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Soll Getreide als Regelbrennstoff bundesweit anerkannt werden?

Der Hessische Gärtnereiverband (HGV) sieht im Getreide durchaus einen interessanten Brennstoff für Gewächshäuser. Das Thema "Verbrennen von Getreide" rückte beim Hessischen Gartenbautag überraschend in den Vordergrund. So sieht HGV-Präsident Jürgen Mertz die Verbrennung von Getreide durchaus als "echte Alternative für teures Heizöl". Bundes- und Landesregierung seien aufgefordert, die Verwertung von Getreide als alternativen Brennstoff stärker voranzutreiben und das Getreide trotz ethischer Bedenken als Regelbrennstoff zuzulassen. Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes - Christian Bär - empfahl die landwirtschaftlichen Betriebe als gute Bezugsquelle für das zu verbrennende Getreide. Laut Hessischem Bauernverband könnten allein aus diesem Bundesland jährlich rund 700.000 Tonnen Getreide zu niedrigen Preisen als Brennstoff geliefert werden. Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel sprach sich bei seiner Rede auf dem Gartenbautag ebenfalls für die Getreideverbrennung aus. Das Land Hessen habe letztes Jahr im Bundesrat einen Antrag zur Diskussion gestellt, Getreide als Regelbrennstoff zuzulassen. Sowohl im Agrar- als auch im Umweltausschuss habe dieser Vorstoß aber keine Mehrheit gefunden. Immer wieder höre man ethische Aspekte wie "Wir verbrennen Getreide und in Afrika verhungern Kinder". Dies sei aber nicht stichhaltig, weil sich eine Getreideverbrennung in Europa nicht auf die Nahrungssituation in anderen Teilen der Welt auswirke. Eine Anerkennung von Getreide als Regelbrennstoff wäre nach Meinung Dietzels vor allem deshalb sehr wichtig, weil einschlägige Heizungshersteller wie Buderus oder Viessmann sich "nur dann in die Entwicklung moderner Getreideheizanlagen stürzen, wenn sie wissen, dass da ein Geschäft zu machen ist." Ausnahmegenehmigungen für den Einzelfall führen nicht entscheidend weiter. Heute sind die technischen Lösungen zur Getreideverbrennung noch mit Problemen behaftet. Nach Berechnungen des Instituts für Agrartechnik der Universität Göttingen können zweieinhalb Kilogramm Getreide einen Liter Heizöl ersetzen. Auf einem Hektar Anbaufläche entstehe eine Trockenmasse von rund acht Tonnen. Ein weit gefächerter Energiemix müsse auch die Verbrennung von Getreide einschließen.