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Sommerprojekt "Natur- und Landschaftsbilder": Künstlerisches Arbeiten als naturkundlicher Erkenntnisprozess

Besucher des Deutschen Gartenbaumuseums in der Cyriaksburg in Erfurt sahen in der letzten Juliwoche im Gewächshaus im Burggraben auf ihrem Rundgang ein gutes Dutzend junger Leute konzentriert an Staffeleien, umgeben von Farbflaschen und -paletten, Skizzen und Pinseln.

Die zwölf- bis 21-jährigen Teilnehmer nahmen vom 24. Juli bis 5. August am Sommerprojekt "Natur- und Landschaftsbilder" des Deutschen Gartenbaumuseums teil. Aber was genau brachten die Teilnehmer aufs Papier? Die vom Menschen geschaffene Landschaft mit ihren Pflanzen, Details aber auch großräumigen Bezügen.

Um den Teilnehmern einen Zugang zu dieser Thematik zu eröffnen, fanden an den ersten drei Tagen Exkursionen statt, bei denen Skizzen angefertigt wurden. Am ersten Tag führte die Arbeit in einen Wald und an den Waldrand, wo der Mensch kaum gestaltend eingegriffen hat. Der zweite Exkursionstag war der agrarisch genutzten Kulturlandschaft gewidmet, während am dritten Tag in einem Schlossgarten und -park gearbeitet wurde. Die geordnete, gärtnerisch kunstvoll inszenierte oder beherrschte Natur stand im Mittelpunkt dieser Exkursion. Gartenbau und Gartenkunst präsentieren sich im Schlosspark Belvedere in Weimar in ihren schönsten Facetten und hinterließen bei den Teilnehmern einen tief bewundernden Eindruck.

Neben Zeichenhocker, Skizzenblock und Grafit gehörten auch Lupe, Bestimmungsbuch und Kamera in das Exkursionsgepäck der Teilnehmer. Die Schüler fertigten zahlreiche Skizzen von jeder Landschaftsform an, um das für sie Wesentliche festzuhalten und herauszuarbeiten. Von der Brennesselblüte bis zur Horizontlinie wurde den großen und kleinen Strukturen und dem gestaltenden Einfluss des Menschen nachgegangen.

Skizzen und Naturstudium waren nur der Anfang. Im Museum hat jeder Schüler Arbeiten ausgewählt, mit denen er sich weiter auseinandersetzen wollte. Es wurden Farbentwürfe angefertigt, die als Grundlagen für die Acrylmalerei dienten. Die Teilnehmer bauten ihre Staffeleien in den Arealen des Burggrabens und im Gewächshaus auf. Das genaue Hinsehen bildete nicht nur die Grundlage für die Skizzen, sondern auch bei der Arbeit vor der Staffelei. Zudem ist es die Basis für eine bewusste Wahrnehmung und einen kritischen Umgang mit Landschaft und zugleich Einstieg und Hinführung zu diversen Themenfeldern der Landschaftsarchitektur und der Gartenkunst oder des Gartenbaus. Wie die Landschaften und ihre Details von den Teilnehmern wahrgenommen wurden, bestimmte die künstlerische Arbeit wesentlich.

Wenn Pinsel und Farbe sich gar nicht mehr den jungen Künstlern fügen wollten, konnten diese Zerstreuung im Deutschen Gartenbaumuseum und im Ega-Park finden. Auf diese Weise wurde das bei den Exkursionen und beim Malen angefachte Interesse an Pflanzen in das gartenbauliche und -künstlerische Spektrum gerückt. Viele Teilnehmer haben sich das erste Mal wirklich bewusst und intensiv mit den Themen Landschaft und Landschaftsgestaltung durch Gartenbau/kunst und Landwirtschaft sowie mit Kultur- und Wildpflanzen auseinandergesetzt und im künstlerischen Schaffensprozess über sie nachgedacht. Unterstützt wurde das Sommerprojekt finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Erfurter Malschule, der die künstlerische Anleitung des Kurses oblag.

Zu sehen sind die Ergebnisse noch bis zum 30. Dezember 2006 im Palmencafé des Deutschen Gartenbaumuseums.