Nützlinge: neue Netzflügler im Blattlauseinsatz

Veröffentlichungsdatum: , Christoph Geißler

Micromus angulatus ist ein neuer Nützling im Blattlauseinsatz von Biobest. Die Besonderheit dieser „braunen Florfliege“ ist, dass auch die adulten Tiere Schädlinge fressen. Foto: Re-Natur

Neben der bereits bekannten Florfliege erobert jetzt ein zweiter Netzflügler den Nützlingsmarkt: Micromus angulatus heißt er und bietet Chrysoperla carnea gegenüber einen entscheidenden Vorteil.

Neues Produkt von Biobest

Bei der Nützlingsneuheit Micromus angulatus handelt es sich um ein neues Produkt von Biobest – in Deutschland ist dieses unter anderem auch über Re-Natur beziehbar. „Micromus angulatus ist eine heimische Taghafte (Familie Hemerobiidae) und gehört genau wie die Florfliegen zu den Netzflüglern. Sie erreicht eine Körperlänge von acht Millimetern und ist braun gefärbt. Ihre Flügel weisen eine auffällige Aderung auf und sie besitzt lange Antennen“, so Helge Arp von Re-Natur über den neuen Nützling.

Larven und adulte Tiere fressen Blattläuse

Der größte Vorteil von Micromus gegenüber Chrysoperla liegt in ihrer Ernährungsweise, wie Arp erläutert: „Im Gegensatz zur bereits erfolgreich eingesetzten Florfliegenlarve ernähren sich bei Micromus sowohl die Larvenstadien als auch die adulten Tiere räuberisch von Blattläusen. Eine Larve frisst bis zu 130 Blattläuse während ihrer Entwicklung. Adulte Tiere fressen bis zu 100 Blattläuse pro Tag.“ Pro Weibchen werden bis zu 1.000 Eier an die unteren Blätter der Pflanze gelegt. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven entwickeln sich über drei Larvenstadien innerhalb von etwa einer Woche (bei 24 Grad Celsius) zur Puppe, aus der nach weiteren sieben Tagen das adulte Insekt schlüpft.

Am besten in Kombination

Micromus sei, wie Biobests Nützlingsberater Tilmann Brunnberg erklärt, keine alleinige Lösung und sollte stets im Verbund – je nach Kultur und Einsatzgebiet – mit präventivem und kurativem Parasitoideneinsatz (Schlupfwespen) kombiniert werden. Dieser soll auf die jeweilige Blattlausart abgestimmt werden. „Auch im Zusammenspiel mit weiteren Räubern wie Aphidoletes und unseren letztjährigen Neuvorstellungen, den in pollentragenden Kulturen hochgradig effektiven Schwebfliegen Eupeodes corollae und Sphaerophoria ruepelli, kann Micromus eine tragende Rolle in der vollständig biologischen Blattlauskontrolle spielen“, so Brunnberg.

Micromus überlebt kurzfristig auch auf anderen Nahrungsgrundlagen

Micromus zeichnet sich selbst durch ein exzellentes Suchverhalten, eine hohe Fraßrate, eine gute Reproduktionsleistung sowie seine Langlebigkeit aus. Darüber hinaus ist er nicht in stärkerem Maße von Parasitoiden bedroht, da etwa Schwebfliegen von diversen Parasitoiden attackiert werden können. Micromus kann auch kurzfristig auf anderen Nahrungsgrundlagen wie etwa Spinnmilben überleben und somit sogar präventiv zu den Flugzeiten während der Blattlaus-Wanderungen beim Wirtswechsel genutzt werden.

► Noch mehr Neues aus der Welt der Nützlinge sowie Aktuelles rund um den biologischen Pflanzenschutz haben wir in TASPO 18/2022 zusammengestellt.

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