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Sommersaison 2014: viele Unwetter, aber zufriedene Gesichter bei den Blumengroßmärkten

Bis weit in den Juli, glaubt man den Schlagzeilen der Boulevard-Zeitungen, hat Deutschland einen Unwetter-Sommer erlebt. Im Raum Münster brachte das Tief Quintina Ende Juli 98 Liter/Quadratmeter auf die Straße. Ein Todesfall war zu beklagen, etwa sieben Stunden dauerte der Platzregen, rund 1.300 Notrufe erhielt die örtliche Feuerwehr. Schon bei den Pfingst-Unwettern Anfang Juni wurden etwas weiter südlich, auf dem Blumengroßmarkt in Dortmund, rund 70 Bäume entwurzelt. 

Verwüstet – auf dem Blumengroßmarkt in Dortmund wurden durch Unwetter 70 Bäume entwurzelt. Foto: Herbert Kettermann/BGM Dortmund

Am Bodensee brachte Quintia sogar 109 Liter pro Quadratmeter auf die Straße, in Karlsruhe waren es immerhin noch 73 Liter. In Kappelrodeck (Baden-Württemberg) regnete es in zwei Stunden 140 Liter pro Quadratmeter So weit die Unwetter-Rangliste der Wetterfrösche.

Auch Städte wie Köln oder Düsseldorf erlebten im Juli sintflutartige Wetterlagen, deren gemeinsamer Nenner war: Sie waren sehr heftig, aber auch regional begrenzt. Allein in Nordrhein-Westfalen richteten die Unwetter geschätzte 100 Millionen Euro Schaden an. Es zeigt sich eine langfristige Tendenz. Noch in den 1970ern lagen die jährlichen Unwetterschäden bei durchschnittlich einer Milliarde Euro. Im vergangenen Jahrzehnt lag der Durchschnitt bei fünf Milliarden Euro, allein im Jahr 2013 betrug die Schadenssumme 14 Milliarden Euro.

Doch nicht überall gab es viel Regen. Für Mannheim etwa, so Hans-Georg Biller vom örtlichen Blumengroßmarkt, stellte sich die Situation gänzlich anders dar. „Wir hatten im ersten Halbjahr rund 40 Prozent weniger Regen als üblich, selbst in den Wäldern konnte man die Dürre sehen.“ Dies bestätigt auch Gert Hieber vom Blumengrossmarkt in Stuttgart: „Schon im Frühsommer reichte für die Rosengärtner der Niederschlag nicht aus.“ Für den 2014 sonneverwöhnten Norden erläutert Klaus Bengtsson vom Blumengroßmarkt in Hamburg: „Wir haben durchgängig sonnige Wochen erlebt, auch weiter im Norden. Es brannten ja auch nicht wie in den vergangenen Jahren die Wälder auf Korsika oder in anderen südlichen Gefilden, sondern in Schweden.“

Tatsache ist laut Deutschem Wetterdienst: Verglichen mit den seit 1961 erhobenen internationalen Vergleichszahlen waren die letzten 13 Monate in Deutschland zu warm. Je wärmer die Luft, desto mehr Wasser wird aufgenommen, desto stärker der Regen. Dies aber regional, fast lokal begrenzt. Ein Grund, warum der Zierpflanzenbau in Deutschland, wie eine Umfrage bei der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte ergab, nicht von der außergewöhnlichen Unwetterlage ernsthaft betroffen war. „Den einen oder anderen Erzeuger mag Hagel vielleicht getroffen haben. Aber die Situation ist nicht vergleichbar mit 2013 in Reutlingen, davon sind dort heute noch Nachwirkungen zu spüren“, erläutert Peter Rene Hecker vom Blumengroßmarkt Düsseldorf.

Er verweist aber auf einen Teilbereich, den auch Herbert Kettermann vom Blumengroßmarkt in Dortmund anspricht: Die Situation auf den Friedhöfen in weiten Teilen Westdeutschlands. „Viele Bäume sind schon bei den ‚Ela‘ genannten Unwettern rund um Pfingsten umgefallen, zahlreiche Friedhöfe waren gesperrt, teilweise sogar bis in den August hinein“, berichtet Kettermann. „Unwetter wie in diesem Jahr habe ich in den letzten zwölf Jahren in der Region Dortmund nicht erlebt. Eine ganze Häuserzeile in Dortmund ist durch Sturm und Regen unbrauchbar geworden und muss abgerissen werden.“

Versöhnlicher klingt Kettermann, wenn es um die Geschäftsergebnisse in diesem Jahr geht. „Das Jahr verlief bisher eigentlich recht zufriedenstellend“, resümiert er mit der in der Branche oft so deutlichen Zurückhaltung. „Beim Beet- und Balkongeschäft hatten wir einschließlich April ein deutliches Plus gegenüber 2013. Die sehr guten Nachholergebnisse von Mai und Juni 2013 konnten aber nicht erreicht werden. Sehr gut lief in diesem Jahr der Bereich Staudenpflanzen“,  ergänzt Peter Rene Hecker.

Der Mannheimer Hans-Georg Biller spricht sogar von „unwahrscheinlich gut“, angesprochen auf den regional erzeugten Sommerschnitt. Bestätigt wird dies ebenfalls von Frank Schäfer (Blumengroßmarkt Karlsruhe) und dem Hamburger Klaus Bengtsson: „Die Freilandware hat gute Qualitäten und trifft auf eine ordentliche Nachfrage“. Wie sich der Sommer weiter entwickelt, steht allerdings noch in den Sternen. Erstmalig begannen die Sommerferien in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz gleichzeitig, das wird voraussichtlich nicht ohne Auswirkungen etwa für den Blumengroßmarkt Mannheim bleiben.

Von einem „außergewöhnlich gleichmäßigen Saisonverlauf ohne Hängephasen oder kaum zu bewältigende Spitzen“ spricht Reiner Wilk vom Blumengroßmarkt in Frankfurt am Main. „Die Produzenten sind durchweg mit dem Geschäft zufrieden.“ Beim Freiland-Schnitt gab es von Frankfurt bis nach Hamburg sehr gute Qualitäten und große Mengen.

„Der Gartenbau war im ersten Halbjahr der Gewinner“, erläutert Raimund Korbmacher vom Blumengroßmarkt in Köln. Bei knapp sechs Prozent lag die Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Durch Umsatzrückgänge etwa im Großhandel oder im Bindereibedarf lag aber für den Gesamtmarkt in Köln das Plus in den ersten sieben Monaten 2014 bei rund einem Prozent. Dies, obwohl zwischen Februar und April in Köln zweistellige Zuwächse erreicht wurden. Der Einbruch begann im Mai und setzte sich bis Juli mit rund fünf Prozent Minus fort. Trotz dieses unerklärlichen Rückgangs rechnet Raimund Korbmacher „mit einem im Vergleich zu 2013 besseren Jahresergebnis.“ (mh)