenz die interdisziplinäre Herausforderung des Forschungsvorhabens: „Seit Jahrhunderten ist die Redewendung ‚die Fliege in der Suppe suchen‘ im mitteleuropäischen Sprachraum gebräuchlich. Unserer Überzeugung nach wird sich diese phraseologische Wortverbindung unter Einwirkung der Stuben-Melone einer sprachgeschichtlichen Wandlung unterziehen. Schon jetzt sind wir in der Lage, den Vorgang empirisch zu beobachten, denn es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis es heißen wird ‚die Fliege in der Melone suchen‘.“