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Sommerblumen: Rückbesinnung auf Saisonalität

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In der Produktion von Sommerblumen ist bei den Erzeugern in den Vier- und Marschlanden wieder Wachstum zu verzeichnen – unter anderem, weil viele Floristen sich wieder stärker saisonal orientieren und regional versorgen.

Viele der rund 200 Erzeugerbetriebe in den Vier- und Marschlanden produzieren im Sommer Schnittblumen – wie hier Dahlien. Foto: Claudia Timmann/BGM Hamburg

Breites Schnittblumen-Angebot in den Vier- und Marschlanden

Sucht man nach Informationen zur aktuellen regionalen Schnittblumen-Produktion, dann liegt man in den Vier- und Marschlanden richtig. „Hamburg war immer eine Ausnahme, denn während andere Vermarktungsstandorte doch sehr ,topflastig‘ sind, gab es bei uns durch die vielen kleinen und mittleren Betriebe immer ein breites Schnittblumen-Angebot“, meint Dirk Scheel, in der vierten Generation Schnittblumen-Erzeuger mit Sonnenblumen als „spezielle Hauskultur“.

Von den rund 200 Gartenbau-Betrieben in Hamburg vermarkten rund 50 Prozent über den örtlichen Blumengroßmarkt, etwa 90 Prozent davon sind, zumindest saisonal, auch Schnittblumen-Produzenten.

Zusammenhang zwischen Saisonalität und Regionalität

Und die bieten ein immer breiteres Angebot. „Das Wachstum ist da, das Angebot ist deutlich größer als vor zehn Jahren, viele Floristen orientieren sich wieder stärker saisonal“, hat Scheel beobachtet. Bestätigt wird das von Margit Kücken, die mit ihrem Mann Stefan ein breites Sommerblumen-Sortiment produziert. Wie Scheel sieht sie einen Zusammenhang zwischen Saisonalität und Regionalität. „Beide Aspekte haben in den Köpfen der Floristen wieder mehr Raum eingenommen“, spürt Scheel.

Die Nachfrage des Blumeneinzelhandels nach regionalen Sommerblumen steigt seit einigen Jahren auf allen Blumengroßmärkten (BGM) kontinuierlich. Auf dem BGM Köln wurde beispielsweise im Juni ein Plus von 7,7 Prozent beim Schnittblumen-Umsatz erzielt. Auch bei Landgard stieg dieser in den ersten fünf Monaten dieses Jahres. Wobei die regionalen Produzenten sicher davon profitieren, dass der Sommerflor für die immer populärer werdenden, locker gebundenen Wald-und-Wiesen-Sträuße prädestiniert ist.

Mehr Vielfalt beim Sommerflor

Es gibt aber auch noch andere Gründe. „Betriebe, die früher nur Rosen oder Gerbera produzierten, haben auch andere Kulturen aufgenommen“, erklärt Kücken. Wie sie sieht auch Alexander Hars „die zunehmenden Beschränkungen im Pflanzenschutz“ als eine der Ursachen der Produktionsumstellungen. Dadurch habe beim Sommerflor die „Vielfalt deutlich zugenommen“, meint der mit 33 Jahren noch junge Erzeuger aus den Vier- und Marschlanden.

Dirk Scheel verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass sich in vielen Betrieben in den vergangenen Jahren „die Betriebsstruktur geändert hat“. Er nennt als Beispiel sein Unternehmen. „Haben wir uns früher mit drei, vier Kulturen beschäftigt, so sind es heute eher zwölf bis fünfzehn.“ Für Gartenbau-Betriebe seiner Größe (5.000 Quadratmeter unter Glas, 2.000 Quadratmeter Freiland) sei klar: „Massenverkauf geht nicht mehr“. Was dann allerdings auch dazu beigetragen hat, dass „die Preise stabiler sind als früher“, meint Margit Kücken.

Umgang mit Saisonalität neu erlernen

Die Vielfalt wird also immer größer. Was die Floristen freuen dürfte, denn damit können sie sich von dem sehr einheitlichen Angebot des Systemhandels abgrenzen. Allerdings ist natürlich das Angebot einzelner Kulturen quantitativ eingeschränkt. „Der ein oder andere Kunde ist schon genervt, weil nicht alles durchgängig vorhanden ist“, stellt Kücken immer mal wieder fest. Die Floristen haben sich aufgrund der zunehmenden Globalisierung daran gewöhnt, dass immer alles zu jeder Zeit verfügbar ist. Den Umgang mit der Saisonalität muss so mancher Blumeneinzelhändler wieder neu erlernen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der TASPO 29/2018, die am 20. Juni erschienen ist.