Solarmodule statt Folie: Anbauer profitieren von Doppelnutzung

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Anbau im Vergleich: unter Folienbogentunneln und Solarmodulen bei Piet Albers. Foto: BayWa r.e. Solar Projects

Die Zukunft bei der Kultur von Genusspflanzen liegt in der Agri-Photovoltaik (AgriPV), ist sich Piet Albers, Beerenobst-Kultivateur im niederländischen Babberich, sicher. In seinem Betrieb wurden 2019 auf einer Testfläche von knapp 4.000 Quadratmetern statt der üblichen Folienbogentunnel auf einer Höhe von 2,5 Metern Solarmodule installiert, bevor darunter die Himbeerkultur aufgepflanzt wurde.

Strom erzeugen und Schatten spenden mit Agri-Photovoltaik

„Die Module schützen die Kultur vor zu viel Sonne, Regen und Hagel und produzieren gleichzeitig Strom“, erklärt Stephan Schindele, vom Projektpartner BayWa r.e. Solar Projects (München), im Gespräch mit der TASPO. Dank der Agri-Photovoltaik-Technologie kann eine landwirtschaftliche und gärtnerische Produktion erfolgen, gleichzeitig wird Energie erzeugt und Wasser eingespart.

Gemeinsam mit ihrem Lieferanten Zimmermann PV-Stahlbau (Oberessendorf) hat die BayWa r.e. das Montagesystem für die Solarpaneele entwickelt, in das bei Albers zwei Meter lange Solarmodule integriert wurden, mit einer Neigung von je 15 Grad nach Osten und Westen. Auch Vorbereitungen für die Drahtabspannungen, an denen die Himbeerruten nach oben wachsen und seitlich gestützt werden können, sind schon integriert. Zwischen den Modulreihen besteht ein schmaler Abstand, der sorgt für den gewünschten Luftaustausch und beugt etwa Pilzbefall in der Kultur vor. Der Kulturaufbau selbst erfolgte von Albers und seinen Mitarbeitern.

Sogar moderate Hanglage möglich

„Die Beerenobst-Kulturen unter den Modulen bleiben trocken. Bei Bedarf kann Regenwasser über Rinnen an den Modulen abgeleitet und in einem Wasserspeicher eingeführt werden“, zeigt Schindele als Vorteil auf. Die Aufstellung der Solarmodule könne ganz individuell und standortspezifisch erfolgen. „Wobei die Gesamtfläche auch nicht so flach sein muss, wie in den niederländischen Betrieben“, sagt Schindele – eine moderate Hanglage sei sogar möglich.

Wichtiges Kriterium für den Produzenten ist die Frage nach der Lichtdurchlässigkeit durch die Solarmodule, damit ausreichend Licht auf die Pflanzen trifft. Nicht nur Himbeeren, sondern auch Erdbeeren auf Stellagen, Rote Johannisbeeren in Erdkultur, Heidelbeeren und Brombeeren in teilgeschlossenen Systemen stehen derzeit bei niederländischen Produzenten unter Solarmodulen im Test.

Optimales Lichtverhältnis für jede Beerenkultur berechnet

„Für jede Beerenkultur haben wir ein optimales Lichtverhältnis berechnet und entsprechende Solarmodule installiert“, zeigt Schindele auf. Dabei werden semi- transparente kristalline Module (Leistung 270 kW) verwendet und die Solarzellen werden auf Abstand zwischen den Glasscheiben installiert. Im Versuchsaufbau der Pilotanlage von Albers wurden Ernteerträge im Zusammenhang mit variierenden Lichtdurchlässigkeiten der PV-Module getestet. Als Referenz diente eine herkömmliche Beerenerzeugung unter Folieneindeckung.

Mehr zur Agri-Photovoltaik und den Pilotanlagen in den Niederlanden lesen Sie im aktuellen TASPO extra Genusspflanzen in der Ausgabe 29/2020.

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