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Sozialbestattungen: Ärger in Gera und Erfurt

Wenn sich die Situation nicht bald ändere, werde man Sozialbestattungen ablehnen oder das Geraer städtische Krematorium boykottieren (= Jahresverlust von etwa 300.000 Euro), sagte der Geraer Bestatter Uwe Schmidt im Namen seiner Kollegen bei einer Diskussion über dieses Problem. Allein bei ihm hatten sich die offenen Rechnungen vor zwei Jahren auf 25.000 Euro summiert, bevor das Sozialamt zahlte. Seit Anfang 2009 bleibe man aber wieder auf den Kosten sitzen. Das Sozialamt zahle verspätet oder gar nicht. Das könne man sich als Familienunternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern nicht leisten.

Knackpunkt der misslichen Lage ist das Thüringer Bestattungsgesetz, nach dem Ehepartner, Kinder und Eltern die Bestattungspflichtigen sind. Das Geraer Sozialamt halte sich aber an das Bundessozialhilfegesetz, nachdem bestattungskostenpflichtige Personen zur Zahlung herangezogen werden, die mit den nächsten Angehörigen nicht identisch sein müssen. Während eines Gesprächs mit den Bestattern schlug die Geraer Sozialdezernentin Christiane Neudert vor, man möge sich an den Petitionsausschuss des Bundestages wenden, um eine andere Länderregelung zu erwirken.

Protest kam dazu auch von Bestatter Volker Uhlig. Taktgefühl und Pietät gehörten zu seinem Beruf und man treffe ja auf Menschen in Ausnahmesituationen. Wenn aber im März 2009 Rechnungen von Januar 2008 immer noch nicht bezahlt sind, äußerte er gegenüber der „Ostthüringer Zeitung“, könne man ja nicht selbst das wandelnde Sozialamt sein. Die Stadt Gera, sagte Schmidt, solle bei ungeklärter Finanzlage doch wenigstens die Grundsumme für Sarg, Wäsche und Abholung des Verstorbenen aufbringen oder einen Fonds für solche Fälle bilden, um gegebenenfalls in Vorkasse gehen zu können. In München oder Nürnberg gehe das doch auch.

Laut Uhlig würden den Bestattern selbst Arztkosten für den Totenschein und Krankenhauskosten für die Lagerung der Toten aufgebürdet. Es gebe schon Berufskollegen, die Sozialbestattungen von vornherein ablehnten. Auch Alexander Friebe vom gleichnamigen Erfurter Bestattungsinstitut klagt über die Säumigkeit der Stadt bei der Begleichung von Rechnungen für Sozialbestattungen. Irgendwelche Boykottmaßnahmen habe man aber noch nicht ins Auge gefasst.